Samstag / Sonntag, 7./8. November - Paramaribo

Gudde Moorje

Es ist Sonntag und ich sitze mit Norman an der Theke einer Straßenkneipe. Solche Kaschemmen gibt es hier überall, es sind Kneipen am Straßenrand eben nur ohne Dach. Norman arbeitet im nahe gelegenen Central Markt und genießt jetzt sein ein kühles Feierabendbier. Er spricht etwas Englisch, denn die Amtssprache hier in Suriname ist holländisch. Außerdem ist er Brasilien-Fan und beschwert sich bei mir über die 7-1 Niederlage im Halbfinale der letzten Fußball WM. Was soll ich da sagen, hätte ich mitgespielt, hätten wir zweistellig gewonnen. So freut er sich, dass es nicht schlimmer gekommen ist und ich habe wieder einen Einheimischen glücklich gemacht.

Vorher bin ich mehr oder weniger den halben Tag sind in Paramaribo, der Hauptstadt Surinames herumgelaufen,  die meisten Spots gesehen und in den Slums in eine Geburtstagsfeier geplatzt- dachte eben bei der lauten Musik, dass das eine Kneipe wäre. Ein Bier habe ich allerdings nicht bekommen. Weisse in Slums - das war dann für die staunenden Einheimischen offenbar ein weniger pricklendes Feeling.

In der Nacht vorher war ich angekommen, nachdem ich mir noch ein Gefährt vom 50 km entfernten Flughafen organisieren musste. 50 km außerhalb der Stadt- da halte ich es mit Asterix und Obelix: die spinnen, die Surinamesen. Oder besser gesagt die Holländer, denn bis 1975 war das ganze hier ja niederländische Kolonie. Die Einreise nach Surinam ging problemlos, nur spät war es geworden. Und so stand ich vor dem Eingang der Eco-Lodge und verzweifelte fast, weil der Nachtwächter nur herum brabbelte. Ich hatte ihn aus dem Tiefschlaf geweckt, außerdem schien er einige Promille intus zu haben, und zu verstehen war er nun gar nicht.

Nun denn, ausgeruht und spät gefrühstückt streune ich durch Paramaribo. Gudde Moorje - wie der Holländer hier sagt und in Surinam wird Holländisch gesprochen. Man sieht die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale, das angeblich größte freistehende Holzgebäude der Welt. Die Innenstadt erinnert an eine holländische Kleinstadt. Viel Holz oder roter Backstein. Auffällig ist der Menschenschlag hier: ein Mix der unterschiedlichsten Gesichter aus allen ehemaligen niederländischen Kolonien. Asiatisch aussehende Ruud Gullits, negroide Indonesier, Inder, blonde Chinesen, dazwischen fahrradfahrende Hellhäutige. Aber alle sprechen niederländisch! Außer mir natürlich, aber man kann das meiste einfach verstehen.

Die Kulturen scheinen sich zu respektieren, die riesige Moschee steht einträchtig neben der Synagoge, die Hauptkirche ist nur einen Steinwurf entfernt und Hindutempel sind irgendwie ins Stadtbild eingestreut. An der Waterkant gibt es ein Stück Kolonialgeschichte, das Fort Zeelandia in Backsteinbauweise gehalten prägt das ganze Viertel. Drumherum liegt das Regierungsviertel. Alte Holzhäuser überall, denn die UNESCO hat Teile der Altstadt als Weltkulturerbe deklariert. Am herunter gekommensten sieht noch das Finanzministerium aus. Nomen ist eben Omen!

In der Innenstadt ist viel los, Menschengetümmel, Minibusse ohne Fahrtzielanzeige, Verkaufsstände, ein chinesischer Markt mit den üblichen unfreundlichen Chinesen und ein javanischer Markt mit auch nicht viel freundlicheren Indonesiern. In den weniger vornehmen Vierteln riecht es nicht nur nach Garküchen, denn niemand hat Hemmungen, die Häuserwand als Klo zu benutzen. Daneben gibt es noch das Beverly Hills von Paramaribo, Hier stehen dicke Villen mit römischen Statuen und Löwen im Garten. Und an den Grundstücksgrenzen glitzernde und illuminierte Tannenbäume. Die einen haben kein Geld und die anderen wissen nicht wohin damit ...

Trotz allem hat Paramaribo etwas gemütliches, alles läuft hier nahezu in Zeitlupe ab..Der Verkehr, die Bedienung,  das Hotelpersonal Nur eines arbeitet hier rund um die Uhr im Akkord, das sind die Stechmücken.

Abends war ich übrigens bei den Hindus. Die feiern hier ein dreitägiges Lichterfest - Diwali. Heute steht eher Zremonielles auf dem Programm, sogar eine kleine Show wird arrangiert. So werden irgenwelche Gestalten entweder per Hubschrauber oder mit dem Kran auf die Bühne befördert, wo bereits andere religiös verkleidete Personen warten. Manche tragen Kronen. Und wüsste man nicht, dass hier die Hindus eines ihrer goßen Feste feiern, man könnte glauben, die Sternsinger wären da.

Abends war ich übrigens bei den

P.S.: Das ortsübliche Bier heißt hier Parbo. Eine Abkürzung für Paramaribo. Serviert wird es in 0,25 Liter-Flaschen und 1-Liter Flaschen. Dazwischen gibt's nichts. Die Literflasche kostet nicht mal das Doppelte wie die kleine Flasche. Da fällt die Auswahl leicht und dem Kellner das Laufen nicht allzu schwer. Lg an H1!