Montag, 9. November - Saint Laurent du Maroni

Black und Drempel

Irgendwie habe ich den Timelag noch nicht ganz überwunden. Denn trotzdem ich gegen Mitternacht ins Bett bin, stehe ich wie gerädert auf. Dass dann der Bus auch noch um halb 8 morgens fährt, macht das ganze auch nicht besser. Öffentliche Busse gibt es hier nicht zwischen den Städten, also mach ich mich auf, um ein Sammeltaxi zunächst zum Grenzort Albina zu ergattern. Was auch problemlos gelingt, da eine Gruppe Holländer die gleiche Idee hatte und schon geht’s los zum Maronifluss, der die Grenze zu Französich Guyana bildet.

Black, so nennt sich der Fahrer des Taxis verhandelt zunächst einmal den Preis. Er spricht fließend Englisch und Holländisch und kennt sich bestens aus. Unter 20 Euro ist da nichts zu machen, aber das ist für mich ok. Denn so spare ich mir ein möglicherweise stundenlanges Warten. Man will ja was erleben.

Zunächst quälen wir uns durch das verstopfte Paramaribo, müssen noch Gott und die Welt grüßen und auch ein Schwätzchen durchs offene Fenster muss sein. Ja – es geht hier alles wie in Zeitlupe zu, da muss ich mich auch erst mal dran gewöhnen. Noch sind wir in Paramaribos Einzugsbereich, der Verkehr ist gemächlich, aber 10 km weiter östlich sind wir die einzigen auf der Straße. Dass diese dann auch mal flugs zur Rennbahn wird, ist in Südamerika weiss Gott nichts neues und so ergebe ich mich meinem Schicksal. Zumindest fängt Black nicht während der Fahrt an zu telefonieren und mit der anderen Hand sich eine Zigarette anzuzünden. Freihändige Kunstfahrer habe ich wirklich schon genug gesehen. Doch Black fährt moderat, maximal 110 km - in einer 50-er-Zone.

Das wichtigste Wort niederländisch, welches man beherrschen sollte, so man denn mit dem Auto unterwegs ist, heißt "Drempel". Steht alle 500 Meter auf einem gelb-schwarzen Ortsschild wie in Deutschland. Heisst denn hier jedes Kaff Drempel frage ich Black und der lacht natürlich. Drempel sind künstliche Bodenwellen, die so unvermittelt kommen, dass man desöfteren an einen Achbruch denkt. Doch Black kennt die Strecke...

Etwa 15 Minuten hinter Paramaribo wird es monoton, es ist und es bleibt tiefgrün. Der Regenwald wird nur unterbrochen durch Hütten oder brennende, gerodete Plätze. Auch hier verschwindet der Regenwald, vermutlich für eine Straße. Der Regenwald wäre kein Regenwald, wenn es nicht auch mal regnen würde. Ganz plötzlich zieht es sich zu, es schüttet wie aus Eimern, doch 10 Minuten später ist der Spuk vorbei. Black lässt sich nicht beeindrucken und verringert die Geschwindigkeit auf der seifigen Straße nicht. Weitere 10 Min darauf ist die Straße wieder knochentrocken, so, als wäre nie etwas gewesen.

In Albina geht alles ganz schnell und auch den Fluß kann ich schnell überqueren. Am Anlegeplatz stehen schon die Pirogeninhaber, die Grenzgänger ohne eigenes Auto über den Maroni setzen. Zunächst geht es noch durch die Grenzkontrolle, der Immigrationsofficer kloppt den Stempel irgendwohin, ohne sich den Pass anzuschauen, der Zöllner spielt gerade ein Spiel auf seinem Handy und möchte dabei nicht gestört werden. Und schon sitze ich in einem schippernden und scheppernden Kahn.

Die Überfahrt über den Maroni dauert nur knapp 5 Minuten. Tja – und nun sind wir wieder in Europa. Französische Nummernschilder, französische Polizei, Kronenbourg Leuchtreklame – ja wir sind offiziell in Frankreich. Den Kilometer in die Stadt laufe ich zu Fuß. St. Laurent du Maroni heißt der Ort, das klingt auch schon mal französisch, auch fahren viele Peugeots und Citroens herum.

P.S. Auch das Preisniveau in Französisch Guyana ist französisch. Und zwar vom feinsten wie in Paris. Der halbe Liter Bier im Dorfkrug kostet 7 Euro. Na denn prost. Lg an H1