Sonntag, 10. März - Asmara

Recycling

Was hat die Hauptstadt einer Diktatur zu bieten? Einige der besten Kaffeehäuser der Welt und eine Bar in jeder Straße. Es ist Samstag Abend und was liegt da näher als ein Kneipenbummel. 

Station Nummer eins ein größerer Saal, in dem an zwei Screens ManCity und der FC Barcelona übertragen werden. Der Saal ist voll mit Jugendlichen, ausnahmslos männlich. Da sind die drei weiblichen Bedienungen fast gar nicht aufgefallen. Allerdings sind sie die wichtigsten Personen im Raum, denn sie sorgen für den Nachschub an eiskaltem Asmara-Bier. 
Die Jungs hier sprechen gutes Englisch, outen sich aber vorwiegend als City-Fans. Was mich jetzt angesichts der Tabellenführung vor Liverpool weniger erfreut. Man kommt so ins Gespräch und erfährt, dass die Italiener als ehemalige Kolonialmacht ganz gut gelitten sind. Hätten viel für die Infrastruktur getan und würden im Gegensatz zu den Männern hierzulande ihre (eritreischen) Frauen wie rohe Eier behandeln. 
Angesichts der Diktatur mit Zehntausenden von Flüchtlingen jedes Jahr hat man sich hier arrangiert und hofft auf wirtschaftliches Wachstum und politische Freiheit. Wobei letzteres eher Wunschdenken ist. Auch in den anderen Kaschemmen, die ich noch aufsuche, dominieren die englisch sprachigen, männlichen Boygroups. Wo denn die Ladies sind, frage ich und bekomme zur Antwort: zu Hause, wie es sich gehört. Ordnung muss eben sein. Auch wenn das hier alles Christen sind. In den Kneipen jedenfalls. Und mit dem Kontakte knüpfen ist es hier auch nicht sonderlich schwer. Online ist hier mangels Netz keiner, also wird gequatscht wie früher. 
 
Überhaupt ist Asmara bzw. Eritrea insgesamt  ein buntes Völkergemisch an der Nahtstelle zwischen Arabien und Afrika. Das sieht man auch an den religiösen Gebäuden. Mit etwas Geschick kann ich den Turm der eritreisch-orthodoxen Kirche auf einem Foto zwischen dem Minarett der Hauptmoschee und dem Turm der katholischen Kathedrale verewigen. Eine Synagoge gibt’s übrigens auch, allerdings keinen einzigen Juden mehr in der Stadt. 
 
Ich gehe zu den orthodoxen. Seit Mitternacht wird hier monoton gebetet, als ich morgens um 7 Uhr dort ankomme. Alle in weiß gehüllt, separater Eingang für Mann und Frau und Schuhe aus. Irgendwie haben sich das die orthodoxen hier beim Islam angeschaut.
 
Zwei Dinge gibt es noch zu erwähnen. Die tollen Märkte und die Zugfahrt. Letzteres aber erst im morgigen Blog.
 
Zunächst die  begeisternden Märkte Asmaras. Der Besuch auf dem Recycling- und dem Chili- Markt gehören zum Pflichtprogramm. Unglaublich, was auf dem Recycling-Markt aus Abfällen und unbearbeiteten Stücken Metall, Kunststoff oder Holz alles gefertigt werden kann. Es wird gehämmert, geschweißt, gewerkelt und gepinselt. Aus Metallfässern, Dosen und allem, was bei uns als Müll erster Klasse gilt werden Kochplatten, Möbel, Betten, Schubkarren und Behälter jeglicher Art gezaubert. Faszinierend und bedrückend zugleich. Denn unter welchen Bedingungen hier gearbeitet wird, würde jedes Gewerbeaufsichtsamt in Schockstarre zu versetzen. Nebenan eine ganze Reihe von Chili- und Paprikamühlen, die mit ihrem rötlichen und orangenen Staub die Nasen zum Niesen bringen. Aber Hatschi.

P.S.: Ich komme durch ein Dorf namens Embradoro. Heißt so etwa wie zum Heil des Huhnes. Und was steht oben auf der Speisekarte. Genau. Huhn. Na denn Kikeriki Heil!