Donnerstag,  2. Juni - Djibouti City / Djibouti

Duell mit Plastikflasche

Ich habe zwar nicht wie ein Murmeltier aber doch ganz gut geschlafen. Fast bin ich nach zwei Nächten im Nomadenzelt zum Afar-Krieger mutiert. Gerädert aber fit für Neue Taten. Schnell wollten wir los, die kostbare Zeit zur Rückkehr in die Zivilisation nicht verplempern. So fuhren wir bei brütender Hitze über den Halbinsel - artigen Teil nach Djibouti-City.

Dehydrierung scheissegal, rein ins Hotel, raus aus dem Hotel. Erstmal Getränke kaufen. Umtauschen war nicht möglich, ist aber auch nicht notwendig, man kann fast überall mit US Dollar zahlen. Weiter geht es nach Downtown. Keine Entfernung, aber bei der Hitze einfach mörderisch. Mein erster Eindruck von Djibouti City: es fahren wenig Fahrzeuge durch die Hauptstadt, dafür viele Minibusse, deren Alter kaum mehr zu schätzen ist. Die Beifahrer schreien das Fahrtziel, ich verzichte - das System werde ich sowieso nicht verstehen. lernen.

Gelegentlich werde ich angebettelt, aber nicht so aggressiv wie in Addis. Die Armut ist allgegenwärtig besonders durch die vielen Landflüchtlinge. Es gibt ja genau vier Viertel. Ein europäisches, das geradezu nach Frankreich riecht - nur ohne Kneipen. Aber dazu kommen wir später. Ein arabisch-afrikanisches mit einem vergleichsweise riesigen Märkte. Ganze Straßenzüge dienen hier als Handelsquartier. Zu kaufen gibt es alles, aber nichts brauchbares. Dazu der Hafen und eins für die hiesige Hautevolee.

Fotografieren mögen sich die Marktfrauen in ihren bunten Gewändern gar nicht lassen. Das ist natürlich zu respektieren, aber ehrlich - die Versuchung ist doch groß. Als ich nur einmal meine Handykamera adjustiere und die vor mir sitzende Matrone auch nicht nur ansatzweise ablichten wollte. Sie schreit mich an, Gegenargumente zwecklos. Noch ehe ich mein Handy einpacke, wirft sie mir in hohem Bogen eine 1,5 Liter Wasserflasche an den Kopf. Meine Idee, den so erworben Durstlöscher zum Dank mit auf den Wg zu nehmen, brachte mir Noch weiteren Ärger ein. Nun stürmte die männliche Spezies, vermutlich wars die Verwandtschaft auf mich zu, um die Wasserflasche zurückzuerobern. In dieser Bedrängnis warf ich die Wasserflasche reflexartig in Richtung Matronenstand. Ich bin einmal in Kirgistan vor drei kläffenden Kötern rekordverdächtig weggelaufen. Heute hätte ich locker das Bundesleistungsabzeichen ersprintet.

Gegessen hatte ich übrigens seit dem Snack im Flieger von Frankfurt kommend noch nichts richtiges. Aber später esse ich noch ein äthiopisch-somalisch-djiboutiisches Einheitsgericht - das Kat oder Kath. Die auf Wikipedia als mit dem Koffein vergleichbare Wirkung ist deutlich untertrieben. Das Gewächs macht zügig sehr wach und zeigt Wirkungen von dem, was wir über Amphetamine gelesen haben. Hibbelig, sehr gesprächig und generell groß soll man sich fühlen.

Überall kann man das Zeug kaufen, überall rennen die Leute mit dem Kraut im Mund herum. Ich habe den Eindruck, dass fast alle Streitereien, vor allem die im Straßenverkehr, auf diese hohe Dope-Quote zurückgehen. Doch dazu morgen mehr. In Djibouti gibt es so um die drei, vier Pubs. Das Bier ist schweineteuer, also nichts für eine lange Nacht. Und erst recht kein Trost als Vorbereitung für das noch trockenere Somalia.

Allerdings treffe ich einen französischen Soldaten, der einiges zu erzählen hat. Das Land lebt von den Militärbasen von vielen Nationen. Die größten unterhalten die Franzosen, Amerikaner etc. Auch Japaner und Chinesen sind dabei. Man kann die Luft vor elektromagnetischen Wellen fast spüren. Gruß an die NSA, denn hier hört jeder jeden ab. Das Ganze entstand übrigens unter dem Vorwand der Piraterie. Nur dass es kaum noch solche vor Djibouti gibt. Trotzdem sind die Schiffe und Flugzeuge noch da, auf dem Flughafen finden sich sogar unbemannte Drohnen. Hier geht es nur noch um Suez, den die regionale Vorherrschaft auf der Arabischen Halbinsel und die Rohstoffe in Afrika. Da will keiner der erste sein, der den Abflug macht.

P.S.: Ich habe den Abflug aus der Kneipe doch nicht so schnell gemacht. Mein neuer französischer Freund hat hier Sonderkonditionen. Prost nach Schloggebach!

P.S.: