Dienstag, 12. März - Keren

Gefaltete Kamele

Der Abstecher nach Keren lohnt sich, auch wenn ich kaum 24 Stunden in der Stadt verbringe. Denn hier trifft Arabien auf Afrika. Man sieht kaum eine Frau ohne Kopftuch, viele weiß gekleidete Alte mit Rauschebart, wahrhaft biblische Gestalten. Auf der anderen Seite werden hier Allerweltsprodukte zu Luxusgütern. Die Tube Rasierschaum zum Beispiel für 17 Euro, denn der Bartträger hier braucht solches eben nicht.

Keren ist nicht nur beliebt für die kurvenreiche Strecke dorthin, sondern auch für seine Märkte und ... Friedhöfe. Wo sich Eriteer mit Briten und   Italienern dereinst Schlachten lieferten und später der Unabhängigkeitskrieg mit Äthiopien tobte, gibt es eben auch viel zu beerdigen. 

Dennoch konzentriere ich mich auf die Märkte. Da der LKW hier weder das Kamel noch den Eselskarren ersetzt hat, findet jeden Montag der Wochenmarkt statt. 

Der Andrang hält sich in Grenzen, es sei wohl Fastenzeit. Wobei ich nicht dachte, dass hier jemand ein Kamel erwirbt, um sich dann jeden Tag eine Scheibe abzuschneiden. Auch findet das Feilschen quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Kein lautes Diskutieren über den Preis und auch keine dicken Geldbündel, die den Besitzer wechseln. Da der höchste Geldschein gerade mal 6 Euro wert ist, hatte ich mir beim Kamelhandel in der Preisklasse über 1000 Euro schon mehr Action erwartet. Denn wie auf jedem Tiermarkt geht hier nichts ohne Cash und meine Frage, ob das Kamel auch gegen Kreditkarte zu erwerben ist, wird wahlweise mit einem Achselzucken, dem Zeigen eines größeren Vogels oder lauten Lachen quittiert.

Da ich auch nicht ansatzweise die Barmittel dabei hatte um auch nur eine schlachtreife Ziege zu kaufen, lasse ich das Handeln. Im Vergleich zu Karakol in Kirgistan oder Kashgar bei den Uiguren fehlt hier schlichtweg auch das Flair - sowohl zum Handeln als auch das Rahmenprogramm am Grill und in der Suppenküche.

Eines jedoch habe ich bis dato noch nicht gesehen. Die Tiere müssen vor Ort Performance zeigen. Kühe müssen auf einem „Testgelände" den archaischen Pflug ziehen und die Dromedare sich vor den kritischen Augen des Auditoriums „zusammenfalten" und dann wieder aufstehen. Nicht das da ein Scharnier im Gelenk klemmt. Und natürlich werden auch Zähne und Hufe geprüft, bevor der Vierbeiner den Besitzer wechselt. 

Die anderen  Märkte sind bunt, chaotisch, aber gerade deshalb besonders interessant. Marktfrauen in grellbunten Umhängen sitzen vor leuchtend roten Tomaten, Salat und Obst. Ähnlich urwüchsig ist es auf dem Holzmarkt in der Altstadt- Kamele und Esel müssen immer weiter gehen, um Brennholz zu transportieren. Es gibt eigentlich alles, besonders seit die Äthiopier die Grenze geöffnet haben. Früher gab’s hier nichts dergleichen und wenn, dann erheblich teurer- ein weiteres Argument für den freien Handel, von den auch Länder wie Eritrea profitieren können. 

Vor der Abfahrt gehe ich noch mal eine Runde um den Block. Kirchen, die Unabhängigkeitsflamme und Wandmalereien aus der Revolutionszeit, wo der Feind gleich am Galgen entsorgt wurde, sind hier zu sehen. Und die, die es überlebt haben, stehen sich heutzutage die Füße vor der Bank Platt, denn von Serviceschaltern haben die hiesigen Institute anscheinend noch nichts gehört. Schon früh am Morgen bildet sich eine fast unüberschaubare Menschenmenge davor. Der Eingang ist, wie bei allen Banken und sogar den Wechselstuben des Landes, vom Militär bewacht, ein Stacheldrahtzaun führt vom Eingang zu einem Wachhäuschen. Wer es bis hierher geschafft hat, ist nahe am Ziel. Bei der Geschwindigkeit der Kundenabfertigung dürfte höchstens jeder zehnte eine Chance haben, seine Geschäfte zu erledigen.

P.S.: Ich sitze wieder mal in meiner Stammkneipe zum Fußball gucken. Champions League beginnt hier um 23 Uhr Ortszeit. Am rechten Screen der Juventus Block, für den linken Screen interessiert sich keiner. Schalke? Weiß hier auch keiner, wo das liegt. Doch der Clou: in der Halbzeit fragt mich jemand, ob ich ihm meine Apps vom Handy überspielen könne. Rüberspielen im nach Nordkorea schlechtesten W-LAN der Welt. Da geht doch eher mein Kamel von heute  morgen durch ein eritreisches Breitbandkabel.

Samstag / Sonntag, 8. / 9. März - Asmara

Anreise

Es ist ur eine

P.S.: