Freitag , 2. August - Batumi

Der Schwarzmeer-Sachse

Finally I made it - das sagte in Mai 2018 ein erschöpfter Tscheche, der mehr oder weniger per Anhalter von Prag bis zur Stadt Machatchkala am Kaspischen Meer gereist war. Sein Ziel? Genau! Die Kaspische See. So ähnlich kam ich mit heute vor, als ich am Schwarzen Meer stand. Fast dachte ich, es wäre auch das erste mal, die Füße hier zu baden. Doch dann fielen mir die zwei Trips mit dem TSV an den Goldstrand ein, obwohl hier die Füße wesentlich öfter in der Strandbar als im Wasser auftauchten.

Unfreiwillig, aber doch irgendwie gewollt: Batumi, die Stadt am Schwarzen Meer nahe der türkischen Grenze. Batumi wirkt schon ein wenig grotesk. Da reist man tagelang durch Georgien, sieht alles von historischen Gemäuern bis hin zu den Bergen im Kaukasus, um schließlich hier her zu kommen und eine Stadt vorzufinden, mit der man nicht so richtig weiß, was man damit anfangen soll.

 Da standen die dicksten Sowjetbunker neben glitzernden Hochhäusern und Spielcasinos aus Glasfassade und restaurierte Gebäude neben eingefallenen Plattenbauruinen. Zu dieser architektonischen Wunderkiste, die weder einem Plan folgte noch irgendwie zusammenpasste, gesellte sich ein nächtliches Spektakel, was irgendwie an Las Vegas im Miniaturformat erinnert. Aber vielleicht will Batumi ja auch gar kein Las Vegas sein. 

Batumi ist eine dieser Städte, welcher der Spagat zwischen Wandel und Authentizität gelingt. Die Uferpromenade wechselt zwischen morbidem Charme, Kitsch und Moderne. Doch sobald man den Boulevard verlässt und Richtung Stadtkern abbiegt, zeigt sich Batumi von einer gänzlich anderen Seite. Hier ist die zweitgrößte Stadt Georgiens noch urig, der Küstenkitsch vergessen.

Auf jedenfall gibt es hier viel Wein und Chacha. Und je kleiner die Kaschemme, desto lustiger die Begebenheiten. So richtig bekomme ich mein Glas gar nicht leer, weil liebe Barkeeper keine leeren Gläser sehen kann. Motiviert schenkt er immer wieder nach, bis die Flasche leer ist und erzählt in eigentlich nicht vorhandenem Englisch über seine Erlebnisse in der Zeit, als er in der DDR stationiert war. Während der Sowjetzeit hatte er in Sachsen gedient und versuchte mir das die Nacht über beizubringen. Und je weniger ich verstehe, umso mehr gießt er nach. 

Anfang der 80er war er wohl in einer Kaserne stationiert und wurde von den DDRlern des Öfteren als Russenschwein bezeichnet. Er antwortete darauf immer, dass er gar kein Russe, sondern ein Georgier sei. Was ihm allerdings auch nicht weiter geholfen hat. Heute betreibt er eine kleine Kneipe und freut sich über jeden Deutschen, der vorbei kommt. Auf der berühmt berüchtigten Schwarzmeer-Flotte war er nie, dafür nenne ich ihn jetzt Schwarmeer—Sachsen. 

Am späten Abend tauche ich nochmals in die Strandwelt Batumis ein. Und siehe da, ich treffe einen Belgier, der mir schon in Gori über den Weg gelaufen ist. Mit einem Fiat Mini macht er eine Charity Tour von Brüssel bis zum Baikalsee. Sollte der Fiat auch noch den Rückweg schaffen, dann geht es ihm sicherlich besser als zwei anderen Belgiern. Die haben den Flug beim ungarischen Billiganbieter WIXX gebucht. Und der hat das mir nix Dir nix umgebucht und den Rückflug nach Paris bestätigt. Wie die jetzt von Paris nach Brüssel kommen? Ist WIXX egal, steht so im Kleingedruckten.

P.S.: Auf dem Weg von Zugdidi nach Batumi muss die Marschrutka fortwährend liegende und streunende Kühe auf der Fahrbahn umkurven. Man könnte Georgien auch Little India nennen. Lg an H1