Mittwoch, 13. März, Adi Keyh 
Akupunktur 
Eritrea ist eine ideologielose Diktatur, oft auch als Nordkorea Afrikas verspottet. Als Touri merkt man jedenfalls nichts davon. Vom desaströsen Netz mal abgesehen, ist kaum Polizei oder Militär zu sehen, man kann sich frei innerhalb der Städte bewegen, Checkpoints auf den Straßen sind auch eher Deko als wirkliche Hindernisse oder Plagen.
Das Problem der Einheimischen ist freilich, das dem Militär alles untergeordnet ist. Man wird für Jahre eingezogen, ohne zu wissen für wie lange. So vegetieren die meisten ohne Sold dahin. Und jetzt ohne Krieg werden Sie zu Infrastrukturarbeiten wie Strassenbauprojekten herangezogen. Doch das Land blüht, Chinesen und Äthiopier wittern und ihre Chance auf Handel und Geschäfte. Das Ergebnis: Straßen werden verbreitert, es staubt an allen Ecken und Enden.
An einem Hang auf der Fahrt in den Osten schaufeln chinesische und amerikanische Bagger um die Wette. Und wo geschaufelt wird, ist die Straße ohne Vorwarnung gesperrt. Tja und dann stehen wir im Stau(b) und harren der Dinge. Oder wenn man mal nicht von der Dampflok verrußt wird, dann besorgen dir Sand und Staub ein knirschendes Hautfeeling.

Früh um sieben geht’s los nach Dekamhere. Unter den Italienern sollte der Ort südlich von Asmara das Wirtschafts- und Industriezentrum werden. Doch man sieht auch noch jede Menge Ruinen der alten Häuser, die m bei Angriffen 1991 zerstört wurden. Ansonsten geht hier alles sehr gemächlich zu. Ein Markt hier und ein Hochzeitsgeschäft, auf dem Vögel Kleider ausleihen können. Jedenfalls wenn man dem Schild am Eingang glaubt. Denn da wurde Bride (Braut) mit Bird (Vogel) verwechselt.

Verwechslungsgefahr besteht auch im Hochgebirge. Denn nicht nur die Amis haben einen Grand Canyon, der Canyon hier befindet sich bei Adi Keyh und ist im Gegensatz zu seinem Bruder in den USA von mehr Kakteen als Touristen frequentiert. Beim Panramafoto passiert es dann auch. Irgendwie verteufele ich mich beim Drehen, komme aus dem Gleichgewicht und greife in den Kaktus neben mir. Einen Massagesalon oder ein Spa habe ich in Eritrea noch nicht gesehen, aber Akupunktur scheint es zum Nulltarif zu geben. Eritreisches Gesundheitssystem ohne Rezept.

Auch stehen hier noch einige ausgeleierte historische Tempel herum, für das Highlight sorgen aber die Lebenden. Plötzlich liegen Steine exakt angeordnet auf der Straße. Waren wohl Kinder, denkt sich der Busfahrer und räumt die Dinger weg. Keine 20 Sekunden kommt auch schon einer vom Militär hinter einem Busch hervor und stellt den Fahrer in den Senkel. Das war denn eine Straßensperre, also Umleitung fahren. Manche Leute hier regeln den Verkehr auf diese Weise auch selbst, legen Steine auf die Straße. Nicht etwa zur Verkehrsberuhigung, sondern damit Autos überhaupt vorbei kommen. Denn jeder Autofahrer ist ein potenzieller Kunde.

Nach einer Kraterwanderung zu mehr oder wenig interessanten, aber immerhin 6000 Jahre alten Felsmalereien bin ich trotz Akupunktur nicht mehr zu gebrauchen. Fünf Stunden heißt es nochmals Serpentinen fahren, um sich in Asmara dann mit einem Seven-Pack zu vergnügen. 

Und diesen Seven Pack bekamen die Schalker. Gleicher Org wie Samstag, linker Screen City-Schalke, rechts Juve-Atlético. Rechts die Bierfraktion und Juve-Fans, links die Tee trinkenden Muslime und City Supporter. Ich mit Bier bei der Tee Fraktion und für verrückt erklärter heutiger Gazprom Spezialist. Man fällt auf und blamiert sich eben so gut man kann. 

P.S.: Champions League Spiele beginnen hier um 23 Uhr Ortszeit. Als es kurz vor Ende 2-0 für Juve steht und um 1 Uhr Nachts die Verlängerung droht, fängt das Personal an zu beten. Nicht zwingend für einen Turin Sieg, sondern für den pünktlichen Feierabend. Der Herr erhörte die Gebete und Ronaldo schießt eine Minute vor Schluss das dritte Tor. Abpfiff, Ferseher aus, binnen 30 Sekunden ist die Hütte gähnend leer.