Mittwoch, 18. November - Paramaribo / Suriname

Alles auf Indisch

Was haben wir heute gemacht. Eigentlich nix. Nachdem ich gestern nach dem Krankenhausaufenthalt noch allerlei Papierkram erledigen musste, habe ich es mir in der T`Vat Sportsbar noch etwas gemütlich gemacht. Angesichts der eben verabreichten Tabletten wirkt da jedes Bier das dreifache. Und hier gibt’s ja nur die Literflaschen von Parbo.

Mit der Krankenversicherungskarte kommt man natürlich auch nicht weit - also ist Cash das Gebot der Stunde. Mit meinen 20 Euro im Portemonnaie kam ich natürlich auch nicht weit. Also muss ich meinen Pass als Pfand hinterlassen und Geld holen. Frage mich nur, was die mit einem machen, der weitreichendere Verletzungen hat. Der wird dann auf der Bahre zum Geldautomaten getragen. Seis drum, ich lasse den Pass im Krankenhaus und mache mich erstmal in die Kneipe. Zahlen und Pass abholen kann ich auch morgen noch, denke ich mir und die 138 Kröten soll dann die Auslands-KV zahlen. Habe ich meinen Beitrag der letzten 10 Jahre wieder raus

Da ich ja weitgehend Ruhe halten soll, kommt mir der geplante Puffertag gerade recht und ich bleibe im Bett liegen. Ansonsten mache ich es mir – soweit es geht – im beschaulichen Paramaribo gemütlich. Hinter dem Präsidentenpalast erstreckt sich der Palmentuin. Das ist der Palmengarten von Paramaribo. Außer Palmen, Bänken und Brunnen tummeln sich hier allerdings auch die örtlichen Drogendealer. Also nichts mit Vögelgezwitschere – ich verkrümele mich in die kolonialen Gassen des Zentrums. Hier ist bereits Weihnachtsstimmung und Rudi, das rotnasige Rentier tönt aus jedem Geschäft heraus. Nach O Du Fröhliche war mir zwar nicht zu mute, aber immerhin spielten die nach meinem gestrigen Absturz auch nicht das Vom Himmel hoch, da komm ich her …

In Suriname findet man überall afrikanische, indische und indonesische Abstammungen. Bei einer kleinen Tour in den Peperpot, den Pfeffertopf fahre ich ins javanische Viertel. Indonesier heißen hier Javaner und ein Touranbieter hat sich auf das Vermitteln von Hintergrundinformationen spezialisiert, Neben einer alten Kakao- und Kaffemühle werden wir bei einer Silvie zur Gartenbesichtigung eingeladen. Eine Stunde lang erklärt sie jede Frucht, in meinem Gedächtnis bleibt allerdings nur die Hierarchie der Haustiere haften. Hund steht über Katze, das kennt man ja. Aber wer steht über dem Hund. Ja -. Das ist hier der Hausalligator, der sich gerade gemütlich im Teich suhlt. Ob das Tier denn nicht gefährlich sei? Nö, bekomme ich zur Antwort, der hat noch keinen Hund gefressen, der treibt die immer nur vor sich her.

Der Opa von Silvie heißt August. Und August ist ein leidenschaftlicher Zocker. Kein Problem, denn Glücksspiel ist in Paramaribo erlaubt und so schießen große und kleine Casinos wie Pilze aus dem Boden. Irgendwie ein Little Las Vegas, auch hier rollt besonders in den größeren Hotels die Kugel. Und da August anbietet, am Abend eine Casinotour zu machen, schließen wir uns zu fünft aus der Peperpot-Gruppe an.

August kennt sie alle. Solange die Gäste noch spielen, erklärt er, bieten die meisten Casinos freies Essen und Getränke an. Sogar alle alkoholischen Getränke sind umsonst. Und August kennt nicht nur alle Casinos, sondern ist auch bestens mit den wöchentlichen Speiseplänen vertraut. Nach einer kurzen Beratung entschließen wir uns für ein indisches Buffet und landen im Casino Princess. Motto: Nicht alles auf Rot, sondern alles auf Indisch.

Wir tigern durch die Reihen der Automaten. Am Ende des Abends haben wir alle unser Limit verzockt. Ich stehe mit 50 Suriname-Dollar on der Kreise, das sind etwa 13 Euro. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich vergessen habe meinen Pass im Krankenhaus einzulösen. Und Geld habe ich auch keins geholt. Mit den verbliebenen Kröten machen wir nun das, wo ich letzten Abend aufgehört habe. Nämlich ein Parbo trinken in der T`Vat Sportsbar.

P.S.: Die Krankenhausrechnung habe ich dann gleich am nächsten Morgen bezahlt. Man gibt mit noch den Tipp, kein Fiets oder Brommfiets zu fahren. Brommfiets ist ein Mofa – zu Deutsch ein Brummfahrrad. Beim Lachen über die holländische Sprache tun mir erstmals wieder die Rippen weh. Lg an H1.