Weiberfasching  - WZ vom 15.02.2010

Närrische Weiber machen Schloggebach zur Baby-Hochburg

 

Bei der Fastnachtssitzung des Frauenstammtisches ließen sich auch die Männer nicht klein kriegen - Knackige Männerwaden und mollige Tanzmariechen

 

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Um den Nachwuchs muss man sich in Dorn-Assenheim wohl keine Gedanken mehr machen. Mit Babyoutfit, Rassel und Plüschtier stürmten die schnuckeligen Wonneproppen vom Frauenstammtisch die Bühne im Sportlerheim und machten den Altweiberfasching zu einer Wickelstube der guten Laune. Fetzige Kostüme und eine gelungene Mischung aus Musik, Tanz und deftigen Büttenreden sorgten für Stimmung bis nach Mitternacht. Zum fünften Mal hatten die Stammtischfrauen eine Sitzung auf die Beine gestellt. Doch wer dachte, das Narrenschiff sei fest in Weiberhand, um kraftvoll in die heiße Phase der fünften Jahreszeit zu steuern, der sah sich schnell eines Besseren belehrt. Denn auf der Bühne tummelten sich gleich reihenweise knackige Männerwaden. Mehrfach bestimmten auch die Narren im Saal das Tempo und machten musikalische Einzeiler im Vortrag gleich zum mehrstrophigen Gassenhauer.

 

Lakai Rainer Appel sah sich blitzartig in der Verteilerrolle von Faschingsorden und Hochprozentigem, aber auch reichlich Küsschen waren gefragt. "Ein erschöpfendes Amt", bemerkte Obernärrin Ruth Schütz. „Wenn einer auf dem Fasching ist, und vor zwölf sein Bett vermisst, bei dem stimmt was nicht“ moderierte sie pointensicher die Sitzung und nahm dem närrischen Auditorium den karnevalistischen Schwur ab, königlich zu Feiern.

 

Den Reigen der Wortakrobaten eröffnete Edmund Herbert. „Beim Skifahren ist nichts gesünder, als Einkerhschwung und Apres Ski“ lautete die Quintessenz seines Winterurlaubs in Tirol. Nachdem ihm schon Nachbar „Ruppe Alfons“ ein „Ski Heil, gut Holz, und Knochenbruch mit auf den Weg gegeben hatte und er die Piste lieber aus der Seilbahnperspektive beobachtete: Ohne Blessuren sollte das Abenteuer nicht enden. Nicht ganz so weit hatte es Sandra Heinzmann. Mit ihren nagelneuen roten Smart als Kontrast zu ihrer „20-Jahre-alte-Pfirsich“-Haut erzählte sie als Lisbeth aus „Weggesem“ süffisant  von ihrem geplanten Trip nach Frankfurt, der bereits hinter Assenheim endete.

 

„What shall we do with the drunken sailor – was machen wir mit dem sternhagelblauen Seemann“ fragte sich nun die Bruchenbrücker Ranzengarde. Ganz einfach, sie ließen ihn im knappen Outfit mit freiem blick auf die Ranzen auf der Bühne wirbeln. Eine gelenkige Akrobatik, die in einer Pyramide endete und unter dem Gejohle des Publikums um eine Zugabe nicht herumkam. In Sachen Tanz und Kreativität ist der Frauenstammtisch stets Experte und Stimmungsgarant. Das Publikum konnte sich an den schnuckeligen Outfit gar nicht satt sehen und beordetre lautstark die bereits ausmarschierenden Babys zurück auf die Bühne.

 

Grazil kam Alexander Becker als Funkenmariechen daher, um in einem sprichwörtlich atemberaubenden Kostüm einen Gardetanz aufs Parkett zu legen. Am Ende lag dem pfundigen Mariechen die ganze Damenwelt genauso zu Füßen wie den beiden Blaulichtern. Die schafften es spielend, mit Kultsongs und Ballermannhits das Stimmungsbarometer zum steigen und auch die Stammtischbabys zum Tanzen zu bringen. Ob bei der Ode an die Hausbrauerei oder dem Lobgesang auf Handkäs mit Musik, Michael Offermann und Frank Tropschuh hatten den Saal im Griff.

 

Als schärfste Weiber von Schloggebach entpuppten sich Gabi Ess, Sandra Heinzmann, Ruth Schütz und Barbara Rack. So habt ihr eure Damen noch nie gesehen, raunte es durch den Saal an die Adresse an die Herren hinter der Theke. Als Domina mit Leder, Peitsche und Latexmaske hauten die vier schwarzlackierten, coolen Grazien derart auf die Pauke, dass der Kiez auf St. Pauli sich wohl demnächst auf ernsthafte Konkurrenz einstellen muss.


Es gibt kein Bier auf Hawaii – drum komm ich her“ sang Holger Hachenburger. Als schwatzgewaltige Putzfrau tratschte er über so manche Neuigkeiten wie den sechswöchigen Streik im Pfarrhaus oder des Bürgermeisters neue Bademoden. Auch die TSV Ausflüge kamen nicht zu kurz: So lief Prinz Treusch dem König von Mallorca höchstpersönlich den Rang ab und  in Suhl endete eine „Thai-Kall-Romanze“ mangels verfügbarem Gebiss ohne „Öhrchen-Knabbern“.

 

Bärenstark und mit einer geballten Ladung Pfeffer im Hintern orteten sich Marc Oliver Schütz, Lars Kempf, Patrick Ess und Maximilian Mück als Eishockey-Fans. Mit  „Hey, wir wollen die Eisbär'n sehn“, heizten sie dem Publikum mit einem Schuss Erotik ein. Als fast alle Hüllen fielen, tobte die Damenwelt und wollte die tanzenden „Knuts und Flocken“ erst gar nicht mehr nach Hause lassen.

     

 

Bildtext:

 

1. Baby-Baby-Balabala: Als schnuckelige Wonneproppen machte der Frauenstammtisch die Bühne zu einer stimmungsvollen Wickelstube.

 

2. Lecker Mädchen, die die Konkurrenz auf St. Pauli nicht zu fürchten brauchen: Gabi Ess, Sandra Heinzmann, Ruth Schütz und Barbara Rack

 

3. Ließen auch den Busen blitzen: Die Blaulichter aus Bruchenbrücken trafen mit Ballermannhits beim Publikum ins Schwarze


4. Das Übliche (Der Fotograf hatte wohl schon einen im Tee)
 

Fotos: Holger Hachenburger, bis aufs letzte Bild.