Samstag, 16. März, Kairo

Mutproben 

Kaum in Kairo angekommen schlug die Rache des Pharao unerbittlich zu. Während ich noch um 5 Uhr morgens nach drei bis vier Nächten ohne Schlaf quicklebendig die Immigration in Cairo Airport passiere liege ich am Abend wie ausgepumpt im Bett. Zur Müdigkeit durch die kurzen Nächte hat sich Fieber gesellt, was mit seinen 38 plus Grad im Körper nur so eben die Außentemperatur übersteigt. Also ist mal wieder die Firma Bayer gefragt, um mit selbst verordneten Dosen das werte befinden wieder auf Ausflugsmodus zu trimmen.

Cairo ist eine der größten Städte der Welt, hat rund 17 Millionen Einwohner. Aber auf den ersten und zweiten Blick ein unangenehmer Saustall vor dem Herrn. Denn die Stadt hat zwei mächtige Probleme: den Müll und den Verkehr. Überall sammelt sich Dreck und Abfall. Beim viel gepriesenen atemberaubenden Blick vom Minarett der IbnTulun-Moschee über die Dächer von Kairo bleibt mir echt der Atem weg. Der Müll liegt auf dem Dach, und wird mit aller Regelmäßigkeit weggeweht wird, wenn der Wüstenwind über die Stadt bläst. Und inmitten von alledem erkenne ich Truthähne, die sich die Leute auf ihren Dächern halten. 

Tagsüber ist die Stadt ein einziger Stau. Oder so eine Art Stau. Denn irgendwie bewegt sich doch alles. Wild durcheinander. Ich habe schon einige verrückte Verkehrssysteme gesehen, doch Kairo ist ein Highlight. Zehn Autos teilen sich zwei Spuren. Nebeneinander. Rüdes Abbiegen inklusive. Die Hupe ist wichtiger als die Bremse. Wer Mut hat, hat Vorfahrt. Ampeln bis auf Downtown Fehlanzeige und wenn, dann werden sie kaum beachtet. Der Gag: die Fußgängerampel am bedeutenden Tahrir Platz ist immer rot. Im Vergleich dazu sind Neapel oder Rom eine verkehrsberuhigte Zone.

Und für mich als Fußgänger gilt: Du gehst einfach rüber und hoffst das nichts passiert. Mutprobe So machen das alle und mache ich’s auch. Ansonsten riskiere ich, den Rest meines Lebens auf der gleichen Straßenseite zu verbringen.

Direkt gegenüber dem Hotel befindet sich das Ägyptische Museum und der Nil. Selten habe ich so ein hässliches Ufer in einer Großstadt gesehen. Irgendwie Lagos, aber de luxe. Denn zumindest in der Innenstadt erinnert noch einiges an offensichtlich bessere Zeiten. Nach rund 5 Stunden fortwährender Mutproben im Verkehr entschließe ich mich für einen Besuch im ägyptischen Museum. 

Striktes Aufnahmeverbot. Kein Video, kein Foto. Meine Laune ist gemäßigt, doch die Ausstellung entschädigt. So viele Exponate, alles wild durcheinander, vollgestopft. Wie auf Kairos Straßen. Aber was für Exponate. Hier die massiv goldene Totenmaske des Tut Ench Amun – dem sagenhaften Pharao, dessen Grab im Tal der Könige bei Luxor liegt. Die Maske ist unbeschreiblich. Aber auch die anderen Grabbeigaben sind fantastisch. Zu viele Eindrücke, um sie alle hier zu beschreiben, deshalb einfach hinfahren oder googeln. 

Es fällt auf, dass es mit der Sicherheitslage auch nicht zum Besten bestellt ist. Überall Kontrollen, Polizei oder Militär mit dem Gewehr im Anschlag. Vor wenigen Wochen wurde wohl ein Touristenbus beschossen und so vieles mehr. Besonders die vielen Touristenattraktionen werden gezielt bewacht, was zu der absurden Situation führen kann, dass die Zahl der Sicherheitsleute größer ist als die der Touristen.

Auch ins Hotel komme ich nur durch zwei Sicherheitsschleusen. Von den 100 Sendern im Fernsehen gibt es nur zwei deutsche, nämlich RTL und VOX. Die aber beide nicht funktionieren. Und in der Bar jault eine Ägypterin Schnulzen von ABBA und Boney M. Wie gesagt, ich bin müde und krank. Also lasse ich Ägypten Ägypten sein und lege mich angesichts der nicht bestehenden Alternativen ins Bett.

P.S.: Was sind Mumien? Eingemachte Ägypter!