Sonntag, 22. November - Port of Spain / Trinidad

Osterhasi - Nikolausi

Den letzten Abend in Georgetown unterhielten wir uns über die vielen Ein- und Ausreisezettel, die man so im Laufe einer Reise durch die drei Guyanas ausfüllen muss. Auch ich bin der Ansicht, dass der ganze Papierkram innerhalb kürzester Zeit im Papierkorb verschwindet und auch ziemlich egal ist, ob die Angaben korrekt sind oder nicht. Jemand meinte sogar, dass es kein Grenzbeamter merken würde, wenn bei Familienname Osterhasi oder sonst ein Blödsinn angegeben wird.

Ich muss gestehen, die Idee reizte mich und bei der heutigen Einreise nach Trinidad konnte ich ja die Probe gleich mal aufs Exempel machen. Und so füllte ich das Formular aus. Nachname Osterhasi, Vorname Karl-Freitag. Die Passnummer hatte ich dann noch mit 0815-4711 angegeben. Das Experiment mag in 99 von 100 Fällen funktionieren, in Trinidad habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Hier wird nicht nur alles kontrolliert, hier werden sogar die unleserlichen Buchstaben handschriftlich nachgezogen. Is this your declaration, werde ich gefragt, während der Grenzbeamte unablässig in meinem Pass herumblättert und immer wieder auf das Einreisedokument schaut. Natürlich, antworte ich ohne an die falschen Eintragungen überhaupt zu denken. Your Last Name doesnt match with your passport. Ui - und nun? Ich habe mich dann aus der Affäre gezogen indem ich meinen Sitznachbarn im Flieger verdächtigte, die Dokumente vertauscht zu haben. Lohn für das misslungene Experiment: ich bekam ein neues Formular ausgehändigt und durfte mich in der Schlange wieder hinten anstellen.

So traf ich deutlich später als geplant in meiner Herberge in Port of Spain an, der Hauptstadt Trinidads. Sonntags hat hier selbst der Teufel Ruhetag und so kann ich die Leute auf der Straße an einer Hand abzählen. Da geht Nachmittags wirklich absolut niemand aus dem Haus. Ich folge dem Ratschlag der Rezeptionistin und mache einen Stadtbummel unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Im Gegensatz zu Georgetown ist Port of Spain sauber und verfügt über schmucke Stadtviertel. Da stechen zunächst die Magnificent Seven hervor, eine Reihe von sieben architektonisch im viktorianischen Stil gehaltenen Gebäude hervor. Aufs Foto sind allerdings die wenigsten zu bekommen, überall wir saniert und die tollen Motive sind von Bauzäunen verdeckt.

Langsam bewege ich mich durch die Haupteinkaufsstraße, die irgendwie an meine gefakte Reisepassnummer erinnert: 0815.. Da die Geschäfte Sonntags eh geschlossen sind, stöbere ich schnellen Schrittes Richtung Downtown. Hier befindet sich der Independence Square. Auf die Unabhängigkeit wird hier offensichtlich aber gepfiffen, denn das Herz von Downtown wirkt ziemlich verlottert und die Gestalten auf dem Platz sehen nicht viel besser aus. Unter der Woche ist dies wohl anders, da kann man vom fliegenden Händler über Verkehrschaos und Wolkenkratzer ein pulsierendes Leben beobachten. Heute schlug aber nur mein Puls und das auch schneller als sonst, denn ich werde von betrunkenen Schnapsleichen im Vordelirium regelrecht angepöbelt. Wenn du da noch auf den Chaosverkehr achten sollst, sind gute Nerven von Vorteil.

Vom Independence Square ist noch die Kathedrale zu sehen oder man schließt einen Bummel an der Waterkant an. Die vielen Essbuden mit lokalen Spezialitäten sind eine Art Fressgass der Stadt, bieten aber Sonntags auch nur das Bild herunter gelassener Klappen. Damit ist Port of Spain quasi an einem halben Tag besichtigt. Was dann noch folgt, ist die Amüsiermeile, die Arapita Avenue.

Hier konzentrieren sich viele Kneipen, Bars und Clubs, die allesamt auf Kühlschranktemperatur heruntergefrostet sind. Draußen 35 Grad, drinnen Erfrierungstod. Und auf Frostbeulen war ich jetzt klamottenmäßig nicht vorbereitet. Überhaupt kommt man in viele Kaschemmen im Touristenoutfit gar nicht rein. Ist als wenn im Sportlerheim Smokingpflicht herrscht. Tja und wenn man mal was findet, um sich draußen hinzusetzen, dann schrecken die horrenden Bierpreise ab.

Desillusioniert versuche ich an einer Tankstelle noch ein paar Kekse zu ergattern. Läuft auch schief, die verkaufen hier nur Sprit fürs Auto.

P.S.: Mit Nikolausi wäre ich angesichts der Jahreszeit an der Grenzkontrolle bestimmt durchgekommen. Schließlich wurden in einem Markt sogar Schokonikoläuse von Lindt angeboten. Für 7 Euro das Stück ... Lg an H1.