| Pfarrgemeinde: Abschied Pfarrer Ferdinand 1 - WZ vom 22.07.2008 |
Sich dort aufhalten, wo die Leute Probleme haben
Pfarrer Dr. Ferdinand Ogbuehi verlässt die Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena am kommenden Sonntag
Reichelsheim - Dorn-Assenheim (hh.) Ob jung, ob alt, sie nennen ihn alle nur Pfarrer Ferdinand. Gemeint ist Dr. Ferdinand Ogbuehi, der nach sechseinhalb Jahren die Pfarrei St. Maria Magdalena verlässt , um am 1. August eine Pfarrstelle in Bürstadt anzutreten. "Ich wollte in Dorn-Assenheim bleiben und gehe mit einem weinenden Auge", bekennt der 46-jährige, der als ein Pfarrer, der auch herzhaft lachen kann, seinen Gemeindemitgliedern im Gedächtnis bleiben wird.
Als Ogbuehi nach Dorn-Assenheim kam, brachte er mit seinem Lebenslauf ein Stück Weltkirche in die Gemeinde. Aufgewachsen im von Religionskrisen gezeichneten Nigeria wurde er 1990 zum Priester geweiht. Fünf Jahre unterrichtete er am Priesterseminar, bevor es ihn 1995 nach Rom zog. Dort promovierte er und studierte Anthrophologie. Diese Wissenschaft führte zum Wunsch, weitere Kulturen kennen zu lernen, in Deutschland fand er seine neue Heimat.
„In der katholischen Kirche fühlt man sich überhall zu Hause“, betont Ogbuehi den universalen Gedanken, „wenn es auch in der afrikanische Liturgie etwas lebendiger zu geht“, wie er schmunzelnd einräumt. Die Pfarrgemeinde sollte schnell von seinem auf die Leute zugehenden Wesen profitieren. Im Gottesdienst war der englische Friedensgruß bald salonfähig und den persönlichen „Schönen Sonntag Wunsch" hatte man bis dahin so noch nicht vernommen. Die Mischung passte, denn der Gemeinde attestiert er ein lebendiges Naturell. „Hier machen die Leute mit. Ich bin mit offnem Herzen empfangen worden, was ich gerne erwiderte. Jesus ist ja auch nicht nur im Tempel gewesen, er hielt sich dort auf, wo die Leute waren“.
In sozialen Themen sieht er sein Engagement. „Ich habe das Elend der Kinder in Nigeria miterlebt, die nicht genug zu essen hatten, die ausgesetzt worden sind. Heute leben Waisenkinder auf den Straßen und verkaufen alles mögliche, nur um zu überleben.“ Als er das „warum ?“ herausfinden will, entsteht seine Doktorarbeit über die "Soziale Gerechtigkeit als christliches Zeugnis in Nigeria".
Um das christliche Zeugnis "was ihr für die geringsten Brüdern und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan" umzusetzen habe ich die Initiative ergriffen. Mit einer Vision vor Augen setzte Dr. Ogbuehi die Theorie in die Praxis um. In Umuagwo im Süden Nigerias wurde Ende 2007 ein Waisenhaus fertig gestellt, das 30 Kindern Obdach bieten soll . Hier besteht die Möglichkeit der Schulbildung und Ausbildung für Kinder, die anderweitig keine Chance in der Gesellschaft haben, erklärt Dr. Ogbuehi. 2001 konnte er dort mit ersten Spenden ein Grundstück erwerben. In der Pfarrgemeinde fand das Projekt schnell Freunde, ein Freundeskreis unterstützte das Projekt mit vielerlei Aktivitäten.
Gerne arbeitet Dr. Ogbuehi mit jungen Menschen zusammen. Er freut sich auf de Morgenkreis in der Katholischen Kindertagesstätte, für die Jugendlichen ist er ein beliebter Ansprechpartner. Leider ermöglichten ihm die Umstände keine langfristige Konzeption vor Ort. Bis vor wenigen Monaten gehörte der Pfarrer noch seiner Heimatdiözese in Nigeria an, wurde anfangs nur halbjährlich freigestellt. „Da musste ich immer damit rechen, das meine Zeit bald endet“, bittet Dr. Ogbuehi um Verständnis.
Vier Jahre dauerten der formelle Wechsel ins Bistum Mainz. „Wir wollen Dich hier haben,“ hieß es in Nigeria, doch der Pfarrer folgte seinem Grundprinzip: „Überall wo man ist, wird man gebraucht.“ Das sah auch die Bistumsleitung so: „Jetzt gehe in eine größere Pfarrei, da ist die Not größer“ erzählt er die Reaktion in Mainz und lacht dabei.
In einem Schreiben dankt Dr. Ogbuehi der Gemeine für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung. „Ich war hier zufrieden und bin den Leuten dankbar“, zieht er ein insgesamt positives Fazit.
Am kommenden Sonntag, 26. Juli heißt es Abschied nehmen. Um 10 Uhr findet ein Gottesdienst statt, danach kann jeder dem Pfarrer beim Grillfest im Pfarrheim persönlich "Tschüss" oder "Auf Wiedersehen“ sagen. Womöglich wird dies nur von kurzer Dauer sein, denn am 7. September wird die neue Orgel eingeweiht. „Es ist für mich ein Schlüsselerlebnis zu sehen, wie eine kleine Gemeinde so viel Engagement aufbringt, ein solches Vorhaben zu schultern, lobt Pfarrer Ferdinand und verspricht, dann wieder einen Abstecher in Dorn-Asenheim zu machen.
Was denn das Thema seiner letzten Predigt sein wird ? Pfarrer Ferdinand kommentiert gewohnt spontan und mit einem Lachen vorweg: „Kommen Sie doch einfach und lassen Sie sich überraschen ?“

Bildtext: „Es ist für mich ein Schlüsselerlebnis zu sehen, wie eine kleine Gemeinde so viel Engagement aufbringt“ lobt Pfarrer Dr. Ogbuehi seine Gemeinde und stellt sich vor die neu angeschaffte und kürzlich aufgebaute Orgel. Foto: Holger Hachenburger