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MV Harmonie  WZ vom 17.01.2013

 

 

Die Zeit bei Seeräubern und in der Unterwelt genossen

 

Auftakt der Jubiläumsfeiern zum 125. Vereinsgeburtstag des Musikverein Harmonie vor vollem Haus - Jugendorchester erstmals dabei

 

Reichelsheim - Dorn-Assenheim (hh.) Wie sagt man am besten Prosit Neujahr, fragen sich die Musiker der Harmonie und ließen auf die Antwort nicht lange warten: Wir zünden ein Feuerwerk musikalischer Raketen, das nicht nur ins Ohr, sondern auch unter die Haut ging. Mit sichtbarem Spaß präsentierte Dirigent Andreas Schmidt zum Auftakt des 125. Vereinsgeburtstags einen bunten Mix aus Melodien, der sich mal in die Karibik, mal in die Unterwelt, aber immer auf rhythmisch anspruchsvollem Terrain bewegte. Viele neue Stücke zeigten, dass die Musiker konzertante Blasmusik genau so stilsicher interpretierten wie Stücke aus Filmmusik und Jazzklassiker. Kompetent schlug zudem Axel Finkeldey die Brücke zu den jeweiligen Werken.

 

Erstmals dabei war das Jugendorchester des Vereins. Unter der Leitung von Benjamin Jung gaben die dreizehn Jungen und Mädchen dem Konzert eine eigene, moderne Note. Es war ein Vergnügen, der spielerischen Leichtigkeit des Harmonie Nachwuchses zuzuhören. Ein Feuerwerk an brasilianischem Rhythmus versprach gleich der erste Titel, Soul Bossa Nova. Gut dosiert setzten dabei Schlagzeug und E-Gitarre  Akzente. Nach einem fetzigen Abba-Medley erlebten die Zuhörer Walt Disney Filmgeschichte pur, energiegeladen feurig oder sanft und melancholisch.

 

Mit Pauken und Trompeten begann die Harmonie furios. Musikliebhaber ahnten, dass es sich bei Zarathustra 2000 um eine Version des imposanten Klassikers von Richard Strauß handelte, die Zahl ließ allerdings auf Überraschungen schließen. Und so dominierten bereits kurze Zeit später moderne, rockige Elemente, wobei die Holzbläser für den richtigen rhythmischen Pfiff sorgten.  Danach tauchten die Musiker ab, und zwar zu Orpheus in die Unterwelt. Rasant hüpften dabei die Staccato-Takte beim berühmten Can-Can von Jacques Offenbach vorüber, mit Leichtigkeit und Champagnerlaune versprühend arbeiteten Flöte, Flügelhorn, Klarinette und Bariton solistisch den Charme der Operette heraus.

 

Jetzt dominierten Rumba und Cha Cha. Fernesi erklang im Stil der Orchester der 30er und 40er, forderte alle Register und zauberte mit glockentonartigen Einsätzen im hohen Blech Klänge, die man so nicht erwartete. Interessant dabei die Soli von Alana Hessel, Davina Münch und Michael Dönges. Mit einem wundervollen Trompeten-Solo glänzte nun Andreas Schmidt. Bei What a Wonderful World, bekannt als Welthit der Jazzlegende Louis Armstrong, spielten Solist und Orchester ganz nach dem Geschmack der Besucher.

 

Bei Georg Friedrich Händels Feuerwerksmusik stand musikalisch wie optisch Pulverdampf im Mittelpunkt. Für ein Blasorchester ungewohnt war die Imitation der Streichinstrumente. Problemlos interpretierten die einzelnen Register schönste orchestrale Barockklänge und entwickelten  in den beiden Sätzen ihre eigene Klangfarbe. Flott kam das La Réjouissance als fröhliche Militärmusik mit seinen Trompetensignalen herüber, virtuos als Kontrast ein Menuett.

 

Das sprichwörtliche Salz in der Suppe waren wieder die klassischen Konzertmärsche. Dem ouvertürenartigen Salve Imperator folgte der Florentiner Marsch. Beides sind Paradebeispiele für Julius Fucíks Marschkunst, die technische Finessen mit unüblicher Musikalität im Trio kombiniert. Klarinetten und Tenorhörner wussten hier mit fließenden Übergängen zu gefallen, dementsprechend viele Füße wippten im Saal mit.

 

Nun erzählte die Harmonie eine Piratengeschichte: Die Filmmusik aus Fluch der Karibik wurde in all ihren Facetten als symphonische Suite interpretiert. Jedes Register hatte seine Aufgabe, zusammen erzeugten sie eine beeindruckende Klangfülle. Dabei wurde der Kino-Klamauk teils mit dramatischer Wucht einer aufkommenden Flotte, teils mit sanfter Lyrik und geheimnisum-wobenen Klängen lebendig. Das Publikum jedenfalls genoss die Minuten bei den Seeräubern.

 

Mit der frischen Egerländer Festtagspolka und Blasmusik macht Freude erinnerten die Musiker zum Schluss nochmals an das Motto der kommenden Festtage: 125 Jahre Freude an Musik. Mit einem proppevollen Haus, toller Musik und begeisterten Zuhörer war der Abend hierzu jedenfalls ein mehr als gelungener Auftakt.

 

Fotos:

 

Mit viel Einfühlungsvermögen präsentierte die Harmonie ihre Stücke: Hier die Holz- und Blechregister in Aktion.

 

Brillante Soli waren das Salz in der Suppe:  Dirigent Andreas Schmidt interpretiert mit seiner Trompete Louis Armstrongs What a wonderful world, Antonia Finkeldey führte die Stimme bei klassischen Melodien.

 

Fotos: hh.