Dienstag, 17. November - Palulu / Upper Suriname

Rippchen mit Holger

Den heutigen Abend verbringe ich im St. Vincent Ziekenhuis in Paramaribo. Das Ziekenhuis ist ein Krankenhaus und hat Besuch wie mich auch nicht alle Tage. Gestern Abend gabs im Camp noch Sauerkraut, was mich zu der Frage veranlasste, wo denn die dazu passenden Rippchen bleiben. Wenn der Hesse schon mal im Urwald ist, dann will er natürlich auch hessisch bekocht werden. Nun ja – heute hätte ich die Rippchen selbst zusteuern können. Nämlich meine eigenen. Die sind angebrochen, geprellt und verstaucht. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Nach einer Stunde und einem kopfschüttelnden Krankenhauspersonal verlasse ich das Ziekenhuis und ach noch einen Stop an der Krankenhausapotheke. In Lateinamerika ist man ja nicht zimperlich mit der Ausgabe von Arzneimitteln und so erhalte ich ein Mittelchen, mit dem man wahlweise Tote zum Leben erweckt oder Patienten ins Jenseits befördert. Ich gehöre zur letzteren Gruppe, wobei nicht ich sondern meine Rippenschmerzen ins Jenseits befördert werden soltenl. Marke Ibuprophen 2000 oder so.

Was war passiert? Wir befinden uns in der Regenwaldsavanne von Palulu. Hier gibt es ein kleines Hängemattenresort. Strom oder Handyempfang gabs keinen, Licht auch nur zum Kochen und übernachtet wurde in der Hängematte, die man wiederum mit einer Carbidleuchte Marke Steinkohlebergwerk erreichte. Überlicherweise sitzt man hier bis in die tiefe Dunkelheit beisammen, lauscht den Geschichten der beiden einheimischen Betreiber und frönt dem leichten Leben mit einer Literflasche Parbo-Bier. Oder mehreren. Alles kein Problem, bis auf das Schnarchen der Hängemattennachbarn nichts Aufregendes.

Nach dem Frühstück hatte ich mich zu einer dreistündigen Wandertour durch die Savanne zur Plantage Berlijn angemeldet. Richtig – das Dörfchen heißt Berlin, weil dies im 19. Jahrhundert von deutschen Einwanderern gegründet wurde. Kudamm und Brandenburger Tor sucht man allerdings vergebens.

Zur Back-to-Basic-Tour wurden wir von einem Deutsch-Niederländer abgeholt, den es seit vier Jahren nach Suriname verschlagen hat. Was er nicht verriet: er hatte von der Strecke nicht die geringste Ahnung. Bereits nach einem Kilometer hatten wir uns planlos verlaufen und da es im Urwald weder GPS noch Hinweisschilder gibt, vertraut man dem Guide, dass man schon irgendwie wieder auf Kurs kommt.

Doch weit gefehlt. Statt der entspannenden Wanderung waten wir durch morastiges und glitschiges Gelände, klettern über Bäume oder krabbeln unten durch, durchkämmen Büsche und stapfen durch Flussläufe. Die Stimmung in der Gruppe wird auch nicht besser, alles wir ein vertrocknetes Flußbett durchqureren. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten. Man steigt hinunter und ist n 30 Sekunden gemütlich, aber sicher auf der anderen Seite. Oder man greift eine der herunterhängenden Lianen und surft in 5 Sekunden über das Steinschlüchtchen.

Ich entscheide mich natürlich für die letztere Variante und nachdem drei Tourteilnehmer wie dereinst Tarzan zur Jane gesurft ist das Schauspiel begannen, war nun ich an der Reihe. Den Rest kann man sich eigentlich denken. Ich rutschte ab, verlor den Halt oder besser gesagt - die Liane und plumpste einen Stock tiefer ins Flussbett. Und dort genau auf den rechten Rippenbereich. Was gibt es also schöneres im Urwald als einen Guide der sich nicht auskennt und mich, der nicht mehr weiterlaufen kann.

Mein Gag, es wie dereinst Hänsel und Gretel mit Brotkrumen zu versuchen kam dann auch nicht sonderlich an. Und zudem schiffte es in Strömen. Nach einer weiteren Stunde kamen wir dann in der Tat in Berlijn an, von wo es in 90 Minuten dann auch schon in die Hauptstadt Paramaribo ging. Und das heißt jeden Kilometer ein Drempel (Bodenschwelle), der mich in meiner Verfassung jedes Mal in den Vorhof des Nirwanas befördert hat.

P.S.: Die Gegend ist bekannt für den Cola-Creek. Das ist ein Flusslauf, dessen Wasser sich durch die Beschaffenheit der herunterfallenden Blätter Colaaerig schwarz-braun verfärbt. An der Badstelle gab es zwei Schilder. Creek und Kinderbad. Kommentar einer Mitreisenden: das (Kinderbad) ist für dich, da ist Cola Zero dring. Lg an H1.