Samstag, 14. November - Isadou / Upper Suriname

Dei Bie und vie Um, He Wit !

Die Nacht der Nächte geht zu Ende. Nachdem das am Vorabend mit dem Bier und dem Fernseher nicht so recht geklappt hat, hatte ich nach dem Frühstück zu einer Krisensitzung eingeladen. Die Forderungen lauteten: Aufstockung des Biervorrats, Erweiterung des Sortiments um zumindest eine Rumsorte und Verlängerung der Sperrstunde. Nach einigem hin und her wurden die Forderungen auch erfüllt, aber nur unter der Bedingung dass sich einer um den Einkauf kümmert.

Nichts einfacher wie das. Mit einem Boot fahren wir die 90 Minuten zurück nach Ajoni und plündern die Supermärkte. Um die Mittagszeit sind wir wieder zurück und am frühen Abend sind die Getränke auch alle eisgekühlt. Der Rum ist zwar nicht von der Marke Edel & Nobel, aber mit etwas Cola verdünnt schmeckt der Zuckerrohrfusel auch nicht schlecht.

Gegen zwei Uhr gehts aus der Isadou-Bar zurück zur Hütte. Strom: Natürlich Fehlanzeige. Dafür habe ich noch keine einzige Steckmücke surren gehört. Ist eigentlich ungewöhnlich, denn hier warren gleich drei Malariaträger um die Wette. Dengue, Moskitos und irgendwas was wie ein brasilianischer Cocktail klingt. Dafür hat sich wieder einer Abordnung der Froschpopulation bei mir im Zimmer versammelt, die ich nacheinander im hohen Bogen nachts vor die Tür befördere.

Die Nacht ist trocken und klar, draussen erwacht der Urwald in einem Höllenlärm aus Gequake, Gezirpe und sonstigen Lauten. Jagd- und Partyzeit im Urwald. Egal, denke ich, heute Nacht wird in der sowieso gemütlicheren Hängematte geschlafen. Die Nächte sind eher ruhig, keine Affenhorden, nur am nächsten Morgen fehlt meine Banane, die ich auf den Nachttisch gelegt hatte. Oder zumindest die Hälfte davon. Der Rest wurde weggenagt. Fragt sich nur, von wem. Die Frösche waren das bestimmt nicht und lustige Nagetiere habe ich auch nicht gesehen. Aber wir warden den Übeltäter schon noch finden, der sich Nachts in meine Hütte schleicht. Es gibt ja schließlich noch Bananen.

Am Nachmittag steht noch einmal eine Dschungeltour auf dem Programm. Medizinunterricht ist angesagt, wir sehen den Kaugummibaum ,den Mobilatbaum und unzählige andere Bäume, die irgendwelche Heilmittel hervorbringen. Ich kann mir das nicht alles merken, ob und welcher Baum gegen welches Wehwehchen hilft. Im Gedächtnis bleibt mir aber der Telegrafenbaum. Hier schlagen die Einheimischen mitten im Wald ihre Busch-News an. Doch der Tag sollte noch nicht zu Ende sein, ein nächtliches Schauspiel wir uns diesmal geboten. Wir fahren mit dem Boot in die Finsternis des Flußlaufes entlang: Kaiman-Spotting. Die Guides durchleuchten mit dem Strahl ihrer Taschenlampen die dunklen Uferbereiche. Wir sehen zwei leuchtende Punkte. Es sind die Augen einer Schlange auf einem Ast. Als wir in die Nähe kommen, verschwindet sie schnell im Wasser. Danach leuchten mehrere rötliche Lichtpunkte im Wasser. Es sind die Augen von Krokodilen, oder Kaimanen, wie sie hier heissen.  

Der Guide blendet mit seiner Lampe ins Dickicht und wir befinden uns mitten in einer Kaimanparty. Wirklich beeindruckend. Die Hände bleiben im Boot, denn unten tummeln sich Wasserschlangen und vermutlich noch andere kleine Kaimane. Im Gegensatz zu Touren, wo dann ein ausgesuchter Kaiman ganz zufällig gefunden und dann im Boot vorgeführt wird, handelt es sich bei uns wirklich nur um Sptting. Kaiman suchen, entdecken und dann beobachten, wie der gerade beim Balzen erwischte Zeitgenosse im Flußlauf das Weite sucht.

Ich habe dann auch das Weite gesucht. Natürlich in der Isadou-Bar, die heute dank meiner vormittäglichen Aktivitäten ein überwältigendes Getränkeangebot vorrätig hatte.

P.S.: Die Ureinwohner scheinen irgendwie mit den Chinesen verwandt zu sein, denn sie können kein R aussprechen. Was besonders in der Bar (heisst dann Baaa) offensichtlich wird. "Drei Bier und vier Rum, Herr Wirt" werden da schnell zu "Dei Bie und vie Um, He Wit... " Ich habe dann die Bedienung noch eines besonderen Sprachtests unterzogen: Hessisch im Urwald – Beispiel Rurreräuweroppmaschin. Die Aussprache der Einheimischen überlasse ich nun der Phantasie des Lesers. Lg an H1.