Montag, 11. Mai - Pjöngjang

Pjöngyang 2.0

Es gibt nur wenige Länder außerhalb Europas, wo ich zwei oder wie in Nepal gar dreimal hingeflogen bin. Nordkorea gehört jetzt dazu. Warum? Nordkorea ist ein Freilichtmuseum des real existierenden Sozialismus. Zurückgeblieben in den 50er Jahren des Stalinismus kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen. Sollte man denken. Neuer Führer, neues Glück, oder ?

Das wollte ich in einer Woche herausfinden. Im Gegensatz zur Gruppenreise von 2010 konnte ich diesmal das Programm teilweise selbst bestimmen und habe mir vor allem eine Wiederholung der Höhepunkte des historischen Korea vom Halse geschafft. Dazu viele Programmpunkte, die sonst eher nur vereinzelt auf der Agenda stehen: Schulen, Kindergarten, Konzerte, Krankenhäuser, Landwirtschaftsgenossenschaften und Produktionsstätten.

Frühmorgens musste ich zunächst von Shanghai nach Peking, um dann den knapp zweistündigen Flug nach Pjöngjang anzutreten. Touristen am Gate waren eher eine Einzelerscheinung, vielmehr steigen jede Menge chinesische Geschäftsleute und nordkoreanische Bonzen in die Tupolev ein. Die machte wenigstens einen halbwegs flugfähigen Eindruck, schien aber trotzdem etwas in die Jahre gekommen zu sein. Die Sitzplätze A-F wurden mangels Beschriftung eher willkürlich gewählt, für die Gepäckablage gab’s keine Klappen und auf dem Boden lag ein Blättchen mit den Sicherheitsvorkehrungen rum. Die Triebwerke scheinen immerhin zu funktionieren. Also nix wie los ...

Zu Trinken gab's Flaschenbier und dazu einen Burger Made in Nordkorea. Er erinnerte mich irgendwie an eine Begebenheit vor Jahren in Echzell, als die dortige Bedienung auch so einen speziellen Hamburger servierte. Damals hatte diese das Fleisch zwischen den Brötchenhälften vergessen. Einen Servierwagen gab es auch nicht, die Stewardess hatte immer so viel im Arm, wie sie tragen konnte. Deshalb wird in Korea auch weniger von Saftschubsen als denn von Saftschleppern gesprochen.

Gepäck- und Passkontrolle erfolgten relativ flott, dennoch waren jegliche Elektronik und Schrifterzeugnisse einzeln aufzuführen. Während die fünf mitgebrachten Spiegelexemplare noch kritisch durchblättert wurden, stockte dem Kontrollbeamtem dann doch noch der Atem. Ich hatte mir einen mittelalterlichen Roman mitgebracht, dessen Cover wohl nicht so ganz unter das Jugendschutzgesetz in Nordkorea fällt. Zur Enttäuschung des Polizisten gab es dann im Buchinneren nur noch Text zu sehen und keine Fotos. Tja, da war’s wohl dann nichts mit einem gemütlichen Abend vor einem konfiszieren Exemplar. Handys werden übrigens nicht mehr bei der Einreise konfisziert, was aber auch keine nennenswerte Verbesserung ist. Internet ist nicht existent und telefonieren ist mit der heimischen Karte reines Wunschdenken.

Dann die erste Überraschung. Üblicherweise bekommt man einen Offizier vom Geheimdienst zugeteilt, der sich dann auf Schritt und Tritt darum kümmert, dass der liebe Tourist nicht allzuviel Unsinn macht. Mister Kim, der vor fünf Jahren auf mich aufpassen sollte, wird davon ja noch seinen Enkeln erzählen können. Diesmal kein Spitzel, sondern ein Praktikant. Eine Deutschstudent, der sich in den bisherigen vier Jahren seines Studiums wohl mit allem befasst hat, aber sicherlich nicht mit dem Erlernen dieser Sprache. Doch auch der Student sollte sich noch lange an die nun folgende Woche erinnern sollen.

Auf dem Weg zum Hotel fällt auf, dass Pjöngjang bunter geworden ist. Kaum noch graue Fassaden an den Straßenrändern und auch viele neue Gebäude. Zudem kleiden sich die Damen auf den Straßen doch wesentlich bunter als seinerzeit. Das Bild wirkt doch lebendiger, zumal jetzt an jeder Ecke kleine Kioske stehen, die es seinerzeit überhaupt nicht gab.

P.S.: In Nordkorea gibt es Fußbodenheizung. Der Vorteil dabei: die Leute brauchen kein Bett. Der Nachteil: Sie funktioniert eigentlich nie! Lg an H1.

 

I

P.S.: