Edgar Schäfer  - WZ vom 17.07.2007



 
Was für Dich ein Lottogewinn ist, ist für mich die Natur

 

Ein Spaziergang mit Edgar Schäfer um den Bergwerksee zwischen Dorn-Assenheim und Weckesheim – Seit zehn Jahren der Teichwart des Areals

 

Reichelsheim - Dorn-Assenheim (hh.) „Ich mache das alles ehrenamtlich, aber dass braucht man nicht so groß herauszustellen“, gibt sich Edgar Schäfer bescheiden. Schon um 5 Uhr morgens war der Dorn-Assenheimer am Bergwerkssee, wo vor 20 Jahren noch ein Braunkohlentagebau in großem Stil angesiedelt war. Heute sind der See und seine umgebenden Wiesen und Hänge ein wunderbares Biotop, in dem sich rastende und brütende Vogel- und andere Tierarten ein Stelldichein geben. Edgar Schäfer hat nicht nur ein Herz für Flora und Fauna, er ist Naturschützer und Idealist in einem. Seit zehn Jahren ist er der Teichwart des Areals, 1999 hat ihn die Stadt Reichelsheim offiziell mit den damit verbundenen Befugnissen ausgestattet.

 

„Ich bin für die Natur und als Bub in der Landwirtschaft groß geworden. Da weiß man bescheid“, erklärt er seine Begeisterung und unermüdlichen Tatendrang. Schäfer hält die Bänke in Schuss, säubert Wege, schneidet Sträucher und Gebüsch, kümmert sich um die Vogelbrut und setzt auch schon mal einen Baum. Rund 7 Stunden kommen da jede Woche zusammen, im Sommer mehr, im Winter ist es ruhiger. Schäfer zeigt auf eine Bank. „Mit streichen ist das nicht getan. Da wird erst die Wurzelbürste ausgepackt, denn so eine Grundreinigung dauert schon mal einen halben Tag“. Nächste Woche will er den Bereich mähen. Warum er das macht ? Damit sich die Leute wohlfühlen und die Natur genießen“. Ihn freut der schöne Anblick und der Wunsch den Spaziergängern  ein Stück einzigartiger Beobachtungen zu bieten.

 

Bei der Tierwelt gerät Schäfer ins Schwärmen. Vor ihm segelt ein Schwanenpaar, denn neben seltenen Amphibienarten sind es vor allem die Vögel, die das Gebiet so schützenswert machen: Etwa 200 Paare brüten hier jährlich. Darunter finden sich Stockenten, Graugänse, Rotmilan, Haubentaucher oder die Kornweihe. Mit etwas Glück sieht man auch einen Wanderfalken oder Mäusebussard. Viele Wasservögel nutzen das Gebiet zum Rasten und Mausern. Schäfer sichtet in den Herbstmonaten schon mal bis zu 600 Stockenten oder 400 Graugänse.  Hier darf auch der Kormoran in Ruhe fischen, der im Gleitflug bis zu 50 Meter tief in den See eintaucht, um Beute zu machen.

 

Feldhasen, die auf den umliegenden Äckern nur wenig Lebensraum finden, ziehen ihre Jungen im Biotopbereich auf. In den Wintermonaten sammelt sich das Rehwild, Fasane hat Schäfer einst selbst ausgesetzt. Beeindruckend sind  die riesigen "Wolken" von Staren, die immer wechselnde Figuren in den Abendhimmel zeichnen, bevor sie sich lautstark zum Schlafen im Röhricht niederlassen.

 

Der idyllische Anblick muss allerdings ergänzt werden um herumliegenden Müll. Schäfer ärgert sich, denn er ist seine eigene Putzkolonne. "Es ist manchmal wirklich eklig", berichtet er über zerbrochene Flaschen, ganze Müllsäcke oder Ölkanister, die "Fundstücke" sind äußerst vielseitig. Ganze Hänger von Müll werden ausgeladen, sogar ein Autowrack wurde schon aus dem See gefischt. "Nach dem Wochenende ist es besonders schlimm", erklärt Schäfer, „da feiern hier viele." Er findet es schade, dass die Leute ihren Müll danach nicht einfach wieder mitnehmen oder wenigstens die Abfallkörbe verwenden.

 

Über Jahre hat er den Graben entlang der Strasse nach Weckesheim gesäubert, heute macht dies der Bauhof, deren Mitarbeiter er ausdrücklich lobt.  Denn er selbst hat noch genug zu tun. „Jeder fragt sich,  wieso ist hier alles so pikobello sauber ist“, die Ursache hat einen Namen: Edgar Schäfer. "Die Besucher sollten verantwortungsbewusster mit der Natur umgehen", meint er und freut sich über  Unterstützung aus der Bevölkerung.  

 

Der See ist mittlerweile zum Paradies für Surfer geworden, alle möglichen KFZ-Kennzeichen findet man hier. „Sie parken alles zu und lassen sich durch Verbotsschilder jeglicher Art nicht ins Grübeln bringen. Der See ist ein rechtsfreier Raum“, meint Schäfer, was fehle sei eine Satzung, welche regelt was erlaubt ist und was nicht. Nicht angeleinte Hunde stören derweil die empfindliche Tierwelt in der Brutzeit. Hier schreitet Schäfer energisch ein: „Da heißt es Augen zu und durch,“ auch wenn man beschimpft wird, aber im Laufe der Zeit brüht man da ab.“

 

Der Spaziergang endet am Ort der Winterfütterung, den Schäfer selbst eingerichtet hat. Von hier über einen Weg von  300 Metern hat er Vogelhäuschen für Meisen und Feldsperlinge aufgehängt. Neunzehn hat er selbst gekauft und säubert sie regelmäßig. „Denn wenn die Jungen ausfliegen, gehen die Meisen nicht mehr rein, bevor die Wohnung nicht gründlich renoviert ist. Edgar Schäfer könnte noch stundenlang erzählen, doch am Ende des Rundgangs bringt er sein Engagement präzise auf den Punkt: „Du musst denken, was für Dich ein Lottogewinn ist, das ist für mich die Natur“

 

 

Bildtext:  

(1) Das Wasser ist kristallklar, man kann es trinken, hinten im Gebüsch sitzen die Bussarde und im Schifgürtel brüten die Blesshühner: Edgar Schäfer kennt die Landschaft um den Bergwerksee wie seine Westentasche.

 

(2) Meisenappartement: Ein Vogelhäuschen muß regrelmäßig gesäubert werden. Denn wenn die Jungen ausfliegen gehen die Meisen nicht mehr rein, bevor die Wohnung nicht gründlich renoviert ist, weiß Edgar Schäfer.