Freitag,  27. November - New York / USA

Aladins Wunderschlampe 

Black Friday in New York. Das hat nicht mit dem Börsencrash von 1929 oder 1989 zu tun, die übrigens beide im September die Welt in Aufruhr versetzten. In Aufruhr sind heute aber trotzdem alle Amis, denn der Schwarze Freitag ist so was wie Schlussverkauf und bei bis zu 50 Prozent Preisnachlass wird selbst das teure New York zum Shopping Paradies.

Den größten Preisnachlass erfuhr ich allerdings schon um die Mittagszeit. Musicalkarten sind hier absolut unerschwinglich. Untergrenze 100 Dollar, und dann geht's bis 300 Dollar oder drüber aufwärts. Was waren das noch Zeiten, als ich in London jede Woche für 7 Pfund ins Theater gegangen bin. Am New Amsterdam Theater sehe ich eine kleine Schlange. Ich reihe mich ein nur um die Preise zu checken und siehe da, hier findet jeden Tag eine Tombola statt, bei der 24 Tickets verlost werden. Rund 30 Leute stehen and und werfen einen Zettel mit ihrem Namen in die Lostrommel.

Bis Mittag sind es noch 45 Minuten und sicher ein paar Teilnehmer mehr, aber da macht man doch gerne mit. Da um Punkt zwölf Uhr die Lose gezogen werden, streune ich noch etwas um den Times Square herum. 24, 23, 22 ... Los für Los wird unter dem Beifall kreischender Amigirls gezogen, nur mein Name wird nicht aufgerufen. Letztes Los, es ist soweit - der Tombolaanimateur kann den Namen auf dem Zettel entweder nicht aussprechen oder mein Gekritzel nicht lesen. But the Winner is: ICH.

Aladin und deine Wunderlampe - ich komme. Dumm nur, dass ich nicht richtig hingehört habe, die Tickets waren für die Nachmittagsvorstellung und so war es fast schon dunkel, als Aladins Wunderlampe erlosch. Unbestätigten Gerüchten zufolge werden die leichten Mädchen im Orient seit dieser Zeit Aladins Wunderschlampen bezeichnet.

Den Rest des Tages habe ich dann in der Tat mit Shopping verbracht. Am Black Friday lohnt es sich in der Tat hier Klamotten zu kaufen. Zwischen der New York Uni und dem Chinesenviertel wetteifern die Shops mit Angeboten um die Wette. Nach rund vier Stunden tun mir dann die Füße weh, dass ich mich schon freue, wenn ein Laden nur Klamotten für Mädels anbietet. Und die Herrenstores sind sowieso meist im Keller, so dass ich gegen 22 Uhr wirklich nur noch Plattfüße habe. Die Amis haben noch stärker zugeschlagen als ich und kommen mit ihren prall gefüllten Tüten kaum noch durch die U-Bahn Türen. Gut, manche der Damen hierzulande kommen auch ohne Tüten nicht durch.

Unterwegs mache ich noch einen Stopp, denn schon aus der Ferne ertönt nervtötender Hip Hop. Der komplette Union Square war voller Hip Hop tanzender Jugendlicher. Alle am feiern. Einer der Kids zieht mich zur Belustigung aller Anwesenden noch mitten ins Geschehen. Und da stehe ich nun mit kaputteren Rippen, mit Tüten bepackt und soll hier eine heiße Sohle auf Parkett legen. Ich hoffe nur, dass das jetzt nicht irgendwo auf YouTube rumgeistert, dann hat der ganze Erdball was zu lachen. Da wird dann aus dem Black Friday Holgers Hip Hop Friday.

Mit den so gewonnenen Eindrücken verkrümele ich mich in meine Stammkneipe aus alten Tagen, das Mallooneys in der 3rd Ave Ecke 43rd. Hier wurde vor über 15 Jahren schon das New Yorker Motto 'the City never sleeps' in die Tat umgesetzt und auch heuer war's nicht anders. Traditionell geht hier jeder dritte Drink aufs Haus, so dass man beim bezahlen möglichst eine durch drei teilbare Anzahl an Bieren getrunken haben sollte. Wenn man sie denn noch zählen kann. Zuletzt war ich hier drei Tage nach September 11th 2001, es gibt viel zu erzählen. Und auch eine leidvolle Erfahrung, die ich machen musste. Im Demokratischen New York hat Ultra-Republikaner Donald Trump enthusiastische Anhänger. Warum? Weil die Leute von Washington die Schnauze voll haben.

P.S.: Donald Trump zum Zweiten. Im Trump Tower in der 5th Ave befindet sich ein Shop mit den üblichen Wahlwerbeprodukten. T-Shirts, Caps, Bumper Sticker etc. Drei Damen bedienen. Zwei Schwarze, eine Latina. Irgendwie so, als wenn die Eintracht im Waldstadion Bayern-Trikots verkauft. Lg an H1.