Sonntag,  5. Juni - Berbera / Somalia

Dschihad und Frauen in Kofferräumen

Gestern Mittag machten wir noch einen Ausflug. Eine steinige Piste führt nach Las Geel. Hier sollen wir eine der Hauptattraktionen von Somalia finden. „Las Geel bedeutet eigentlich Kamelwasser“, erklärt uns der Fahrer, während er mit der Linken das Auto um die größten Steine herum und irgendwann scheppernd vor ein paar Felshügeln zum Stehen kommt.

Ein sandiges Flussbett zeugt davon, dass hier in der Regenzeit wohl Niederschlag fällt – jetzt ist es aber staubtrocken. Wir klettern die kleineren und größeren Felsen hinauf, es gibt keine Pfade oder auch nur Wegweiser. Hier finden sich diverse Höhlenmalereien. Kühe, Männlein, Weiblein etc. Ich bin beindruckt ... Vor den Malereien gelangweilte Kat kauende Studenten und ein lethargisch drein blickender Polizist. Offenbar auch zu viel gekaut. Ich lasse mir auch ein paar Blätter andrehen und dann machen wir Gruppenfotos. Alle paar Wochen kommt hier ein Ausländer vorbei - das muss gefeiert werden. Es ist beeindruckend, dass diese viele tausend Jahre alten Kunstwerke in so einem Land immer noch perfekt erhalten sind.

Vor der Abfahrt nach Berbera drehe ich noch eine große Runde um den Block. Peoplrwatching in Hatgeisa. Einige Frauen laufen vorbei, bepackt mit Tüten voller Einkäufe. Sie haben nach muslimischer Tradition alle ihr Haar bedeckt, auch sonst sieht man bis auf Hände und Gesicht keine Haut. Manche sind mit bunten Burkas bekleidet, andere tragen ein Kopftuch. Ein paar Meter weiter schreit ein Mann. Bewaffnet mit einem furchterregenden Schwert fuchtelt er wild herum, während er lautstark den allerneuesten Dschihad verkündet oder nur seine Wassermelonen anpreist - wer weiß.

Wie es sich für eine fast echte Hauptstadt gehört, gibt es auch allerhand Verkehr. Eselkarren trotten umher, vollkommen unbeeindruckt vom Gehupe der Minibusse und der dicken SUVs. Als Fußgänger musst Du dich hier durchquetschen. Sogar eine einzige Ampel gibt es. Allerdings auch nicht überraschend, das das hier niemanden juckt.

Schatten spendet die nahe gelegene Universität. Es sind Semesterferien und nur wenige Studenten sitzen in der Bibliothek. Die meisten vor ein paar Computern, wo sie sich auf Facebook rumtreiben. Einer bemüht die Google-Bildersuche, ihm ein paar Tittenbilder zu zeigen und öffnet hektisch ein Word-Dokument, als er mich sieht. Zu doof nur, dass der Computer nicht mehr zu den schnellsten zählt. Einer erzählt von seinem Vater: Der war auch mal in Deutschland, in der DDR, ein Jahr lang. Dresden, Leipzig, Halle… Aber er hat keinen Kontakt mehr. Sei froh denke ich, die haben ja zu Flüchtlingen aus dieser Region ja mittlerweile ein besonderes Verhältnis.

Heute ging es weiter Richtung Horn von Afrika. Die Landschaft auf dem Weg zur Küste wird immer unwirklicher - Berbera ist das Etappenziel. Mein Gefährt ist vergleichsweise komfortabel, jedenfalls wenn ich es mit der heimischen Bevölkerung vergleiche. Da mussten es sich zwei vollverschleierte Damen mit weniger Glück mit einem älteren Mann im Kofferraum gemütlich machen.

Berbera. Eine zerfallende Stadt. Und unsagbar heiß. Die 40 Grad haben wir heute wieder getoppt. Berbera-ShopApropos zerfallen. Auch das Hotel war eine Bruchbude, hatte aber zumindest eine große Anziehungskraft für allerlei Kriechtiere. Sogar große Krabben wetzten ihre Scheren im Bad. Ich gehe noch etwas in der Stadt bummeln, besonders an den Strand. Schließlich kommt man nach Somalia ja vor allem wegen der Piraten. Doch dazu morgen mehr.

P.S. Schlafen tun hier nur die Einheimischen und das die meiste Zeit des Tages. Ich eher weniger. Die Betten sind steinhart, der Nachbarsesel blökt die ganze Nacht und wenn dann mal Ruhe ist, tuts der Muezzin ihm nach.