Montag, 18. März - Kairo 

Der Crash

Nun ist es doch passiert. Beim Überqueren der Straße lande ich auf der Motorhaube eines PKW. Jeder tastet sich nach vorn und versucht durchzukommen, Fußgänger und Autos gleichermaßen. Grüne Ampeln oder Zebrastreifen sind nicht zu finden, also versuche ich mein Glück, wie sich die Tage vorher. 

Nicht dass hier gerast würde, doch im Kampf um die Vorfahrt ist jedes Mittel recht. Egal, der Crash kam und ich hopse laut fluchend von der Straße. Statt wie geplant mit dem Bus nach Alexandria humpele ich zurück ins Hotel. Blessuren gab es aber kaum, also ändere ich meine Pläne und stürze ich mich ins Gewusel der Kairoer Attraktionen. 

Zunächst ins koptische Viertel, das wenigstens genau vor einer Metrostation liegt. Direkt vor dem Ausgang findet sich die Hängende Kirche,  weil sie über einem ehemaligen Festungstor schwebt. Die koptischen Kirchen sind orthodox und deshalb prunkvoll ausgestattet. Allerdings sind die Kopten immer wieder Ziel von Anschlägen, weshalb die Sicherheitsvorkehrungen doch sehr strikt sind. Ich hatte schon auf meinen Rucksack verzichtet und genau aus diesem Grund nur Portemonnaie und Handy dabei.

Schöner ist jedoch die benachbarte Und immerhin 1300 Jahre alte Georgskirche, auch wenn diese nach einem Brand wie neu gebaut aussieht. Blöde nur, dass gerade ein Gottesdienst stattfindet, was dazu führt, dass ich nicht fotografieren darf, aber auch nicht mehr die Tür hinaus komme. Und wer orthodoxe Messen kennt, weiß, dass ein Schlafsack für den einen oder anderen Gläubigen durchaus von Vorteil ist.

Neben den beiden Hauptkirchen umfasst der Komplex noch weitere Kirchen, Klöster und eine Synagoge. Also alles Ziele, die ein regelmäßiges Anschlagspotential besitzen. Allerdings waren es nicht die Islamisten, die mich nerven, sondern die am Ausgang befindlichen Touristenfallen. Nur Plunder, nur Nepp und überall einen Verkäufer, der 1000 Verwandte in Deutschland hat, Dir erzählt, dass er nicht verkaufen will, im gleichen Atemzug aber versucht, Dir was aufzuschwatzen.

Weiter gehts in den richtigen Rummel, das islamische Viertel mit den schmalen Gassen von Altkairo. Obwohl hier vom Nil weit und breit nichts zu sehen ist, sind an den Mauern deutliche Spuren von Hochwasser zu sehen. Durch den Bau des Assuan-Staudamms ist der Grundwasserspiegel stark gestiegen und lässt viele Gassen immer wieder unter Wasser stehen. Ansonsten viele Moscheen und die üblichen arabischen Souks. Alles gemächlich, nur ein Ägypter, der Touristen gegen 5 Euro einen Turm hinauf schleppt. Ein fix und fertiger Deutscher kommt stöhnend aus dem Minarett, weil er wohl übers Ohr gehauen wurde. Ich erkundige mich in Englisch, was denn passiert sei, um nicht das gleiche Schicksal zu erleben.  Irgendwann regt er sich in feinstem Fränkisch dann darüber auf, dass er mit mir Englisch sprechen muss. Mein Kommentar zu seiner unverständlichen Aussprache: Ihr deutsch klingt ja nach allem, nur nicht nach Deutsch. 

Über einen geschwungenen Weg mit Palmen und kleinen Rasenflächen dann nochmals ein kleiner Höhepunkt: die Mohammed-Ali-Moschee, auch als Alabaster-Moschee bekannt. Umso eindrucksvoller ist hier die 52 Meter hohe Kuppel. An mehreren Kränzen hängen zahlreiche Lampen, welche den Innenraum in ein goldenes Licht tauchen. So ein bisschen wie die Sultan Ahmed Moschee in Istanbul. 

Nachdem ich die Highlights der Stadt nun abgearbeitet habe, gehe ich ins Hotel. Der Unfall von heute morgen hat doch so seine Blessuren hinterlassen.

P.S.: Zum Kühlen bietet man mir im Hotel wahlweise eine Dose Heineken oder Pepsi an. Fehlt nur noch ein Bernhardiner an der Straßenecke  mit nem Sixpack für Notfälle.