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MV Harmonie - WZ vom 1. Juni 2013

 

 

Musterbeispiel für einen intakten Verein

Musikverein beginnt Jubiläumsfeiern am kommenden Samstag – Kontinuierlich erfolgreiche Jugendarbeit

„Musterbeispiel für einen intakten Verein“, „musikalischer Anziehungspunkt auf der kulturellen Landkarte“ - Bürgermeister Bertin Bischofsberger und Horst Sassik, der Präsident des hessischen Musikverbands geizen nicht mit Lob für das Jubiläumskind. Am kommenden Samstag feiert der Musikverein Harmonie seinen 125. Geburtstag. Hinter dem Erfolg steht beispielhaft der Vorsitzende Helmut Weitz. Seit 1968 gehört er dem Vorstand der Harmonie an, seit 41 Jahren lenkt er die Geschicke des Vereins. Im Interview spricht er darüber, wie Blasmusik heute begeistern kann und sein besonderes Steckenpferd, die Jugendarbeit. 

Herr Weitz, seit über 40 Jahren sind Sie der Vorsitzende der Harmonie. Was macht Ihnen an dieser Arbeit Spaß?

Ich bin jede Woche mit Menschen jeden Alters zusammen und mache mit ihnen Musik. Das beginnt bei sechsjährigen Kindern und geht bis zu unserem ältesten Musiker mit zweiundachtzig. An verantwortlicher Stelle möchte ich Musiker animieren, verschiedenartige Feste und Feiern mit ihrer Musik zu gestalten. Und ich kann mit anderen dazu beitragen, den Menschen Freude zu bringen und dass unser Dorf lebenswert bleibt.

Wenn Sie auf Ihre Arbeit zurückblicken, was hat sich in vier Jahrzehnten Blasmusik verändert?

Die Erwartungen der Zuhörer sind heute deutlich höher als noch vor 40 Jahren. Das gilt nicht nur für die Musik, sondern auch für die Ausbildung. Die Probenarbeit in Stammorchester und Jugendbereich ist wesentlich intensiver. Und das müssen die Musiker vermehrt mit Beruf, Studium und Schule in Einklang bringen.

Im Rückblick: Was waren für Sie nicht ganz alltägliche Musikereignisse?

Mein allererster Auftritt mit dem ersten Jugendorchester der „Harmonie“ 1964 auf dem Musikfest in Echzell. Das einzige Stück was wir konnten, war der Walzer „Man schwebt dahin“. Den haben wir dort mindestens drei Mal gespielt. Der Beifall hätte uns fast von der Bühne gefegt. Die Auftritte mit dem Jugendorchester bis 2003 waren immer Höhepunkte. Wenn man erlebt, mit welcher Konzentration und welcher Freude junge Menschen Musik machen, dann entschädigt das für alle Mühen. Schließlich das Bundesmusikfest 2007 in Würzburg mit über 18.000 Musikern, und wir waren mit einem Konzert auf dem Dominikanerplatz dabei.

Wie muss die Blasmusik heute sein? Was erwarten die Zuhörer?

Musik, die Emotionen weckt wie zum Beispiel  ein irisches Stepptanzstück oder selbst eine böhmische Polka und ein bisschen Show. Es muss eine Verbindung zwischen Zuhörer und Kapelle entstehen.

Wo setzt die Harmonie ihre Schwerpunkte?

Ganz klar in der Heranführung junger Musiker an das Stammorchester. Und zwar so, dass sich Spaß und Anforderungen die Waage halten und die Musikanfänger Erfolgserlebnisse durch Auftritte bekommen. 

Einmal provokant gefragt: Was wollen die Fans der Harmonie hören? Dicke Backe Musik oder konzertante Stücke?

Die älteren Jahrgänge eher traditionelle und böhmische Blasmusik, die Jüngeren Evergreens, Musicals, Zeitgenössisches. Dies gilt für unser Jahreskonzert wie für Kurkonzerte oder Unterhaltungsmusik in der Umgebung. Auch treten wir bei größeren Veranstaltungen wie Hessentag oder Gartenschau auf.

Wie gelang es ihnen, junge Menschen für Blasmusik zu begeistern?

Wir setzen auf unser bewährtes dreistufiges Ausbildungskonzept, beginnend mit musikalischer Früherziehung im Vorschulalter, dann Blockflötenunterreicht und ab ca. 9 Jahren die Instrumentalausbildung. Dabei geht der junge Musiker mit dem Ausbilder einen langen Weg über zwei bis drei Jahre. Wir versuchen, durch frühzeitige Vorspielmöglichkeiten und erlebte Gemeinschaft mit anderen jungen Musikern die Begeisterung zu erhalten.

Wie will die Harmonie die Nachwuchsausbildung weiter stärken?

Durch Kooperation mit umliegenden Schulen. Die Vorteile für Kinder und Eltern, Musikunterricht vor Ort und Unterstützung beim ersten Instrument, wollen wir weiter bieten.

Wie sehen Zukunftspläne der Harmonie aus?

Gleichmäßige Weiterentwicklung unseres Repertoires, Musikausbildung, die Spaß macht und von guter Qualität ist, Werbeaktionen für junge Musiker und neue Ideen für Auftritte entwickeln.

Was erwarten Sie sich vom Fest persönlich und für den Verein?

Persönlich wünsche ich mir schöne Erlebnisse und unerwartete spaßige Ereignisse. Für den Verein viele Gäste, die ihren Spaß bei den Darbietungen und der Musik haben. Die aktiven Mitglieder und Helfer sollen mit gelungenen Veranstaltungen entlohnt werden.


Die Vereinsgeschichte im Zeitraffer:

Zwölf Musiker taten sich vor 125 Jahren zusammen, ist es in der Festschrift von 1988 zu lesen. Trotz spärlicher Informationen ist bekannt, dass diese insbesondere bei Kirchweihfesten und katholischen Feiertagen auftraten. Die Verhältnisse waren heutigen Ansprüchen zufolge bescheiden, mit vier Notenblättern konnte der Unterhaltungspart bei einer Kirmes bestritten werden.

Infolge der beiden Weltkriege kam das Vereinsleben zweimal zum Erliegen, 1925 und 1947  musste die Harmonie jeweils wieder bei Null beginnen, aber es zeigte sich bereits damals: Musik begeisterte die Dorn-Assenheimer Jugend immer wieder aufs Neue. Kuriosität am Rande: 1950 feierte der Verein seinen 25. Geburtstag. Die Verantwortlichen beriefen sich auf die Neugründung 1925, mussten später aber beim Blick in die Annalen des Gesangvereins ihren Irrtum eingestehen. So fand bereits 8 Jahre nach dem 25. Geburtstag das 70-jährige Vereinsfest statt.

Dabei widmeten sich die Musiker auch künstlerischen Aktivitäten. Zahlreiche Theaterabende belegen dies ebenso wie ein starkes Engagement in der Faschingszeit. Später dominierten  Familien- und groß angelegte Grillfeste. Der Beitritt zum Volksmusikverband Rhein-Main in den 50ern machte Auftritte auch außerhalb der Wetterau möglich. Einher ging die stetige Weiterentwicklung des Repertoires und eine intensive Jugendarbeit. Bereits 1964 gelang es der Harmonie, ein Orchester mit, „zehn jungen Burschen auf die Beine zu stellen.“ Es sollte sich eine Erfolgsgeschichte entwickeln: Bis 1978 wurden 30 junge Musiker ausgebildet und verstärkten das Stammorchester. Erstmals hatte der Musikverein auch mehr als 30 aktive Musiker.

Die neuen jungen Musiker brachten  Schwung in den Verein, Musikfeste, Konzerte und Wertungsspiele bereicherten den musikalischen Alltag. Noch in guter Erinnerung sind die Feiern zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, zu dem wiederum ein Jugendorchester aufgebaut wurde. Mit neuen Melodien im Big-Band-Sound eroberte der Nachwuchs damals die Herzen des Publikums. Für die Harmonie war es „Das“ Jubiläum, Höhepunkt die Verleihung der vom Bundespräsidenten gestifteten Pro-Musica-Plakette. Seither hat sich der Verein stetig entwickelt.  In dieser Zeit lag die Zahl der Schüler jeweils bei zwanzig und mehr, zum 110-jährigen Jubiläum 1998 waren es sogar 30 Jungmusiker.

Durch die erfolgreiche zwölfjährige Tätigkeit von Norbert Faust, der 1991 den langjährigen Dirigenten Karl Michele (1954-1991) ablöste, wurde das Repertoire moderner und anspruchsvoller.  Diese Maxime gilt auch für den heutigen Dirigenten Andreas Schmidt, der seit Juni 2008 im Amt auf die Konzertentwicklung fokussiert. Der Lohn sollte nicht ausbleiben: Das Neujahrskonzert im Januar 2012 fand vor vollem Haus statt.

Die Zeiten haben sich geändert: Der Musikverein Harmonie 2013 und

die Musiker 1950.


Das Festprogramm: Rock, Comedy und Blasmusik

Nach dem Neujahrskonzert im Januar und dem Auftritt des Heeresmusikkorps 12 im April wird im Juni richtig gefeiert. Hier die einzelnen Veranstaltungen in der Sport- und Festhalle:

  • Samstag, 8. Juni, 20 Uhr: Festkommers mit Ehrungen, Fotoausstellung und Filmpräsentation der Jubiläen 1958 und 1988
  • Sonntag, 9. Juni, 10.30 Uhr: Festgottesdienst, danach Frühschoppen mit der Musikabteilung der Sportunion Nieder-Florstadt
  • Freitag, 21. Juni, 20 Uhr: Bunter Abend mit Musik, Comedy und Tanz moderiert von Karl Oertl. Dabei sind die Fleeschter Pätter, den Alphorndudler, die Viertakter mit A-Capella Klassikern, die Tanzgruppe Blue Spirit und den Musiker der Harmonie.
  • Samstag, 22. Juni, 21 Uhr: Rock- und Oldie-Nacht bei Queen, Deep Purple, Pink Floyd & Co. mit der Band Rockfour.,
  • Sonntag, 23. Juni, ab 13.30 Uhr: Großer Festzug und Festausklang bei Blasmusik der Kapelle des TV Berstadt