Mittwoch,  1. Juni - Lac Assal / Djibouti

Nix los on the Beach

Nach einer Nacht ohne Decke nahm ein früher Morgen seine Fahrt auf. Sonnenaufgang - Watching, Flamingo-Watching und noch etwas ganz besonderes war angesagt. Unzählige teils 80 Meter hohe Aschekegel in den skurrilsten Formationen ragen aus der Erde. Der Boden federt als würde man über Knäckebrot laufen. Unser Jeep kommt erst gar nicht zum Einsatz, so dünn ist die Erdkruste. Überall Salzablagerungen, die Geysire fauchen und dampfen um die Wette. Und die geothermischen Kamine werfen ihre Schatten in den Sand.

Nach einer Strecke tiefen Morasts können wir die Flamingos zumindest sehen. Ganz nah heran dürfen wir freilich nicht. Nicht dass hier noch jemand durchs Knäckebrot ins diesseits stürzt. Der Salzgehalt von Lac d'Abbe entspricht übrigens dem vom toten Meer und ist der Tiefste Punkt Afrikas. Auf der Rückfahrt machen wir noch einen Stop im Oasenkaff unseres Fahrers. Die Leute hängen herum. Niemand ist beschäftigt, was sollen die Leute auch tun. Immerhin gibt es in einem Krämerladrn einen guten Kaffee. Draußen bieten bunt verhüllte Damen - nein, nicht ihre Dienste - sondern irgend einen Krimskrams an. Der Markt besteht aus drei Marktfrauen...

Die Weiterfahrt über die selbe Piste wie auf dem Hinweg brachte uns wieder auf den Asphalt wo wir in Richtung Äthiopien inmitten endlosen Kolonnen von schweren Lastwagen eine kleine Rallye Paris-Dakar veranstalteten. Einziges Highlight: eine Pavian-Sippe säumte die Straße und beanspruchte natürlich die Vorfahrt.

Nun geht's zum zweiten See - den Lac Assal, glaube, das ist nach Auskunft des Fahrers jetzt der tiefste Punkt Afrikas. Marketing a La Djibouti. Der Fahrer sprach übrigens nur Französisch, daher verstand ich ohnehin nichts. Der Salzsee ist noch beeindruckender als das Tote Meer in Israel. Eine unwirkliche Szenerie. Brüllend heiß und menschenfeindlich. Helles Türkis, Weiß, Grün und tiefes Blau vor dem Braun und Schwarz der Berge. Trotzdem kommen plötzlich aus dem Nirgendwo drei Kinder daher und wollen uns Salz verkaufen. Wir quatschen ein wenig mit Händen und Füßen , aber Salz braucht nun doch niemand. Salz an einem Salzsee zu verkaufen ist offensichtlich kein profitables Geschäftsmodell.

Der See bildet mit der nach Osten und Westen ziehenden Schlucht einen Teil des African Valleys. Ein riesiger Bruch, irgendwann wird das Horn von Afrika abdriften, Djibouti und Somalia sind dann eine Insel vor der neuen Küste Afrikas. Soweit ist es allerdings noch lange nicht. Das Loch, dass diesen Riss zeigen veranschaulichen soll ginge locker auch unter der Kategorie Schlagloch. Ich stelle mich übers Loch und habe damit ein Bein auf der Arabischen und eins auf der Afrikanischen Kontinentalplatte.

Mittags ein Picknick am Strand der Bucht von Djibouti. Africa-Style. Einige Afar-Zelte, einige Betonpavillons und eine raue, windige Küste. Wenn man will, das keine Touristen kommen, dann richtet man das Ambiente eben ungemütlich und ausladend ein. Eigentlich das gleiche wie in der vergangenen Nacht, nur das dies am Arsch der Welt war und hier der Weg zu einer vernünftigen Infrastruktur nicht weit ist. Die Nacht endet ebenfalls wieder vor den Afar-Hütten, drinnen kann bei solchen Temperaturen niemand schlafen. Von den tatsächlich vorhandenen Klos werden die zur Nutzung gezwungenen vermutlich noch einige Monate in der Therapie zu erzählen haben.

Badeurlaub in Djibouti, da hat so mancher schon mehr Yetis im Hochgebirge als Badegäste hier am Beach gesehen. Einziger Höhepunkt: eine sternenklare Nacht wie man sie nur in der Wüste findet.

P.S.: Die Beachbar hatte trotzdem geöffnet. Es gab Tee Marke Diabetikerschock