Pfarrgemeinde: Interview Pfarrer Andreas Heger - WZ vom 30.10.2008


  

Gemeinden sollen gegenseitig vom grossen Potential profitieren

 

Der neue Pfarrer Andreas Heger über seine Herausforderung, aus zwei Pfarreien eine lebendige Pfarrgruppe zu formieren


Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Ab dem 1. Januar hat Andreas Heger ein großes Feld zu bestellen. Dann ist er Leiter der Pfarrgruppe Wickstadt-Dorn-Assenheim mit zwölf Gemeinden und drei katholischen Kirchen in Assenheim, Dorn-Assenheim und Florstadt. Bereits im August hat er die Pfarrei St. Maria Magdalena übernommen und wurde jetzt offiziell in sein Amt eingeführt (wir berichteten). Für Heger wie die beiden Pfarrgemeinden ist diese Struktur Neuland, denn bisher sind gemeinsame Aktivitäten rar. Eine interessante Herausforderung, wie er bekennt, die er aber als Chance für eine lebendige Gemeinde begreift. Im Gespräch mit der WZ äußert sich Heger zu seiner Herkunft und seinen Zielen.

 

Beim Blick ins Büro regiert das technische Know How. Notebook, Laptop, Handy, externe Festplatte gehören heute genauso zum Pfarrinventar wie die Bibel daneben. Heger bereitet seine Einführungspredigt vor, die er eine Art kleine Regierungserklärung nennt. Gottesdienstbesucher loben schon jetzt seine verständlichen und strukturierten Worte. „Ich bin gern hier hergekommen, meine Berufung liegt in der Landpastoral. Hier sind die Netzwerke enger gestrickt, man ist als Priester mehr eingebunden.“ Begriffe wie Natur, Schöpfung und ländliche Kultur besitzen für ihn einen großen Stellenwert. Dass ich nach dem Abitur Maschinenbau studierte, kann heute nur von Vorteil sein, als Vorsitzender des Verwaltungsrates sind Baumaßnahmen auf der Agenda keine Seltenheit.

 

Heger wechselte 1985 zur Theologie. „Ich wollte einfach beruflich das tun, was mir am meisten Spaß macht: In der Kirche etwas zu bewegen und gemeinsam mit anderen das Christsein auszuprobieren.“ Vor 14 Jahren feierte er seine Primiz, war Pfarrer in Laubenheim, fand aber schnell den Kontakt zur Katholischen Landjugend, derer Bundesseelsorger er zuletzt drei Jahre gewesen war.  „Ich habe die Lust bekommen, den Glauben neu zu entdecken und die Botschaft des Jesus von Nazaret, der ja auch einmal Land-Jugendlicher war, auf mein Leben anzuwenden“, sagt Heger. Nach der theoretischen Verbandsarbeit will er sich jetzt wieder in der Praxis beweisen.

 

Zeit zum Schnuppern oder für sein Hobby, das Wandern, blieb ihm bisher wenig, die neue Pfarrstruktur erfordert Entscheidungen. Heger setzt auf den Dialog und bindet die Gemeinde ein. In den ersten Wochen wurden verschiedene Gottesdienstmodelle getestet, die Rückmeldungen müssen nun ausgewertet und Alternativangebote in den Filialen diskutiert werden. Bis Ende November soll das Gesamtkonzept stehen: „Die Menschen wollen angesichts täglich geforderter Mobilität und Flexibilität in Punkto Gottesdienst eine feste zeitliche und räumliche Orientierung haben. Und: Am Sonntag sollte jede Pfarrei ihren eigenen Gottesdienst feiern können.

 

Heger versteht sich als Seelsorger, weniger als Manager einer Organisationseinheit. Die Dorn-Assenheimer Kirche betrachte er als großen Schatz, in seinem Primizspruch sieht er vieles gebündelt, was getan werden muss: Alles in Christus vereinen. „Ich hätte nicht gedacht, dass diese Aussage wieder eine solche Aktualität besitzen wird“. Nun will er ein übergreifendes Wir-Gefühl in der Pfarrgruppe schaffen, die sich über das katholisch sein definiert. Wenn sich zwei Firmen zusammenschließen, arbeiten ja auch die Manager zusammen und nicht die Kunden, unterstreicht er die Wichtigkeit, den beiden Gemeinden ihre Identität zu belassen.: Wir sollten gegenseitig von unserem Potential profitieren, aber dort ansetzen, wo sich die Leute treffen, nämlich in der jeweiligen Gemeinde.

 

Heger sucht das generationenübergreifende Gespräch, Familiengottesdienste will er etablieren, mit den Jugendlichen etwas unternehmen. „Wann“ so fragt er, „fand die letzte Freizeit der Ministranten statt?“ und fügt hinzu, als Christ auch gesellschaftlich aktiv zu sein zu wollen „Wir feierten kürzlich Erntedank, aber was tun wir, damit wir dies auch noch in 100 Jahren feiern können?“ Kontakte hat er schnell gefunden, „Hier können die Leute noch feiern, hier herrscht ein tolles Gemeinschaftsgefühl.“. Auch mit Pfarrerin Müller hat er sich schon zum ökumenischen Pizzaessen getroffen, bekennt aber im gleichen Atemzug: all die evangelischen Pfarrer noch gar nicht gezählt zu haben, mit denen er zu tun haben wird.

 

Die Entscheidung über den künftigen Wohnort hat Heger noch nicht getroffen: Die Pfarrhäuser in Dorn-Assenheim und Florstadt werden als Dienstwohnungen vorbereitet, eine davon für einen Gemeindereferenten. In welche der Pfarrer zieht, wird im Frühjahr entschieden, heute antwortet Heger salomonisch: Ich versuche, unabhängig vom Dienstsitz zu arbeiten, denn für die Gemeinde soll es kein Unterschied sein: „Der Pfarrer kommt, entweder die Treppe runter oder mit dem Auto vorbei.“

 



   

Bildtext:  Der Laptop wird mein ständiger Begleiter sein: Andreas Heger, neuer Pfarrer von St. Maria Magdalena hat sich zum Fototermin seinen Arbeitsplatz ausgewählt.

Foto: Holger Hachenburger