Dienstag, 10. November - Saint Laurent du Maroni / Yalimapo

Verkehrsleitsysteme

Saint Laurent du Maroni. Vorbei an einem Wasserturm komme ich in die Innenstadt, dort ist Markt. Hier gibt es auch Geldautomaten, die Euros ausspucken. Wir sind ja schließlich in Frankreich. Doch trotz der exorbitant hohen Preise bin ich noch flüssig. Wie hier allerdings die Einheimischen über die Runden kommen, bleibt der Phantasie der Beteiligten überlassen. Wie auch schon in Suriname sind alle Geschäfte in der Hand einer Nationalität – und das sind die Chinesen.

Saint Lauraint hat außer ein paar netten Holzhäuschen und teurem Bier nicht viel zu bieten. Also suche ich mir ein Sammeltaxi und fahre ans Meer nach Yalimapo. Dort schlüpfen im Sommer die Meeresschildkröten. Im November schlüpft da eher nichts. Mit einem Paddelboot fahre ich zu einer Insel, die bekannt sein soll für das authentische Leben der Ureinwohner. Interessanterweise brummt mein Handy mitten auf dem Wasser. Gibt es hier Empfang? Nein – ich habe gerade illegal die Grenze überquert, denn die Insel auf der ich mich gleich befinde liegt nicht in Französisch Guyana, sondern in Surinam.

Seis drum. Das Leben der Ureinwohner ist sehr authentisch. In den Ecken liegen kistenweise leere Rumflaschen, in einer Hütte spielen die Kids Tischkicker und n einer anderen wird gerade Brot aus irgendwelchen mehlartigen, geraspelten Früchten produziert. Sieht etwas aus wie Kartoffelpuffer. An der Wand sprudelt eine organgene Flüssigkeit, ich freue mich schon auf einen leckeren Saft. Nicht trinken, ruft der Inselhäuptling, das sei kein Orangensaft, sondern Blausäure. Zumindest weiß ich jetzt, dass Blausäure nicht blau ist.

Anschließend noch etwas Trommelgedudel und schon geht’s auch wieder zurück. St. Lauraint hat ein paar kleine Kneipen, die weitläufig auseinanderliegen. Also gehe ich später am Abend noch etwas spazieren und entdecke ein ganz neuartiges Verkehrsleitsystem. Dazu muss man sagen, dass mein Orientierungssinn ja gleich null ist und beim ersten gedankenlosen Abbiegen verloren geht. Meine Ausflüge in Gegenden, wo ich niemals hinwollte, sind ja schon legendär.

Auf der Hauptstraße stehen an fünf, sechs Kreuzungen zwei bis drei Damen mit unmissverständlichen Absichten. Merkwürdige Balzgeräusche zischen über die Straßen. Penetranz ist Trumpf und so komme ich schnell ins Gespräch, was allerdings bei meinen mangelnden Französischkenntnissen nicht lange dauert. Interessant dabei die Farbe der Kleider der Damen. Rot, Grün, Schwarz. Und so finde ich den Weg ins Hotel ganz einfach wieder zurück. Bei der Roten nach links abbiegen, bei der Grünen gerade aus und nach der Schwarzen ist es noch einen Block zum Hotel. Ein Verkehrsleitsystem, was man sicherlich auch im einen oder anderen Ort in der Wetterau einführen sollte.

P.S.: In der Gegend leben Hindus, Christen, Moslems und Juden friedlich nebeneinander. Ein Vater erzählt: Ich habe meiner Tochter gesagt, Du kannst mir jeden nach Hause bringen – aber wenn‘s ein Chinese ist, dann nur, wenn sein Vater einen Supermarkt hat.