Dienstag, 24. November - Scarborough / Tobago

Spritztour

Da ich mich für 17 Uhr Fähre zurück nach Port of Spain entschieden habe, bleibt mir ein weiterer Tag auf Tobago. Kurzfristig und auf Empfehlung der Hotelbesitzerin mache ich mich auf den Weg in Richtung Speyside. Hierzu habe ich mir für zwei Stunden ihren Straßenkreuzer zu einer Spritztour ausgeliehen.

Auf Tobago herrscht übrigens Linksverkehr, wobei eigentlich alle Autos irgendwie in der Mitte fahren. Zudem ist der Verkehr überschaubar, was meinen mangelnden Linksfahrkenntnissen natürlich entgegen kommt. Die Route entlang der Westküste soll landschaftlich schön sein, doch im Straßengewirr von Scarborough misslang mir dieses Vorhaben derart deutlich, sodass ich irgendwann auf die Straße nach Plymouth abbog. Wie dem auch sei, ich bahnte mir dann doch irgendwann den Weg nach Moriah und Castara.

Zu sehen gibt es eigentlich immer das gleiche - irgend eine Bucht mit grünem Karibikwasser und weißen Stränden. Am Straßenrand sah ich einige konfus umherlaufende Menschen sahen, die sich auf den Weg Richtung Regenwald machten. Neben Reggae-Musik fielen ihre T-Shirts mit der Aufschrift POSHHH ins Auge. Ich hatte mal was von Posh Spice gehört, so nannte sich eine Lady von den Spice Girls. Die älteren unter den Lesern werden sich noch daran erinnern. Aber was heißt POSHHH? Ich erkundige mich also und bekommt zur Antwort, dass es sich bei der munteren Truppe um die Port of Spain Hash House Harriers. Und die machten gerade ihr Hash-Wochenende in Tobago. Hashing hat übrigens mit Pfeifchen Rauchen nichts zu tun, hier handelt es sich ausschließlich um Saufnasen. Allerdings will ich nicht ausschließen, dass der eine oder andere beides kombiniert.

Mehr oder weniger war's das jetzt auch schon mit Tobago. Warum hier ganze Condor-Maschinen landen ist mir ein Rätsel. Zumindest ist man aber nicht mit dem üblichen Massentourismus konfrontiert, was vielleicht den entscheidenden Pluspunkt ausmacht. Den Rest des Aufenthalts verbringe ich in der heimischen Bacolet Bucht. Der Hotelbesitzerin hatte ich kurz vorher eröffnet, dass ich noch nie im Linksverkehr gefahren bin, was ihre Freunde über die Rückgabe ihres Gefährts im Handumdrehen verdoppelte. Einen Führerschein hatte ich übrigens auch nicht mit, das verschwieg ich aber geflissentlich. Der liegt zu Hause rum und besitzt auf Tobago eh keine Gültigkeit.

Wer hier auf Abenteuer und Abwechslung gepolt ist, der ist hier falsch, es sei denn man will kurz vor Abfahrt des Fährschiffs noch ein Bier trinken gehen. Total dunkle Spelunken allerorten weshalb bei der Hautfarbe der Einheimischen die trinkfreudigen Personen nicht immer zu erkennen sind. Ich geselle mich zu einer Runde, es ist ja noch eine Stunde bis Abfahrt. Kaum ist die Flasche leer, bekomme ich einen spendiert. Jetzt wird's aber eng, aber noch 45 Minuten bis zur Abfahrt. Tobagians sind sehr freundlich und auch der Kollege will sich nicht lumpen lassen und stellt mir ein Freibier auf den Tresen. Ich sage widerwillig Danke, es sind ja noch 30 Minuten bis zur Abfahrt.

Gut, den Rest kann man sich denken. Ein Bier geht noch und ich spürte mit allem Gepäck zum Terminal. Beinahe wäre ich noch auf einem Kreuzfahrtschiff von TUI gelandet, was da gerade im Hafen lag. Irgendwie sehe ich aus wie der typische Traumschiff-Gast, der noch einen Termin mit Käpt'n Hansen oder wie der heißt hat. Wäre ich den Ratschlägen des Ordnungspersonals gefolgt, ich würde jetzt als blinder Passagier am Kapitänstisch sitzen . So aber tuckert meine Fähre rund zweieinhalb Stunden zurück nach Trinidad.

Abends stürze ich mich nochmals ins Nachtleben von Port of Spain. Vereinzelt üben Steelbands, aber auf Trinidad hat der HipHop Einzug gehalten. Aus allen Kaschemmen dröhnt nicht etwa Reggae oder der typische Steelband-Sound, nein - irgendwelche Wortakrobaten a la Bushido wetteifern hier um die Gunst des vorwiegend jungen Publikums. Was sollen die da Rücksicht auf ältere Herrschaften aus Deutschland nehmen, die der Nostalgie karibischer Klänge nachtrauern. Als ich mich bereits desillusioniert vom Acker machen wollte, läuft einer Sportsbar wieder Fußball. Champions League Bayern gegen Piräus. Ist zwar eine Aufzeichnung vom hiesigen Nachmittag, mein Abend ist aber gerettet.

P.S.: Gefährliche Tiere gibt es auf Tobago nicht. Keine giftigen Schlangen, keine räuberischen Haie, keine hungrigen Krokodile. Gewarnt wird hier vor Bäumen mit ätzenden und giftigen Substanzen. Vorsicht bissiger Strauch. Lg an H1.