Mittwoch, 25. November - New York / USA

New York, New York 

Welcome back to the USA, welcome back to Megacity New York. Zuletzt war ich im September 2001 hier. Der eine oder andere wird an ein gewisses Datum in dieser Zeit sicher so seine Erinnerungen haben. Auch ich. Der Geruch von Verbranntem in den Straßen um das WTC, die provisorische Aussichtsplattform aus Holz, die meterdicke Staubdecke in meinem Jeansgeschäft. Als wäre es gestern gewese,  aber den Ground Zero habe ich mir für später vorgenommen.

Nach 5 Stunden Flug lande ich ziemlich müde in JFK. Die Einreise läuft dann für US Verhältnisse erstaunlich schnell. Ich muss mich quasi selbst immigrieren, erhalte dann einen Beleg mit meinem Foto drauf und schwups hat man auch schon den Stempel des US-Officers. Eine kurze Gelegenheit zum nervös werden oder zum schmunzeln gab es eigentlich nur, als die Lady in meinem an Einreisestempeln übersäten Pass ein freies Plätzchen suchte.

Und so nam das Minenspiel seinen Lauf. Visum Iran, Frau Officer zieht einen breiten Mund, ich antworte mit Kussmine und weit offenen Augen. Visum Nordkorea, ihr Mund wird breiter, ich mache ein Stan Laurel Gesicht. Visum Irak, Kopfschütteln bei meinem Gegenüber, ich bekomme erste Schweißperlen auf der Stirn. Bei der letzten Slapstick-Olympiade hätten wir mit dem Auftritt mindestens Silber gewonnen. Schließlich hatte Madame gerade die komplette Achse des Bösen in meinem Pass durchblättert. Doch plötzlich heißt es: Welcome to the United States - wir schütteln noch kurz die Hände, wenn ich denn jetzt niemanden vom Inlandsgeheimdienst an der Backe habe, der mich auf Schritt und Tritt verfolgt.

Oder sollten die USA einen Teil ihrer Paranoia abgelegt haben? Guter Dinge und mit meinem 20 Kilo - Rucksack, der mächtig auf die Rippen drückt, verlasse ich JFK. Da man ja von hier aus jetzt irgendwie auch in die City kommen muss, nehme ich ein Taxi. Das nervige U-Bahn Geschleppe wollte ich meinen Rippen dann doch nicht antun. Mein Fahrer hat Asthma im Endstadium und pfeift die ganze Fahrt über wie eine alte Diesellok. Egal - nichts wie eingecheckt und rein ins Großstadtgewusel und in der Tat komme ich pünktlich zur Rush Hour in Manhattan an.

Mein Hotel habe ich übrigens in Queens gebucht. Denn die Zimmerpreise in Manhattan liegen jenseits von Gut und Böse. Überhaupt ist die Stadt verglichen mit vor 14 Jahren megateuer geworden, und das nicht nur wegen des ungünstigen Wechselkurses. Die 0,5 Liter Zero im Supermarkt für über 2 Euro, die Schachtel Marlboro für rund 14 (!!!) Euro. Bierpreise hab ich noch nicht gecheckt. Vermutlich trifft mich dann sofort der Schlag. Das Hotelshuttle wirft mich 49ste/Ecke Lexington raus. Ich lasse mich erstmal treiben.

Rein zufällig komme ich direkt an den heiligen Hallen von Apple vorbei. Ein Besuch hier ist selbstverständlich Pflicht, auch wenn mich die Sippschaft mit ihren Produkten schon desöfteren in den Wahnsinn getrieben hat. Nach dem kurzen Apfel-Flash, wo ich selten soviele Verrückte auf so kleinem Raum unter der Erde (!) gesehen habe mache ich mich gemütlich Richtung Times Square. Da es so langsam dunkel wird heißt das hier: Glitzer, Glanz und Neonlicht. Ein riesiger Screen filmt die Leute auf dem Platz davor und die machen dann Selfies von sich. Quasi Selfies vom Selfie oder wie der Ami sagt: Selfie X Quadrat.

Ich lasse mich den Broadway entlang treiben, quere Soho, Little Italy und lande schließlich in Chinatown. Schon erschreckend, was sich hier abspielt. Vor 14 Jahren war das Chinesenviertel nur halb so groß, die breiten sich immer mehr aus. Jedenfalls entdecke ich das erste mal seit drei Wochen einen Massageladen. Nun ja, Chinesische Massage braucht eigentlich niemand, aber wenn ich schon mal hier bin, na denn los. Natürlich erzähle ich dem Masseur von meinem Rippenproblem.

Und so kam es wie es kommen musste. Es ging solange gut bis es nicht mehr gut ging. Ein falscher Griff, ich schieße gefühlte fünf Meter hoch, ein lauter Schrei und die Damen im Salon rennen wahlweise auf die Straße oder schauen neugierig ins Massagezimmer. Mit schweren Schritten suche ich das Weite, muss aber vorher noch feststellen, dass es sich hier ganz gut lebt.

Aus einem Kellerschacht saust mir ein Vieh über die Straße entgegen, so dass ich fast noch auf die Schnauze gefallen wäre. So eine fette Ratte habe ich noch nie gesehen. Entweder die Keller der Chinesen sind so nahrhaft oder in der Gegend ist ein Atomkraftwerk defekt.

P.S.: Als ich in Trinidad ins Taxi zum Flughafen einsteige, begrüßt mich der Fahrer mit Merry Christmas. Ob das nicht etwas zu früh wäre, frage ich. Nein, das wäre hier so. Ok, denke ich - nächste Woche heißt es hier Happy New Year. Oder die halten es mit den Bayern. Da wird die Meisterschaft ja auch vier Wochen vor Saisonende gefeiert. Lg an H1.