Sonntag, 15. November - Isadou / Upper Suriname

Leichenzugmit dem Teufel

Eine Treppe führt hinauf zum Eingang des Dorfes, wo ein kleiner Schrein mit Palmen bestückt die Bewohner vor bösen Geistern und sonstigen Plagen, also Touristen, beschützen soll. Als erstes sieht man kleine Hütten mit nichts drin - das sind die Männerhäuser, hier schlafen die Männer oder gammeln vor sich hin. Im Dorfzentrum finden sich dann die größeren Häuser, in denen alles Hab und Gut hinter dicken Regalen gestapelt wird. Das sind jetzt die Frauenhäuser. Angesichts der Leibesfülle der meisten Damen (Marke quadratisch, praktisch, gut) unter Insidern auch Matronenhütten genannt.

Die Frauen sind überwiegend damit beschäftigt, Wäsche zu waschen oder Maniokwurzeln zu raspeln. Das wird dann zu Mehl gestampft und anschließend über offenem Feuer zu Cassava-Brot gebacken. Schmeckt irgendwie wie frisches Knäckebrot. Smörebröd auf Surinamesisch. Römpömpömpöm ...

Wir treffen noch den Direktor einer Unterschule mit 6 Klassen. 176 Schüler gibt's bei insgesamt 600 Einwohnern. Da kann man in Deutschland lange suchen. Der Stundenplan beginnt übrigens um 7.55 Uhr mit einer Flaggenparade. Auch da kann man hierzulande vermutlich bis zum Sankt Nimmerleinstag suchen.

Und schließlich um 17 Uhr bimmelt ein Jugendlicher wie besessen auf einem Stück Eisen herum. Es ist eine Art Baseball Spiel angesagt. Die Dorfjugend spielt Brasilien gegen Argentinien. Engagiert geht's zur Sache, denn von 5 bis 15 ist alles auf den Beinen. Und natürlich die Fans nicht zu vergessen. Selbst die zweijährigen feuern hier an oder spielen lieber Ball mit mir.

Und bevor wir das Dorf wieder verlassen, mache ich noch halt im Dorfkrug. Ist eigentlich ein Wohnzimmer mit einer großen Kühltruhe. Was da wohl drin ist. Natürlich flaschenweise Djogo, die ein Liter Parbo-Biere. Ich lade mich selbst ein und genieße das kühle Nass. Die Kneipenmatrone ist übrigens die Frau vom Dorfhäuptling. Fragt sich also nur noch, wann Meister BBB bei uns so in die Gastronomie einsteigt. Zum Abschluss gibt's noch ein Teufelszeug. 90-Prozentiger Rum in einem Wurzelsud gebrannt oder sonst wie verramscht. Beim Trinken kommen mir unweigerlich Gedanken an Teufel und Hölle oder an den früher öfters gespielten Leichenzug.. Aber die Freundlichkeit gebietet es, den Becher leer zu trinken und schwankend zum Boot zu torkeln.

Abends ist im Camp nicht mehr allzuviel los. Eine holländische Gruppe ist mittags angekommen und macht hier ein Polonaise mit Topfschlagen. So kommt mir der Krach wenigstens vor. Ansonsten beschäftigen sie sich mit den üblichen holländischen Themen wie dem Rauchen diverser Pfeifchen. Da ich mich bereits hinzugesellt hatte und durch das Nichterwähnen von fußballerischen Themen einer gewissen Popularität erfreute, durfte ich auch mal an der Pfeife ziehen. Nach drei Liter Parbo-Bier, einem Becher Teufelsschnaps und zwei Zügen "Holland-Tabak" gingen erst die bunten Lichter an um dann mit einem Schlag komplett zu erlöschen.

Nun gut, es war auch schon kurz vor Mitternacht und Strom und Internet gibt es hier eh nur so lange wie der Betreiber der Anlage Lust hat. Und die ist abhängig vom Fernsehprogramm. Faustregel: Je interessanter das Nachtprogramm, desto länger ist die Bar geöffnet. Auch wenn ich desöfteren über den vorm Fernseher eingenickten Wirt steigen musste, um mir aus dem Gefrierschrank noch ein schockgefrostetes Parbo zu ergattern.

P.S.: Die Holländer reden hier öfters über den Banden-Service. Dass es in Suriname Banden gibt, kann ich mir ja lebhaft vorstellen. Aber Service? Die Lösung: Banden sind in Suriname Reifen. Und einen Reifenservice braucht man hier öfter als einem lieb ist. Ach ja - und im Kippenzentrum gibt es keine Zigaretten. Lg an H1.