Dienstag, 30. Juni - Gori

Prablema, prablema ...

Passiert ist heute doch so einiges, insofern möchte ich mich auf zwei Sachen beschränken. Gori und Ergneti. Nach Georgien zu fahren, ohne die Geburtsstätte vom Väterchen Stalin zu besuchen ist wie nach Dorn-Assenheim zu kommen und den Germanenkrug verpasst zu haben.

Stalin war, wenn man das alles hier für bare Münze nimmt der bedeutendste Georgier, der je gelebt hat. Oder, um jetzt ganz tief in die Mottenkiste zu greifen: die fünftwichtigste Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts nach: 1) dem GRÖFAZ, 2) dem "großen Führer" Kim Il-sung, 3) dem "großen Steuermann" Mao tse-tung und 4) dem "großen Vorsitzenden" Franz Josef Strauß. Alter Witz aus den 80ern, wobei diese Bemerkung bis 1989 vermutlich für lockere 25 Jahre wahlweise in Bautzen oder Stadelheim gereicht hätte. Nun wissen wir, dass das vom verdienten Genossen geschaffene Paradies der Werktätigen eher ein Leuchtturm in der Finsternis war. Aber lassen wir das.

In seiner Heimatstadt gedenkt man dem Generalissimus allerdings in glorifizierender Weise: Die Hauptachse des Ortes bildet die Stalinallee, an deren Ende das Stalin-Museum steht. Dazu gibts noch den Waggon, mit dem er aus Flugangst 1945 nach Potsdam fuhr und das Geburtshaus. Ein fragwürdiger Ort, dient das Ganze doch nur der Glorifiziezung des Despoten, während seine Verbrechen unter den Teppich gekehrt werden. Oder ums genau zu sagen, in einer Rumpelkammer auf 20qm aufgearbeitet werden.

Im Museumsshop verkauft eine im Stil der Zeit uniformierte Genossin Devotionalien. Geboten werden Stalintassen, Schneekugeln (!) und Weinflaschen mit Stalinettikett -- da bekommt das Wort "Rotwein" gleich eine andere Bedeutung. 

Zu sehen gibt es in Gori ansonsten noch die Ruine einer Festung aus dem 13. Jh. und einen Stadtpark mit drei ziemlich deprimierten Braunbären. Benannt ist der Park übrigens nach - na ratet mal ...

Grund überhaupt hier her zu kommen war Südossetien. Ich wollte da letztes Jahr vom russ ischen Kaukasus her rein, aber die Leser des Blogs werden sich daran erinnern, dass die Reise mit gefakten Papieren auf einer Polizeistation in Fazikau endete. Südossetien Abchasien ist eine gebirgige Region, die sich für unabhängig erklärt hat. Auch Südossetien wird nur von einer Handvoll Staaten anerkannt, Russland natürlich zu vorderst. Bei den darauf folgenden gewaltsamen Konflikten mit Georgien bekam die kleine Region Unterstützung vom großen Bruder, dessen Nähe die Südosseten stets suchten. Für Mich ist es strikt verboten, dieses Land zu besuchen, jedenfalls von Georgien aus. Allerdings habe ich auch keinen Bock, hier nochmal den Versuch über Wladikavkas zu wagen. Also alles auf Rot, wie man im Roulette sagt.

Mit einem irren Fahrer, der die Autobahn zwecks Anzünden der Zigarette mit 122 km/h freihändig fährt geht es nach Gori. Dann müssen die Taxifahrer dort jemanden ausdeuten, der den Weg nach Ergneti auf sich nimmt. Nicht das das fahrtechnisch eine Herausforderung wäre, aber die Grenze ist militärisches Sperrgebiet. Mit einem kleinen Obolus löse ich das Problem aber sehr schnell.

Allerdings ist mein Fahrer nervöser als ich dachte. Statt meinem Rat zu folgen, sich langsam an die Grenze heran zu pirschen, fährt er direkt auf die Grenzkontrollen zu. Da stehe ich nun mit meinem Taxifahrer vor der mit Sandsäcken, Betonsperren und Stacheldraht am besten geschützten Grenze des Kaukasus.

Die Grenzer stürmen heraus und während ich mich schon wieder kaukasischen Kreuzverhören ausgesetzt sehe, wird eine Person verhaftet. Der Taxifahrer. Und warum. Weil es Taxen nicht erlaubt ist, Fahrgäste ins militärische Sperrgebiet zu befördern. Währen ich mich im Hintergrund um eine Fluchtmöglichkeit bemühe, kommt mein Fahrer alle zwei Minuten zurück. Sein Kommentar: Problema, problema...

Wie wir diese „Problema“ gelöst haben, schreibe ich dann morgen. Während ich bei einem großen Georgischen Bier meinen Blig schreibe, wünsche ich dem Fahrer inständig , dass er nicht inhaftiert wurde. Meine Hoffnung ist begründet. Als ich mit dem Bus in Gori ankomme, muss ich wieder am Taxistand vorbei. Alle Fahrer, die meinen Beförderer ausgewählt hatten, begrüßen mich mit Hupe und grinsendem Winken. Ich winke zurück und sage mal lieber nix.

P.S.: In Georgien, so sagt man, war die Rinderzucht sehr beliebt. Irgendwann kamen die Muslime und haben den Einheimischen die Kuh von der Weide geklaut. Doch der Georgier ist schlau, er züchtete (Achtung Reim) die Sau. Die Diebstähle gingen massiv zurück! Lg an H1!