Sonntag, 17. März - Gizeh

Pyramidenwanderung

Ich stehe vor der Cheops-Pyramide und kann es mal wieder nicht fassen. Live zu erleben, was man sonst nur von Fotos und aus Filmen kennt. Ich stelle mich an den Fuß der Pyramide und staune, dass dort die Steine fast so groß sind wie ich. Aber im Gegensatz zu mir wiegen die ganze Tonnen, was dann schon zu der Frage führt, wie diese Kolosse hier in die Wüste transportiert werden konnten. Ich klettere sogar auf die Pyramide drauf. Jawoll, ich habe eine Pyramide bestiegen. Wieder ein Punkt auf meiner Liste, von dem ich nicht wusste, dass er darauf stand. 

Die Pyramiden gehören zu den Weltwundern, was ich ausnahmslos unterschreibe. Besonders krass fand ich aber, dass das gesamte Gelände bis zu den Pyramiden selbst mit dem Bus abgeklappert wird. Erst zwischen den beiden großen Pyramiden hat man dann Zeit die Weltwunder auch zu Fuß zu erkunden. Um die zweitgrößte Pyramide bin ich danns erst einmal herum gelaufen, was ganz schön anstrengend ist. Nicht wegen der Hitze, sondern wegen den nervenden Kamelreitern und Souvenirhändlern. 

In die Pyramide von Chephren bin ich rein – das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Auch wenn die Grabräuber ja bekanntlich schon vor mir da waren. Körperliche Probleme hatten diese aber scheinbar, denn man sollte sich das schon zweimal überlegen. Abgesehen von dem 1 mal 1 Meter breiten Gang inklusive Gegenverkehr war nicht viel zu sehen. Am Ende des Ganges war ein kleiner Raum mit einem leeren Sarg. Hier und da gab es eine Abzweigung oder ein Loch, aber sonst nichts.

Dann geht es hoch zu einer kleinen Aussichtsplattform. Hier hat man einen fantastischen Blick auf die Grabstätte und die Wüste. Theoretisch auch auf die Millionen-Metropole Kairo im Hintergrund, praktisch und Smog-bedingt aber nicht.
Dann der Höhepunkt.  Die Sphinx, der Obelix damals aus Versehen die Nase abgehämmert hat. Die Sphinx ist kleiner als ich sie mir vorgestellt hatte, aber dennoch irgendwie gewaltig. Unglaublich lange und große Löwenpfoten. Auf dem Kopftuch kann man noch erkennen, dass sie farbig bemalt war. 
 
Danach bin ich dann zwar ziemlich fertig, aber ich lasse mir das ganze Abends bei einer Light and Sound Show dann nochmals illuminiert vor Augen führen. Wenn man schon mal in Giza ist, dann soll man die Chance auch nutzen. Auch wenn es etwas umständlich ist, spät abends wieder nach Kairo zu kommen. Nicht wegen mangelnder Verbindungen, sondern den lästigen, weil einem immer über das Ohr hauen wollenden Taxifahrern.
Immerhin gewinne ich so einen Eindruck von Kairo bei Nacht und die Gewissheit, dass ich hier so schnell auch keine Kneipe finde. Es gibt zwar ein paar Hinweise auf Trip Advisor, aber jetzt einen Riesenaufwand für ein überteuertes Bier in Kauf zu nehmen? Nein Danke. Der Abend endet folglich im Hotel und ohne besondere Vorkommnisse. Denn während in Massawa sich die Dorfjugend zuprostete, ist hier eher Seniorentanz angesagt.

P.S.: Ägypter sind für ihren Humor bekannt. So erzählen arme Leute, die sich keinen Urlaub leisten können, sie hätten die Ferien auf der Baumwollinsel, also ihrem Bett verbracht. Und beschwert sich der Fahrgast im Taxi über die Kakerlake auf dem Rücksitz, kontert der Fahrer: Das Mistvieh ist ein blinder Passagier und hat nicht einmal bezahlt.