Freitag, 13. November - Isadou / Upper Suriname

Je suis Paris

Wahnsinn, was in so einen Einbaum passt. Zwölf Meter messen hier die Boote von Heck bis Bug, und an der breitesten Stelle können gerade mal zwei Leute nebeneinander sitzen. Wir hocken mit 22 Leuten n so einem Kahn und Machen uns auf nach Isadou. Knapp vier Stunden sind wir vom Paramaribo Richtung Urwald getuckert, jetzt geht es mit dem Boot nochmals 90 Minuten entlang des Surinam Rivers in die Ausläufer des Amazonas.

Auf einem zweiten Boot befindet sich jede Menge Gepäck, ein 15-Kilo-Sack Reis, eine Gaspatrone mit Kochaufsatz, zwei Kühlboxen voll Lebensmitteln und natürlich jede Menge Getränke. Auf den Karten sind hier keine Städte mehr eingezeichnet, höchstens kleine Dörfer, die von Indianerstämmen bewohnt werden. Doch wir verschwinden jetzt für dreieinhalb Tage ins Nirwana, das hier Dschungel heißt.

Erkunden Sie das wilde Hinterland Surinames – so wurde die Tour in Paramaribo angepriesen. Doch um die mittelprächtige Lodge mit ihren schlichten Holzhäuschen gibt es zunächst nicht allzuviel Wildnis zu erkunden. Jede Menge Frösche hüpfen hier um die Wette oder in meine Hängematte. Aus meinem Zimmer werfe ich drei Geckos und einen Aguti, eine Meerschweinchenart so groß wie ein Biber.

Am Abend dringen unvermutete Töne durch die Dunkelheit. Der Bewohner der letzten Hütte hat eine Vogelspinne vor seinem Zimmer gefunden und präsentiert diese nun dem staunenden Publikum. Die Dinger sind zwar realtiv haarig, aber offensichtlich zahm wie ein Hausmeerschweinchen. Irgendwann war ich dann an der Reihe, den flauschigen Urwaldgenossen aufzunehmen und ehrlich gesagt war froh, als ich ihn wieder weiterreichen konnte. Andere waren da weniger zimperlich und ließen Tarantula auf dem Bauch oder a la Spiderman im Gesicht herum tanzen. Als ich dann später ins Bett ging, habe ich alle Ecken nochmals gründlich ausgeleuchtet.

Um 18 Uhr wird der Dieselgenerator angeworfen und von einer Kiste ein Tuch abgezogen. Zum Vorschein kommt ein Fernseher und natürlich eisgekühltes Bier, das zwischenzeitlich schockgefroren wurde. Natürlich wieder in den handlichen Einliterflaschen – man gönnt sich ja sonst nichts. Auf herbeigetragenen Holzbänken sitzen wir nun unter freiem Sternenhimmel und starren auf die flackernden Bilder. Was dort zu sehen ist, läßt hier allen den Atem stocken. Islamische Terroristen haben offenbar in Frankreich rund um das Länderspiel mehrere Bombenanschläge verübt, ein Theater wurde getürmt.

Dumm nur, dass die Einheimischen hier Thai-Kick-Boxen schauen wollten. Nach längeren Diskussionen, an denen ich mich als Rädelsführer beteiligte, konnte ich mich durchsetzen. Die Einheimischen ziehen sich beleidigt zurück, was mir in dem Moment völlig egal war. Da nun auch die Thekentanke uns boykottierte übernahm ich den Bierverkauf. Gegen zwei, drei Uhr Ortszeit sind wir dann ins Bett, die meisten sprachlos.

P.S.: Angesichts des soeben geschriebenen verzichte ich heute auf den Abschlussgag und verabschiede mich französisch: Je suis Paris.