Sonntag,  29. November - New York / USA

Lost im Tunnel

Da heute Sonntag ist und mit die exorbitanten Preise in NYC langsam auf die Nerven gehen – Frühstück für 27 Euro! – mache ich das, was die meisten Amerikaner jeden Morgen machen. Ich hole mir mein Frühstück im Shop um die Ecke. Kaffee mit zwei Bagels, 3 Dollar, eine freundliche Bedienung und ein Bäcker, der sich einerseits noch an meinen Einkauf vom Donnerstag erinnert und immer Zeit für ein Schwätzchen hat. Wie die Geschäfte denn so laufen, will ich wissen. Er ist zufrieden, zumal immer mehr Firmen Leute einstellen und demzufolge die Kaufkraft wächst. Offensichtlich spürt er auch eine gewisse positive Stimmung.

Sonntags Vormittags steht natürlich Harlem auf dem Programm. In der 135th ist die Abessinian Baptist Church, in der ich vor über 15 Jahren schon einmal war. Damals wollte man mich für die Gemeinde werben, was heute geschieht – wir werden es erleben. Die Schlange steht dort schon um 9.40 Uhr um die 2. Ecke herum, aber Fremden gegenüber ist man hier immer aufgeschlossen. Schon nach 5 Minuten bittet man mich in die Kirche und bietet mir einen Kaffee an.

Um 10 Uhr geht es dann auch los. Der Pastor Marke Oliver Hardy mit weißem Bart und großer schwerer Kette, an der in großes Kreuz hängt, stellt sich breitärmelig an die Kanzel und begrüßt die Leute. Auch ein besonderer Gruß geht im meine Richtung, für den ich mich mit einem kurzen Winken auch gleich bedanke. Vor 15 Jahren wurde ich noch rot im Gesicht, nunmehr war ich darauf vorbereitet.

Dann geht es rund, Schlagzeug und fetzige Orgelmusik, danach der Chor. Die Predigt verläuft nach dem Motto „Alles hat ein Ende, nur die Predigt nicht“ und dauert eine gefühlte Stunde. Allerdings sind Predigten hier ein Ritual und nicht das monotone vorlesen selbst verfasster oder kopierter Texte. Um 12.00 Uhr ist ein lebendiger, emotionaler Gottesdienst zu Ende, der eigentlich nichts mit dem zu tun hat, was man hierzulande kennt - außer dass auch hier der Klingelbeutel rum geht.

Danach wird es eigentlich schon langsam Zeit den, geordneten Heimweg anzutreten. In der U-Bahn steige ich in den falschen Schacht ein. Nichts besonderes, überall auf der Welt kommt man von der einen auf die andere Seite. Nur hier nicht, es sei denn, man verlässt die Station, zahlt erneut und steigt dann in die andere Richtung ein. Ich bekomme den Tip, einfach zwei Stationen weiter zu fahren und dann mit der gleichen Bahn den Rückweg anzutreten.

Soweit die Theorie. In der Praxis stehe ich geschlagene 30 Minuten im U-Bahn Schacht als einziger Passagier im Wagen. Auch in den Waggons in er einen Richtung sehe ich niemanden, in der anderen einen Passagier, der nachdem wie er es sich gemütlich gemacht hat wohl ganz froh scheint, dass er seine Ruhe hat. Ich denke schon an verpasste Flugzeuge, ein einsames Leben im U-Bahnschacht und sonstige Skurrilitäten. Aber angenehme Gefühle sehen wirklich anders aus.

Danach gibt es nur noch Staus. Stau auf dem Highway Richtung JFK, Stau beim Einchecken in JFK und das größte Anzunehmende Chaos bei der Schlange zur Grenzkontrolle. Lustigerweise ist mein Pass zu groß für den Scanner, habe ich auch noch nicht erlebt. Weniger lustig: die Sicherheitskontrollen an JFK sind mehr als lausig. Alles bleibt in den Taschen und auch die Personenchecks sind in jedem Dritte Welt Flughafen intensiver. Siehe Surinam, Guyana, Trinidad. Angesichts der Tatsache, dass besonders US-Flieger Gegenstand von Anschlägen sind, kein beruhigendes Gefühl. Dafür drückt der Pilot aufs gas, New York – Frankfurt, 6200 Km in weniger als 6 Stunden. Rekordverdächtig.

Summasummarum eine kleine Zusammenfassung:

Suriname – gemütliche Hauptstadt, lustige Urwalderlebnisse, weniger lustige Rippenerlebnisse

Französisch Guyana – Bestnote für den Live Start einer Rakete, aber schweineteuer

Guyana – schmuddelige Hauptstadt, Note 1 für den Flug zum Keieteur-Wasserfall

Trinidad & Tobago – bisschen karibisches Flair, Jamaica ist die bessere Option New York – kann man immer wieder hinfahren.

Das waren die Blogs von den drei Guyanas. Über drei Wochen mit spektakulären und weniger spektakulären Geschichten. Ich hoffe, das Lesen hat den einen oder anderen Spaß gemacht.