Sonntag, 4. August - Rückflug 

Blitzschläge

Nach der doch eher trostlosen Nacht im Badeparadies Batumi und der folgenden Achtstündigen Marschrutka-Fahrt verbringe ich den Abend in Tiflis. Ein Hotel habe ich nicht gebucht, denn die Zeit von 19 bis 5 Uhr Morgens kann man locker auch anserweitig überbrücken. Da die LOT um 5 Uhr fliegen wollte, machte ich mich gegen 3 Uhr auf den Weg zum Flughafen, was mir locker 8 Stunden Zeit ließ, mir nochmals die Höhepunkte der Stadt, die mit entsprechend guten Erinnerungen verbunden waren, in Erinnerung zu rufen. Dabei ist die Strecke vom Bahnhof bis zur Partyzone die ideale Gelegenheit, um einerseits nochmals die eine oder andere Kneipe aufzusuchen, andererseits aber auch noch einen kleinen Fotostop zu machen. Die Tour im Einzelnen:

  1. Trinkstop: Fabrika – Die Alte Farbik in der Ninoshvili Strasse hat als Alternativer Hot Spot der Szene in Tiflis etabliert. Tolles Wetter im Innenhof und für das überwiegend junge Publikum recht teures Bier
  2. Fotostop: ein Verkehrsschild, das nach Saarbrücken führt. Nicht dass ich mich ins Saarland verirrt habe, aber Saarbrücken ist die Partnerstadt von Tiflis. Daher gibt es einen Saarbrücken Square und folglich auch einen Wegweiser.
  3. Trinkstop: Die historische Altstadt mit dem schiefen Uhrenturm ist doch etwas zu kurz gekommen. Neben eher schlechten Fotos geniesse ich die Aussicht bei Live-Musik und einem Bier.
  4. Fotostop: Während der fünf Tage in Tiflis ist es mir nicht gelungen, eine der vielen Skulpturen in Tiflis ausfindig zu machen. Dabei handelt es sich um den letzten Laternenanzünder der Stadt. Die Verkehrsführung in der Region ist dermaßen unübersichtlich, dass ich vermutlich x-mal dran vorbei gelaufen bin. Nunmehr bin ich mit Google Map und Navi akribisch vorbereitet und bekomme den Laternenmann vor die Linse.
  5. Trinkstop: Der Abend bzw. die Nacht endet in meiner Stammkneipe, dem KGB. Über diese Stunden hüllen wir hier aber mal den Mantel des Schweigens.

Als ich dann gegen 4 Uhr am Flughafen ankomme, läuft alles reibungslos. Ich gehe in die Airport-Bar und will gegen halb 5 Uhr den Gate für den Abflug mit der LOT checken. Beim Blick auf das Display trifft mich der Blitz, Flug Cancelled. Jetzt sind wir ja nicht in Frankfurt, wo man mal kurz  auf die nächste Maschine umbuchen kann. LOT fliegt auch nicht jeden Tag und zeitnahe Alternativen gibt es kaum. Zudem hat der Gatebereich keinen einzigen Infoschalter, wo man sich erkundigen kann. Erschwerend kam hinzu, dass ich in der Tat durch meinen stundenlangen Kneipenbummel einiges an Bettschwere angesammelt hatte. Zudem war ich bereits ausgereist. Also: wieder Einreisen nach Georgien und irgendwo in der Abfertigungshalle in eine Schlange wütender Passagiere einreihen.

Ich denke mir meinen Teil und warte bis ich dran komme. Dann der nächste Blitzschlag. Ich soll mich erstmal vier Stunden hinsetzen und schauen, ob ich gegen Mittag von der Turkish mirgenommen werden. Müde wie ich war, schlafe ich nach 2 Minuten ein und werde gerade noch so wach, dass mich die Türken auch mitnehmen. Vom Flug weiss ich gar nichts, realisiere lediglich, dass wir auf Erdogans neuem Mega-Airport landen.

Der dritte Blitz trifft mich dann am Transfer Schalter, die mir einen Weiterflug um 19 Uhr in Aussicht stellen. Heißt: 6 Stunfen Wartezeit im zwar großen, aber extrem strerilen Flughafen zu warten. Nichts interessantes zu sehen ausser einem Wirt, der bei Bestellung eines großen Bieres mit einem 1-Liter Bembel Efes angetrabt kommt. Das W-Lan, nebenbei gesagt, fällt eher in die Kategorie Funkloch – Herr Erdogan will offensichlich nicht nur, dass seine Landsleute keinen Unfug kommunizieren, sondern kappt für internationale Gäste auch gleich sämtliche Kommunikationskanäle.

Mit dreizehn Stunden Verspätung komme ich in Frankfurt an. Mehr muss man glaube ich nicht sagen. Dennoch ein kleines Resume:

- Tiflis: schöne Stadt mit viel morbidem Flair und irgendwie komplett anders als Jerewan oder Baku

- Kazbegi: hatte sich hinter Wolken versteckt, hatte ich aber auch schon von der russischen Seite gesehen

- Südossetien: Adrenalinschock pur kombiniert mit einem unbeschreiblichen Stalinkult in Gori.

- Kachetien: Dei Wein- und Chacha-Verkostung erinnerte irgendwie an Moldawien. Der Georgier trinkt eben doch gerne ein Schlückchen

- Abachsien: Heute geschlossen

- Batumi: Nette Bade- und Altstadteindrücke, aber auch nicht mehr

Und: immer wieder nette Georgier, die sich nach nichts mehr sehnen, als den Anschluß an Europa nicht zu verlieren.