Montag, 16. November - Pinkin Slee / Upper Suriname

Bootsfahrt mit Wehwehchen

Heute werde ich ziemlich spät wach. Auch steht nur ein Punkt auf der Agenda, die Bootsfahrt weiter Richtung Brasilien in das Dorf Pinkin Slee. Hier lebt kaum noch jemand, denn die Stromschnellen werden zu häufig und zu heftig. Egal – mangels Alternativen mache ich trotz einiger Kopfschmerzen mit uns setze mich nochmals zweieinhalbstunden in Boot. Und nach 30 Minuten schon tut dann der Hintern weh …

Bäume, hoch wie Kathedralen, lassen Blätter, groß wie Brotlaibe, auf uns fallen. Hüfthohe Ameisenhügel, ach was, verwunschene Miniaturschlösser mit Türmen glühen rot unter der Sonne, die heute besonders vom Himmel knallt. Ziel ist der Stamm der Marrons, die hier auf eine ganz besondere Geschichte zurückblicken. Die Plantagenherren von einst würfelten Sklaven aus allen Teilen Afrikas zusammen.

Der Onkel von Boike, unserem Guide, blieb. Wir halten an einer Flussmündung, um ihn zu besuchen. Er sitzt vor einer verwitterten Holzhütte und lächelt durch sein fehlendes Gebiss. Angeblich ist er 101 Jahre alt. Aber in Suriname sollte man nicht alles für bare Münze nehmen. Seine Frau sitzt neben ihm, doch hier hat keiner eine Ahnung wie alt sie ist. Da das mit den Rentenzahlungen hierzulande auch etwas anders läuft wie in Deutschland, ist das alles den Leuten auch herzlich egal.

Eine Erklärung für das hohe Alter gibt es natürlich auch. Der Fluss, an dem der Onkel wohnt, ist heilig. Und wer sich in der Nähe des Gewässers aufhalte, der stirbt auch nicht. Weiter geht’s nach Pinkin Slee. Der Motor dröhnt und lullt uns alle langsam ein. Meine Kopfschmerzen wachsen ins Unendliche und vom Hintern will ich gar nicht erst anfangen.

Am Ufer röstet eine Frau Maniokmehl über offenem Feuer – hatten wir ja schon gestern. Nur dass die Quadratisch-praktisch-gut-Bäckerin diesmal pudelnackt war. Da schaue ich lieber auf das Krokodil, das gerade im Schatten der Mangroven herumdöst. Kinder rupfen Fische aus Netzen, andere waschen die Wäsche in der Böschung. So ist das Leben am Fluss, eintönig aber auch stressfrei.

Beim Aussteig in Pinkin Slee sehen wir, dass vor manchen Hütten Affen angebunden sind oder in Käfigen Tukane gehalten werden – Dschungelhaustiere la Suriname. In einem Museum erfahren wir einiges über die Lebensweise der Marrons. Die Frage ist nur, ob das auch alles so stimmt. Da werden Götter verehrt, ok. Den Göttern werden Opfer gebracht. Auch ok. Die Opfergaben erfolgen in Form von Alkohol. Auch das habe ich schon gesehen. Dass aber der Segen der Götter neben Rum mit Heineken-Bier erfleht wird, da bindet uns die holländische Museumsbesitzerin wohl einen ganz dicken Bären auf. Vielleicht bringe ich künftig mal Licher Bier mit in die heimische Kirche. Hilft bestimmt!

Deutlich lauter geht es um die Ecke zu. Im Schatten eines Mangobaums tanzen die Dorfbewohner um ein neues Boot. Ein Tapir hat am Morgen die schlechte Idee gehabt, einem Einwohner über den Weg zu laufen, als dieser Palmwedel für ein neues Dach sammelte. Nun schmurgelt das Tier säuberlich zerhackt auf sämtlichen Kochstellen zur Bootststaufe..

Weiter geht's.. Und eine Bootstour durch Suriname ist keine Kaffeefahrt auf dem Main. Felsen lauern im Wasser, mal dicht, mal tief unter der Oberfläche, und dann die Tücken der Stromschnellen. In Schlangenlinien geht’s über den Fluss, wir bremsen, geben wieder Gas. Neben Kopf und Hintern hat`s jetzt auch meinen Magen erwischt. Seekrank taumele ich am Abend in meine Hütte. Und lege mich in die Hängematte. Der Tag der Schmerzen ist noch nicht zu Ende, doch davon morgen mehr.

P.S.: In Suriname wachsen die Ananas nicht am Baum, sondern am Busch. Zudem wächst sie nur, wenn vorher eine weibliche mit einer männlichen Ananas gekreuzt wird. Vielleicht sollten künftig die Hühner hier statt der eh ungenießbaren Eier einfach eine Ananas legen, man könnte sich einiges an Nachdenken sparen. Lg an H1.