Freitag, 20. November - Kaieteur Falls / Guyana

Nasse Füße im Cockpit 

Warum überhaupt Guyana? Dschungel - war ich schon in Suriname. Georgetown- ist ein Räubernest. Was bleibt also? Der Kaieteur Wasserfall. Air Services Limited, von denen ich noch nie gehört hatte, bietet hier ein Paket an, was ich bereits in Paramaribo gebucht hatte. Eine Stunde in den Urwald, zwei Stunden zu den Aussichtspunkten wandern und dann eine Stunde wieder zurück.

Mit 20 Leuten fahren wir zum Flugplatz in Ogle, der nur 10 Kilometer vom Zentrum Georgetowns entfernt ist. Zwei Flugzeuge wurden gechartert mit je 11 Personen und einem Piloten. Stewardessen sucht man in der kleinen Propellermaschine natürlich vergebens. Ich bin ja kein Freund von Flugexperimenten, aber beim Anblick der 30 Jahre alten Schinken vom Typ Cessna schaut man doch etwas genauer hin. Equipment total ausgeleiert, Instrumentarium noch nie sowas von gesehen und der Pilot - ein Nicaraguaner- spricht nur gebrochen englisch. Da denkt man irgendwie sofort an Verstehen Sie Spaß.

Allerdings ist es gerade bei diesen kleinen Maschinen besonders toll, die Fliegerei direkt zu beobachten. Auf dem Rückflug durfte ich sogar schräg hinter den Piloten. Allerdings war es ziemlich bewölkt, eine Regenfront gab sich der nächsten die Hand, so dass wir bei nur 8000 Fuß Flughöhe die ganze Zeit durch eine dicke Suppe fliegen mussten. Der Rückflug war besonders lustig, davon später mehr.

Macht nichts, denn der Pilot hatte uns vor dem Start mitgeteilt, dass am Wasserfall bester Sonnenschein herrschte. Und siehe da - kurz vor dem Erreichen des Roraima-Massivs hatten wir eine fantastische Sicht auf die Gegend und natürlich wie aus dem Nichts dann die mächtigen Kaieteur-Fälle. Die Amis hätten hier schon längst ein Disneyland in den Wald gesetzt, doch so sieht man einen riesigen Wasserfall inmitten dichten Urwalds und absolut nichts drumherum.

Wow, das war doch schon einmal ein Auftakt, doch nun es ging ans Eingemachte. Nach einer kurzen Wanderung der erste Aussichtspunkt. Der Eindruck war spektakulär, aber Iguazu ist doch eine Nummer gigantischer. Man staunt, aber man wundert sich nicht. Interessant auch der Blick in das Tal, durch den sich der Potaro River seinen Weg bahnt. Am ersten Aussichtspunkt konnten wir sogar bis ans Wasser heran, allerdings ein falscher Schritt oder ein abbrechender Stein und der Fahrstuhl abwärts ins 250 Meter tiefe Jenseits hätte sich in Bewegung gesetzt. Rippenprobleme hätte ich dann allerdings auch nicht mehr. Absperrung Fehlanzeige, nur ein Schild sich acht Fuß vom Abgrund entfernt zu halten.

Zwei Minuten Laufzeit dann bis zum nächsten Panorama. Beim dritten Stop gesellte sich dann freundlicherweise auch noch ein Regenbogen in die Szenerie. Wie nett. Der letzte Aussichtspunkt hatte dann noch einen besonderen Reiz, hier hat man quasi das komplette Panorama: Wasserfall, Zufluss, Tal. Aber das Highlight sollte dies noch nicht gewesen sein. Ok, vorher hatten wir noch einen Goldfrosch gesehen, aber wie bei den vielen Grünfröschen vorher fand sich niemand in der Damenwelt das Exemplar auch zu küssen.

Nun ja, ich konnte beim Anflug die Wasserfälle knipsen, die linke Seite nicht. Also großes Gezeter nach der Landung, für das sich der Pilot noch revanchieren sollte. Ich suchte mir erneut einen Platz auf der rechten Seite, und schon könnte es los gehen. Der Pilot fliegt erst eine Acht setzt, als ob er das Handy vergessen oder keinen Sprit mehr hat zur Landung an, um dann durchzustarten und die Acht nochmals gegen den Uhrzeigersinn zu fliegen. Meinen Vorschlag einen Looping draufzusetzen wird dann aber geflissentlich ignoriert. Der Rückflug selbst bot diesmal mehr zu sehen, selbst die Goldschürfergegenden konnte ich ausmachen.

Allerdings kamen wir rund 60 Meilen vor Georgetown in eine extreme Schlechtwetterfront. Regen prasselten auf die Scheiben und so ganz dicht war der alte Schinken namens Cessna dann auch nicht mehr. Mitten in Flug regnete es in den Flieger. Meine Nachbarin hatte eine pitschnasse Tasche und ich nasse Füße.. Da musste auch ich dann erst einmal die Kinnlade hochklappen. Schwitzt du, würde ich gefragt. Nö, antwortete ich, das Dach ist undicht... Als wenn dies nicht schon genug Action gewesen wäre, drehen wir noch eine Panoramarunde über Georgetown.

Fazit: Leute mit Flugangst sollten sich den Trip sparen oder vorher eine Flasche Rum trinken. Ich nehme mir beim nächsten Flug allerdings vorher einen Regenschirm mit.

P.S.: Einer der Passagiere arbeitet bei EADS und sagt zu uns, er könne fliegen. Ich kann auch fliegen, entgegne ich, vorzugsweise aus Kneipen in der Assenheimer Straße. Gruß ins Tora Bora. Lg an H1.