Freitag, 15. März - Massawa / Asmara

St. Pauli 

Kommen wir nochmals zum Nachtleben in Massawa. Denn der Tag ist schnell erzählt, zudem ging’s heute zurück nach Asmara. Morgens planlos bummeln, mittags ein bisschen Strand mit dekorierten Kamelen und danach ein Abstecher zu den Nomaden, wo ebenfalls die Rocky Horror Kaffee Show wartet. Reine Verkaufsveranstaltung, nur ohne Rheumadecken. 

Und der Clou: gerade als der Clan-Chef über Kamele spricht, kommt eine Herde des Weges. Und machen wir uns nichts vor: wenn die muntere Truppe hier im Nomadenzelt unter ärmlichsten Bedingungen haust, stehen vor der Tür 15 Kamele a 1.000 Euro. Macht 15.000 Kröten auf dem Sparbuch, beziehungsweise im Sand.

Also zurück zum Nachtleben. Es gibt im zerbombten Massawa gegenüber des Hafens ein kleines Kneipenviertel, das es in sich hat. So wie St. Pauli, nur ohne Seeleute und Prostituierte. Ok, die gab‘s früher mal. Nur ohne Matrosen, Touristen und dem Imam um die Ecke ist das nicht mehr so einfach mit dem horizontalen Gewerbe.

In den Kneipen wird wahlweise gesoffen, eine Art Billard und dergleichen gespielt oder dem Müßiggang gefrönt. Das ganze geht morgens los und endet auch unter der Woche selten vor 4 oder 5 Uhr. Zwei Kneipen stechen wegen ihrer Ausstattung sofort ins Auge. Die Haifischbar, hier als Blaue Laterne mit echter Hafen- und Seemannskneipeneinrichtung. Anker, Steuerrad und alles, was dazu gehört. die zweite erinnert ein bisschen an Cuba. Hohe Decken und ein riesiges Bild mit einem ebenso großen wie falschen Well Come.

Na ja gut. Bin auch immer wegen der hier Tag und Nacht laufenden Fußballspiele gekommen. Championsleague und Euroleague beginnen hier erst um 23 Uhr, was dann inclusive Verlängerung und Elfmeterschießen Öffnungszeiten bis 2 Uhr garantiert. Aber das ist gar nicht erforderlich. In jeder Kneipe gibt es eine klare Aufgabenteilung. Zwei Frauen bringen das Bier, und die Männer trinken dann die Flasche leer. 

Gesehen habe natürlich auch das Bayern Spiel. Die Eritreer sind alles Fans englischer Mannschaften, so das hier die Sympathien eindeutig verteilt sind. Gegen drei Uhr kommen dann noch die Mädels der Nachbarkneipe rüber. Man sitzt entweder auf der Straße oder unter den Arkaden von Little Aleppo. Noch nie war ein Abend so scary. 

Als ich um 5 Uhr Richtung Hotel aufbrechen will, muss ich noch eine Hilfsaktion initiieren. Wie gesagt, Männer arbeiten hier nichts. Und die Girls, die den ganzen Tag auf den Beinen waren, sollen im Morgengrauen noch die Truhe mit neuen Getränken bestücken. Also motiviere ich die ganze Bande auf der Straße, die Kisten umzuräumen. In fünf Minuten waren wir fertig und gönnten uns noch ein letztes Bier. Das Frühstück am nächsten Morgen habe ich dann aber verpasst...

P.S.: Vor der Haifischbar von Massawa flackert das Licht einer blauen Laterne. Bei uns würde da ein rotes Licht brennen, entgegne ich. Darauf die Wirtin: wir orientieren uns am Himmel, ihr am Blut. St. Pauli - das Blutlichtviertel? Ich bin verwirrt.



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Samstag / Sonntag, 8. / 9. März - Asmara

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Es ist ur eine

P.S.: