Samstag,  28. November - New York / USA

Ground Zero zum Zweiten 

Die anstrengende Nacht in New York hatte vor allem eins zur Folge, nämlich dass heute eigentlich gar nichts gemacht habe. Ist auch kein Wunder, wenn man erst um 14 Uhr wach wird. Beim Blick aufs Handy versinke ich in die direkte Schockstarre. Laut meinem Schrittzähler bin ich erst irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr ins Bett. Und die Anzahl der Schritte lässt, den Schluss zu, dass ich maximal zwei mal auf der Toilette gewesen und dann wie ein Stein ins Bett gefallen bin.

Der Vorteil, draußen hatte es den ganzen Vormittag geregnet und so ist die Lust aufzustehen gleich null. Eigentlich wollte ich heute einen Abstecher nach Washington machen, aber das hat sich dann von selbst erledigt. Da ich auf einen Wolkenkratzer möchte, entschied ich mich für das Empire State Building. Mit 40 Minuten Wartezeit ist man zunächst noch gut bedient, üblicherweise warten die Leute hier bis zu zwei Stunden.

Und das System ist nervtötend. Immer meint man, jetzt geht es in den Aufzug, dann noch eine Ecke, noch ein Gang, noch eine Halle. Wenn man dann meint, man hat es geschafft, bringt einen der Aufzug erstmal nur zur 80. Etage und dann muß man noch auf den Aufzug zur 86. warten. Die Aufzüge rattern allerdings, als wären sie seit den 30ern nicht mehr gewartet worden. Wenn ich das mit dem Burj Khalifa in Dubai von vor zwei Jahren vergleiche - da ist das Ding binnen Sekunden von Null auf den 124. Stock geschossen. Hier tuckern wir gemütlich von Null auf 80, von 80 auf 86 und letztlich von 86 auf die Aussichtsplattform im 102. Stock.

Dafür sind die Ausblicke heute fantastisch. Man kann wirklich rund 50 Kilometer nach allen Seiten schauen. Das 'kostet' natürlich viele Aufnahmen, auch wenn ich laufend Angst habe, dass mir mein Handy runter auf die 5th Avenue plumpst. In der Nähe beginnt die Highline. Hier verlief vor Jahren eine Hochbahn. Bürgerinitiativen verhinderten den Abriss und so entstand eine Art Fußgängerzone über den Straßen des westlichen Meatpacker-Distrikts. Ich laufe die gesamte Section, auch wenn der Spaziergang in luftiger Höhe mit tollem Blick auf den Hudson durch eine parkartige jetzt nicht unbedingt das war, was ich mir erwartet hatte. Eben ein Trendviertel mit trendigen Locations und trendigen Preisen. Das bisschen Straßentheater ist für eine Stadt wie New York aber doch etwas zu wenig.

Später marschiere ich nochmals zum Ground Zero. Meine Informationen zum Museum waren dank unzuverlässiger Quellen nicht korrekt und so wollte ich wenigstens ein Museum besucht haben. Das Memorial Center zeigt einige der Erinnerungsstücke von den Twin Towers, sowie einige Filme. Das ganze war dann doch etwas bedrückend, hindurch zu laufen und die bekannten Bilder nochmals live zu sehen. Zudem spielt sich das ganze im Untergeschoss des ehemaligen Südturms ab, so das die Grundkonstruktion des Towers sichtbar wird. Wie das Gebäude innerhalb einer halben Stunde komplett zerbersten konnte und dann in wenigen Sekunden in Schutt und Asche versank, ist mir angesichts der massiven Stahlkonstruktion ein Rätsel.

Der Abend gehört dann wieder der 5th Avenue. Vor dem Rockefeller Center laufen die Leute Schlittschuhe auf der bekannten Eisbahn. Nein, heute machst Du dich nicht zum Affen, denke ich mir und begebe mich nicht auf die Kufen. Auch wenns mich gereizt hätte. Aber der letzte Abend steckt doch noch in den Gliedern. Dafür ist gegenüber eine weihnachtliche Illumination mit Musik und bunten Lichtern an der Hausfassade zu sehen. Da habe ich gleich ein Video gemacht- das erste und einzige der vergangenen drei Wochen.

P.S.: Das vorweihnachtliche New York lässt dekorativ doch noch etwas zu wünschen übrig. Selbst Herr Rockefeller hat seinen Baum noch nicht geschmückt. Wen wunderts, dass auf der Highline Damen am ersten Advent im Bikini in der Liege den letzten Sonnenstrahlen des Jahres frönen. Lg an H1.