Sonntag, 29. Mai - Addis Abeba / Äthiopien

Premiere

Komm nach Äthiopien und sei sieben Jahre jünger! Wer denkt, dass in Afrika die Uhren anders ticken, hat nur eine Ahnung von dem, was ihn in Äthiopien erwartet. Denn Äthiopien überrascht seine Besucher mit einer eigenen Zeitrechnung. Diese geht auf den Julianischen Kalender zurück, kennt 13 Monate und hängt damit unserer Zeitrechnung um gut sieben Jahre hinterher. Schön und gut, die Hälfte der so gesparten Jahre verplempert der gemeine Tourist dann wieder an der Passkontrolle am Flughafen Bole in Addis Abeba.

Viel mehr ist heute auch nicht passiert. Der Flug mit der Lufthansa dauert so seine acht Stunden, was auch damit zusammen hängt, dass der erste Stopp gar nicht der letzte ist. Denn wer nach Addis will, muss erst mal in Jeddah landen. Auch wenn die Äthiopier gewiefte Flugzeugentführer sind, hatte hier doch die Lufthansa die Finger bzw. den Joystick im Spiel. Die Masse der Leute wolle nämlich nach Saudi Arabien und so tuckerte die A330 nach einem kurzen Tankstopp mit vielleicht 30 Leuten die nochmals zwei Stunden in die äthiopische Hauptstadt. Den Vorteil bekamen diese dann auch zu spüren. Bier wurde jedenfalls großzügig ausgeschenkt.

Dann die Premiere. Landung in Addis. Erstmals hatte ich den Rucksack für einen Trip in Richtung Afrika gepackt. Vor mittlerweile 8 Jahren war ich zwar in Marokko, aber das zählt für mich zur arabischen Welt. Das eigentliche Afrika beginnt dahinter. Und Afrika ist Afrika, der schwarze Kontinent zerfressen von Kriminalität und Korruption. Ein gefährliches Pflaster - dies hatte ich auch immer wieder im Kopf. Ob es stimmt? Wir werden es sehen.

Und so dachte ich mir, gleich Nägel mit Köpfen zu machen. Ziel ist heuer Somalia - das Land der Warlords und das Synonym für einen failed State. Also ein Land, das nur auf dem Papier existiert und wo jeder Clanführer sein eigenes Recht durchsetzt.

Im Januar startete die Odyssee nach einem Visum. Touristenvisum über die somalische Botschaft in Berlin? So sinnlos als der Glaube, die Eintracht würde in dieser Zeitrechnung noch jemals deutscher Meister. Ansatzpunkt war die Botschaft in London. Die stellt zumindest Visa aus, aber nur für britische Bürger. Über den Rest des Prozederes halte ich es mit dem Spruch eines jeden, der nicht alles an die große Laterne hängt: der Kavalier genießt und schweigt.

Jedenfalls muss ich jetzt mit meinem gefakten Visum über das kleine Djibouti einreisen und der Weg dorthin führt über Addis Abeba. Deshalb gönne ich mir auch um kurz vor Mitternacht ein Bier in der Hotelbar und morgen einen Tag in der äthiopischen Hauptstadt.

P.S. Als mein Visum per Mail vorab eintrudelt trifft mich der Schlag. Statt eines Touristenvisums erhalte ich eine Arbeitserlaubnis. Was soll ich da jetzt tun? Ziegen hüten? Piratenkombüsen schrubben? MGs putzen? Und braucht man dafür ein polizeiliches Führungszeugnis? Wir dürfen gespannt sein ...