Mittwoch, 11. November - Cayenne / Kourou

Raumschiff Enterprise

Heute geht’s nach Kourou und Cayenne. Allerdings gähnt der Taxi und Busplatz nach unendlicher Leere. Wenn hier offensichtlich ein Taxi fährt, dann ziemlich früh am Morgen. Doch ich sollte Glück haben, eine Handballjugendmannschaft trifft sich am Busbahnhof und muss zu einem Spiel - nach Cayenne. Natürlich nehmen sie mich mit, sagt ein Vater, der aus dem Elsass stammt und zudem noch deutsch spricht. Geld möchten sie auch keines, aber die Mannschaftskasse freut sich über eine kleine Spende.

Mein französisch ist quasi nicht existent und die Jungs können nichts anderes. Also beschränke ich mich die folgenden zwei Stunden darauf, mir die eintönigen, dschungelgrünen Landschaften anzusehen. Die Jungs kennen die Strecke wohl schon von vorherigen Ausflügen und so ratzen sie einer nach dem anderen ein.

Cayenne ist hässlich! Das fiel mir bei meiner Ankunft schon auf, und dieser Eindruck bestätigte sich auch nach einem zweistündigen Stadtbummel. Vorbei an typischen Hochhäusern französischer Satellitenstädte, vergammelt mit davor lungernden Bewohnern geht es in Richtung Innenstadt. Irgendwann lande ich im Fischereihafen, wo es fürchterlich stinkt. Auch der Atlantik ist keine Augenweide. Das Wasser ist braun, denn bis hierhin wird der Schlamm des Amazonas gespült.

In der kolonialen Altstadt stehen immerhin ein paar alte Gebäude teils renoviert, meist aber dem Verfall preisgegeben. Die Französischen Gelder sprudeln hier offensichtlich nur spärlich. Mittendrin liegt der Palmenpark, der weniger durch das Grün der Palmen als durch das Pink der die Palmen umwickelnden Stoffe auffällt. Noch ein Stopp an der Dorfkirche, die hier Kathedrale heißt, dann habe ich alles gesehen. Menschen sind kaum zu sehen, vereinzelt Touristen, Soldaten der Fremdenlegion oder Betrunkene aus der letzten Nacht.

Gegen 14 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Kourou. Denn da soll ich mich um bis genau 15.49 Uhr einfinden, um aus sicherer Entfernung den Start einer Ariane-Rakete zu beobachten. Hier befindet sich auch das Centre Spacial Guyane, der europäische Raumfahrtbahnhof. Das Gelände selbst kann man heute nicht besichtigen, da die Vorbereitungen für den Raketenstart getroffen werden.

Der erste Blick ist schon erstaunlich, man fährt auf einer langen Nebenstraße mit einem Bus, auf den man ebenso lange warten musste auf das Center zu und hinter einer Kurve eröffnet sich der Blick auf ein Modell einer Ariane 5-Rakete. Bewacht wird das Gelände übrigens von der Fremdenlegion, die hier mit LKW, Quads und Geländewagen umherheizen. Das Gelände mit den Abschussrampen also nicht zu besichtigen, dafür karrte man uns auf einen Hügel im Dschungel in einer Entfernung von 7,5 Kilometer. Mit der Kamera war da zunächst einmal nicht allzu viel zu fotografieren.

Den Rest kenne ich aus TV-Übertragungen in grauer Vorzeit vom Raunfahrtbahnhof Cape Canaveral, wo die USA ihre Raketen in das Orbit schiessen. Auf einer Leinwand wird immer wieder ins Spacezentrum geschaltet und nach Indien und Katar. Denn die beiden Satelliten, die heute in die Umlaufbahn befördert werden, haben indische und arabische Auftraggeber.

Irgendwann geht’s los, der Countdown läuft. Zehn, neun, acht … zero. Und ein großer Feuerball steigt gen Himmel. Nach rund drei Minuten ist das Spektakel vorbei und am Himmel verflüchtigen sich die Reste der Aschewolke. Mit fast 10 km pro Sekunde legt die Rakete binnen einer halben Stunde die halbe Erdumlaufbahn zurück. Wenn ich denke, dass ich mit dem Ding in einer viertel Stunde wieder in Frankfurt wäre. Vielleicht buch ich noch kurzfristig um …

Der Rest ist Warten. So nach 45 Minuten hat die Rakete rund 30.000 Km zurückgelegt und befindet sich in 6000 km Höhe. Nun gibt im Spacecenter jeder, der irgendwas mit der Satellitenentwicklung zu tun hat, sein Statement ab. Ein großes Gähnen macht sich unter den 400 Leuten breit, aber die Busse fahren nicht wieder nach Kourou zurück, bevor der letzte seinen Senf zum Thema dazugegeben hat.

Den Rückweg schlafe ich und mache es Kourou gleich. Die Stadt wirkt nämlich auch nur verschlafen, die ESA, die Kasernen der Fremdenlegion und der Gendamerie bestimmen das Leben vor Ort. Zudem wird viel Schlamm wird von allen Flüssen hierhergebracht und so ist auch der Badestrand nicht gerade zu empfehlen. Und das Nachtleben? Nicht existent.

P.S.: Heute war Feiertag. Und hier gelten die französischen Feiertage, wir sind ja in Frankreich. Und so müssen heute alle hier in Südamerika dem Ende des Ersten Weltkrieges gedenken. Da werden sich die Chinesen aber alle ärgern, dass sie heute ihre Geschäfte schließen müssen weil der Kaiser Wilhelm eins auf die Mütze bekommen hat. Lg an H1.