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Ein Hauch von Broadway auf die Bühne gezaubert
Sommerkonzert des Musikvereins Harmonie präsentiert Programm mit viel Temperament und großartigen Solisten
Reichelsheim - Dorn-Assenheim (hh.) „Wir haben ein großartiges Potenzial an individuellen Könnern und sind stolz dies heute Abend auch gezeigt zu haben,“ freute sich Dirigent Andreas Schmidt nach dem Sommerkonzert der Harmonie. Zuvor brannte diese auf der Bühne ein Solisten-Feuerwerk mit Tuba, Tenorhorn, „Löffeln“ und Posaunen ab. Unter dem Motto „Die ganze Welt der Blasmusik“ erklangen zudem gefühlvolle, bekannte und mitreißende Melodien von der klassischen Musik zur Moderne, von originaler Blasmusikliteratur bis zu fetzigen Broadway-Musicals. Keine abgehobenen Kompositionen, sondern “Sounds“, welche vom Zuhörer genossen und verstanden wurden. Humorvoll und mit großer Sachkenntnis schlug zudem Moderator Norbert Dönges die Brücken zu den jeweiligen Werken.
Nach markanten „Fanfarenklängen“ spielte sich die Harmonie mit tänzerischer Leichtigkeit durch die Welt der Wiener Walzer. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, erblühen die Strauss’schen „Rosen aus dem Süden“ üblicherweise im Streichorchester. Nunmehr waren die Klarinettenregister gefragt, die stilsicher und souverän in feinen dynamischen Abstufungen durch die Leitmotive führten. Mit „Slovanska Hudba“ kamen die Freunde von Dvorak und Smetana auf ihre Kosten. Blech und Holzregister bestimmten kontrastreich, aber wohl gestimmt die typische Mährische Taktfolge an der „Moldau“ bei „Slawischer Musik“ und dem Trompeten-dominierten „Tanz der Komödianten“.
Machen Sie es sich gemütlich und lehnen Sie sich zurück“, der „TV-Kultabend“ konnte beginnen. Ein Medley vertrauter Titelmelodien von „Schwarzwaldklinik“, ,„Herzblatt“ oder „Derrick“ mag zwar für das Publikum authentische Fernsehsesselathmospäre bedeuten, für die Musiker war es eine echte Herausforderung. Doch die Solostimmen inklusive Schlagzeug nutzen ihre weiten Interpretationsmöglichkeiten. Und das Orchester brillierte mit einer präzisen Rhythmik die ungewöhnlichen Taktfolgen wie bei „Wetten dass“ oder dem jazzigen „Aktuellen Sportstudio“ und setzte mit der Tagesschau-Fanfare einen effektvollen Schlusspunkt.
Nun war Showtime angesagt. Im New Yorker Upper West Side der 50er Jahre begann der zweite Konzertteil, Das Musical West Side Story vereint alle Facetten dieser an Romeo und Julia angelehnten Liebesgeschichte: Romantische Passagen, ein spannender Thriller und rassige Puerto Ricanische Tonfolgen. Flöten, Klarinetten, Flügelhorn und Saxophon sorgen bei "Maria" und "Tonight" sprichwörtlich für feuchte Augen und Gänsehautfeeling, Begeisterung und Spannung entfachten die Blechbläser duch permanenten Tempowechsel. Anspruchsvolle Wechselspiele und rhythmisch pulsierende Kontraste finden sich auch bei „Grease“. Mit Summer Nights, Greased Lightnin’ oder We Go Together begab sich die Harmonie ins US-High-School-Milieu. Ein temperamentvolles Arrangement voller Songs, Tempo und Tiefgang und gewürzt mit einem gehörigen Schuss Rock’n Roll. Besser konnten es die Register kaum machen.
Überhaupt waren die Soli die faszinierenden Momente des Konzerts. Es war ein Genuss, wie die Musiker vergnüglich und mit spieltechnischer Sicherheit selbst virtuose Stellen mit leichter Hand gestalteten. Dynamisch prickelnd vom ersten bis zum letzten Takt zeigten die Tenorhornisten Michael Dönges und Berthold Schäfer ihr Können bei der Polka „Zwei Freunde“, während Reinhard Weitz, Miroslav Mraz, Hans Josef Dönges und Christoph Becker mit dem Show-Marsch „The Referees“ bewiesen, daß sie nicht nur Teamgeist, sondern auch einen guten (Posaunen)-Zug haben. Danach war der „Brummbär“ los! In dieser Polka tanzt das zottige Brauntier alias Dietmar Mittag mittels Tuba mit einer bemerkenswerten Lockerheit den Noten auf der Nase herum, für die Mehrzahl im Publikum ein bis dato auf einem solchen Instrument noch nicht gehörter Leckerbissen. Und als dann Axel Schmidt bei der "Löffelpolka" seinen angestammten Platz am Schlagzeug verlies und an der Bühnenfront die Schlagstöcke mit dem Essbesteck vertauschte, kannte der Applaus keine Grenzen mehr – der Saal brodelte.
Ohne zwei Zugaben durfte die Harmonie die Bühne nicht verlassen. Und quasi zur Versöhnung mit den Fans der „Dicke-Backe-Musik“ hieß es zum Finale ein von Publikum und Musikern gleichermaßen verstandenes "Bis bald auf Wiedersehen" .

Der Musikverein „Harmonie“ Dorn-Assenheim unter Vorsitz von Helmut Weitz (Mitte) zeichnete während seines Jahreskonzerts (Bericht folgt) sechs verdiente und heute noch aktive Musiker aus. „Ihr unterliegt einer Sucht, die nicht krank macht, sondern jung hält“ freute sich Bezirksdirigentin Petra Winter (links) vom Hessischen Musikverband (HMV). Ehrennadeln in Gold gab es vom Bundesverbandes der Blasmusikverbande für Michael Dönges, Armin Winkler und Thorsten Lemler, die seit 30 Jahren musizieren. Auszeichnungen des HMV erhielten Markus Petri für 20 Jahre sowie Stefanie Weitz und Benedikt Becker, die 10 Jahre dabei sind. Text und Foto: hh.

| MV Harmonie: Sommerkonzert - WZ vom 30.05./10.06./11.06.2009 |
Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern. Denn seit Wochen probt der Musikverein „Harmonie“ für sein Sommerkonzert. Am kommenden Samstag, 6. Juni dreht sich ab 20 Uhr in der Sport- und Festhalle alles um das Thema „Die ganze Welt der Blasmusik“. Dabei ist das Leitmotiv nicht nur geographisch gemeint, die ausgesuchten Melodien bewegen sich in allen Sparten der Musik von klassischen Märschen, Polkas und Walzern bis hin zu zu anspruchsvollen Filmmusiken, Operetten und Musicals.
Ganz besonders freut sich Andreas Schmidt auf den „TV-Kultabend“. „Beim Medley mit bekannten TV-Serien Melodien kann man sich wie zu Hause im Fernsehsessel fühlen,“ verspricht der Dirigent und setzt auf seine Solisten: „Wir haben ein großes Potenzial an individuellen Könnern und präsentieren eine Solistenparade mit vier Stücken für Tuba, Tenorhorn. Schlagzeug und Posaune.“ Karten gibt es im Vorverkauf bei Helmut Weitz, Telefonnummer 0160 97621665, per E-Mail unter info@mv-harmonie.de , allen aktiven Musikern und an der Abendkasse. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt.