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Weiberfasching - WZ vom 24.02.2009
Wie der Dorfkater den Coup vom Lektor Juing zunichte machte
Bei der Weiberfastnacht des Frauenstammtisches wurden wieder so manches Geheimnis gelüftet und knackige Männerwaden gesichtet
Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Tolle Kostüme und eine gelungene Mischung aus Show, Musik, fetzigen Tänzen und deftigen Büttenreden standen im Mittelpunkt der Weiberfastnacht, die der Frauenstammtisch zum vierten Mal auf die Beine gestellt hatte. Und so war das Narrenschiff auch fest in Weiberhand, um kraftvoll in die heiße Phase der fünften Jahreszeit zu starten. Im Saal wimmelte es von feierlustigen Putzfrauen, trinkfreudigen Gärtnerinnen und flotten Bienchen, aber auch einige Herren hatten sich mit Perücken, Kittelschürzen und Kostümen unter das Publikum gemischt. Lakei Rainer Treusch sah sich blitzartig in der Verteilerrolle von Faschingsorden und hochprozentiger Wegzehrung. "Ein erschöpfendes Amt", bemerkte Sitzungspräsidentin Ruth Schütz, die pointensicher die Sitzung moderierte und dem närrischen Auditorium zunächst den karnevalistische Schwur abnahm. Königliches Feiern und eine ausgelassene Fröhlichkeit gelobten diese, was angesichts der Partystimmung von „DJ Jenny“ keiner weiteren Überzeugungskraft bedurfte.
Den Reigen der Wortakrobaten eröffnete Dennis Treusch. Cool berichtete er von seiner Selbsthilfegruppe, zu der sich auch Größen wir Franz Beckenbauer und Marcel Reich-Ranicki gesellten. In gekonnter Imitation sorgten die Herren für allerlei Lacher, zumal Reich-Ranicki erneut betonte: "Ich nehme diesen Preis nicht an!“ Als Pizzabäcker Alfredo wunderte sich Gabi Ess über die Warteschlangen am Himmelstor. Da waren die Herren, die zu Hause nichts zu melden hatten genauso in der langen Schlange zu finden wie der mit einem Ferrari belohnte treue Ehemann. Pech für Alfredo, dass die eigene Frau mit einem klapprigen Fahrrad gesichtet wurde, was doch auf so manchen Seitensprung schließen ließ.
Mit der Bruchenbrücker Ranzengarde kam Power auf die Bühne. Im properen Kostüm und adretten Blaumann wirbelten die Herren ihre Bräute rockig über das Parkett. Dass dabei auch die Reize der Ballerinas demonstrativ zur Schau getragen wurden, quittierte das Publikum mit lautem Gejohle. Im Cafe "Schloggebach" hieß es Stadt-Schickse trifft Dorftrampel. Denn die beiden "Zuckerpuppen aus der Bauchtanztruppe" Gabi Köhler und Britta Schnell waren sich so gar nicht ähnlich. Gummistiefel, Kittelschürze und ein Schminkpott inklusive Kleisterpinsel fürs Make Up gehörten zum rustikalen Inventar, während edle Ledertreter, das kleine Schwarze und Puderdöschen als kontrastreiches Outfit gepaart mit allerlei Gestik und Mimik für Lacher sorgte.
Wie immer mit dabei waren Barbara Rack und Monika Weitz, diesmal verstärkt von Lars Kempf. Als Radiokommentatoren berichteten sie von einem Fußballspiel, der Säuglingspflege und aus der Landfunkredaktion von rammelnden Stallkaninchen. Pech nur, dass die Empfangswellen sich verhedderten und so ein bunter Wortsalat entstand, wo der Torwart von der Hebamme trocken gelegt wird und diese wiederum mit den Kaninchen im Stall liegt, welche dann postwendend durch die Beine des Torwarts sausen. Als Desousseuse war Thessa Nebel die Anlaufstelle Nr. 1 für die schärfsten Teile des Abends. Ob Mieder oder Korsett, aus Ihrem Wunderkoffer zauberte sie von der Unterhose des Schäfers Heinrich bis zum sparsam mit Stoff ausgestatteten Modell Mon Amour allerlei schicke Sachen hervor. Lediglich beim Kleid der Liebe ihres Angetauten sah sie noch etwas Bügelbedarf.
Die Aufführung des Frauenstammtisches ist immer Wieder ein Höhepunkt ins Sachen Tanz und Kreativität. Heuer massierten sie als Gärtnerinnen im knackigen Rot-Orange stimmungsvoll die Lachmuskeln. Mit dem Ohrwurm "Hörst Du die Regenwürmer husten" entführten sie das Publikum in ihren Garten und tatsächlich: Aus den kleinsten Winkeln und der Biotonne kamen die Tierchen hervorgekrabbelt und wurden mit begeistertem Applaus empfangen. Als dann die Damen einzeln vorgestellt wurden, hatte Ersatzlakai Holger Hachenburger nicht nur alle Hände voll mit Orden zu tun, sondern durfte auch reichlich Küsschen verteilen.
Als schwatzgewaltige Putzfrau tratschte Hachenburger darauf über so manche Neuigkeiten und lüftete etliche süffisante Geheimnisse: Warum des Alfreds Schweine über Nacht verschwanden und wo die Schäfchen vom Schäfer Heinrich-Dieter geblieben waren. Warum der Kall einer Stripperin 50 Euro und sein Kumpan Kalle der gleichen 100 Euro ins Höschen steckte wurde ebenso verraten wie das Geheimnis von Pfarrer und seinem Lektor Juing, deren Coup mit der Taube als Heiligem Geist ein gefräßiger Dorfkater zunichte machte. Als dann noch die TSV-Vorsitzende zwecks Portrait für die Lokalzeitung mit missverständlichen Lauten ihr Verspäten entschuldigte, kannte das Publikum kein Halten mehr.
Eine geballte Ladung musikalischen Pfeffer hatten Marc Oliver Schütz, Lars Kempf, Patrick Ess und Maximilian Mück im Hintern. Denn zum Schluss gab es Erotik pur. Die Herren zeigten nicht nur rhythmisches Talent und stramme Waden, sondern ließen am Ende auch fast alle Hüllen fallen. Die Damenwelt tobte und wollte die Jungs kaum wider nach Hause lassen.




Bildtext:
1. Thessa Nebel hatte als Dessousseuse „heisse“ Sachen im Koffer wie hier das Model Holiday
2. Als Gärtnerinnen verkleidet hörte der Frauenstammtisch die Regenwürmer husten
3. Wellensalat: Monika Weitz, Barbara Rack und Lars Kempf mixten als Radiokommentatoren so manches Durcheinander
Fotos: Holger Hachenburger