TSV - Ruth Schütz Portrait - WZ vom 17.01.2009

Willensstark, temperamentvoll und eine gehörige Portion Geselligkeit


Die Vorsitzende der Fußballer ist Manager und Psychologin in einem und vor allem: Erfolgreich von der B-Liga in die Kreisoberliga

 

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Es ist ein schneebedeckter Freitagabend, in der Sport- und Festhalle treffen sich Gäste und Kleintierzüchter zu deren Schau. Als Vorsitzende repräsentiert Ruth Maria Schütz „ihren“ Verein, den Turn- und Sportverein. Nach dem offiziellen Part sagt sie Tschüss und bricht auf zur Hallenkreismeisterschaft in Echzell, um dann am späteren Abend noch zum Frauenstammtisch zu stoßen. Der lässt gerade seine Winterwanderung in gemütlicher Atmosphäre ausklingen. Für Ruth Maria Schütz oder RMS, wie ihre Freunde sie schon kultig nennen, ist dies nach dem Beruf der Wochenendalltag: Fußball kombiniert mit einer Portion Geselligkeit.

 

Seit 2001 steht Schütz den Sportlern vor, als Leiterin Spielbetrieb hält sie die Fäden in der Hand. Jetzt im Januar beginnt die Planung für die kommende Saison, Spielerverhandlungen werden geführt, Ablösesummen vereinbart, eine fußballlose Zeit gibt es nicht. Sie ist Vorsitzende, Managerin und Psychologin in einem und wenn man den Paragrafendschungel des Fußballverbandes  hinzuzählt, dann auch noch ein bisschen Hobbyjurist.

 

„Fußballbegeisterung kennt kein Geschlecht,“ kontert sie auf die Frage, ob sie als Frau in der Männerdomäne Fußball nicht ein Stück Exotik darstellt. „Das spielt hier keine Rolle und außerdem habe ich früher selbst gekickt.“ Denn das Spiel mit dem runden Leder hat die 42-jährige nie losgelassen. Kein Wunder, denn auch in der unmittelbaren Umgebung regiert König Fußball: Ihr Lebensgefährte fungiert im Spielausschuss und als Mannschaftsbetreuer, Sohn Marc-Oliver liefert wöchentlich seinen Beitrag zur Torfabrik und Junior Ben stürmt 8-jährig  in der heimischen F-Jugend.

 

Da wird der Sportplatz zur zweiten Heimat. Doch als Expertin in Sachen Fußball drängte es sie nicht in die Führungsetage: „Ich wurde mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen.“ Als willensstark und temperamentvoll beschreibt Armin Winkler seine Nachfolgerin. „Sie engagierte sich schon, als sie noch gar kein Mitglied war und war genau die Richtige, die sich auch was traut.“

 

Mit dem Bau des Vereinsheims 1995 war für ein solides Fundament gesorgt.  Nur sportlich hatte der Verein das Image einer "grauen Maus" – die Kicker fristeten ihren Alltag bis auf ein Intermezzo in einer Spielgemeinschaft seit Gedenken in der B-Liga. Das galt es zu verändern. Schütz pflegte den guten Draht zu den Spielern und baut auf eine junge und kompakte Mannschaft.

 

„Die Jungs haben sich mit Leidenschaft reingehängt und standen 2005 vor dem letzten Spieltag auf dem 2. Tabellenplatz.“ Und Optimismus ist ihre Stärke. „Ich habe einfach 50 Trikots mit der Aufschrift A-Liga Meister besorgt und als nach 90 Minuten die Meisterschaft perfekt war, kannte das ganze Dorf kein halten mehr. Das war das absolute Highlight und die Fans waren in einem Meer von blau und weiß so euphorisch wie nie. Selbst auf den Türmen der RWZ-Getreidesilos flatterten die Vereinsfarben“, schwärmt sie noch heute. .

 

Ein glückliches Händchen und ein Schuss Risiko machten den Erfolg aus. Mit Stefan Schneider kam ein blutjunger und erfolgsorientierter Spielertrainer, das Abenteuer A-Liga konnte beginnen--  und wurde zum Selbstläufer. Kritische Stimmen und Warnung vor Übermut waren die Folge, doch Schütz fand die richtige Tonlage:  „Was eine Mannschaft sich erarbeitet, soll man unterstützen.“ Binnen dreizehn Monaten gelang so der Durchmarsch in die damalige Bezirksliga.

 

Der Kontakt zu den Spielern ist das A und O, denn neben professionellem Handeln bildet das familiäre im Verein eine wichtige Stütze. „Spielt jemand aus persönlichen Gründen schlecht,  versucht man nach Möglichkeit zu helfen. Wenn die Jungs Selbstbewusstsein haben, dann ist das die halbe Miete.“ Die andere Hälfte ist im Sportlerheim zu finden Mit Adolf Deinlein unterstützte sie dort ein Vereinswirt, der der Mannschaft auch ein atmosphärisches Zuhause gab.

 

Diesen Teamgeist zu erhalten, darin sieht Schütz eine Herausforderung. Sie achtet darauf, dass neue  Spieler in die Mannschaft passen, spielerisch und menschlich. Spielen, duschen und danach verschwinden, das ist nicht ihr Verständnis.  Die gleiche Philosophie verfolgt sie mit dem Nachwuchs. Es kommen leider zu wenig Jugendliche nach, kleine Vereine merken das extrem. Weshalb sie mit dem Trommeln auch gar nicht früh genug anfängt: Man muss die Eltern auf seiner Seite haben, einbinden und ein ansprechendes Rahmenangebot bieten.

 

Schütz übt die Offensive: In der Bezirksoberliga hält sich der Verein seit drei Jahren wacker, und das soll auch so bleiben. Natürlich ist sie wieder stolz auf das gerade erlebte 5:0 ihrer Schützlinge bei Hallenmeisterschaft. Und wie so oft drückt sie es in der für sie typischen bayerischen Lebensart aus: „I freu mi.“




Bildtext: TSV-Vorsitzende Ruth Maria Schütz vor einem Foto der Mannschaft nach der B-Liga Meisterschaft 2005: Diese Euphorie damals war einmalig, das wird auch in der Kreisoberliga nicht getoppt. Foto: Holger Hachenburger