Musikalische Wünsche als vorgezogene Weihnachtsbescherung

 

„Concordia“ überzeugt beim Adventskonzert mit jungen Talenten und reaktiviert erfahrene Kräfte – Ungewohnte Klänge durch Alphornbläser

 

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Gesungen klingen Wünsche doppelt schön: Gleich ein ganzes Paket an solchen Wünschen hatte der Gesangverein „Concordia“ geschnürt, um dem Publikum in der festlichen Kirche St. Maria Magdalena eine ordentliche Portion vorweihnachtlicher Stimmung zu gönnen. Conferencier Michael Schreiber baute die Brücke zwischen den einzelnen Blöcken und Inge Schreiber bereicherte die Konzertbeiträge mit einem nachdenklichen Text vom Licht der Hoffnung. Erstmals dabei und im Kirchenschiff ein absolutes Novum: Die Alphorndudler mit ihren markanten Instrumenten. Dirigent Damian Siegmund im Range eines musikalischen Direktors hatte zur Bereicherung des Nachmittags einige erfahrene Sänger reaktiviert und sorgte mit einer Auswahl an dezenten Tönen für eine willkommene Abwechslung zu Rummel und Hektik der Adventstage. Mit von der Partie war auch der Kinderchor Flowerbirds, welcher die Werke alter und neuer Meister mit  peppigen Elementen garnierte. Schließlich hat Weihnachten musikalisch viel zu bieten, jedes Land pflegt eigenen Traditionen, jedes Jahrhundert seine eigene Stilrichtung.

 

Nach der festlichen Eröffnung mit dem Halleluja „Ich will dich preisen“ besang die „Concordia“ die weihnachtliche Botschaft der Heiligen Nacht und widmete sich mit „Heidschi bum beidschi“ der traditionsreichen Musik aus dem Salzburger Land. Gepflegte Stimmen in allen Chorgruppen,  ob Acapella oder mit Instrumentalbegleitung von Siegmund, der Klang war stets homogen und rein. So kam mit den „Hirten im Felde“ alte Weihnachtsliteratur in neuem Arrangement zur Aufführung und zeigte in seiner Verarbeitung eine gelungene Synthese selbständiger Stimmen zu einer mehrstimmigen Harmonieführung. Gebannt lauschte das Publikum den Gesängen, die keiner eventsüchtigen Tricks bedurften, um in der tollen Akustik des Kirchenschiffs zu überzeugen. Faszinierende Momente sind immer wieder die Konzertsoli. Beim Klassiker „Amazing Grace“ lud Andrea Paulencu-Fourier mit viel Gospelgefühl zum Träumen ein.

 

Kinder für den Gesang begeistern, das kann Ursula Enke. Feierlich und einfallsreich, teils mit Flöte, Gitarre oder Klavier präsentierten sich die „Flowerbirds“.  Kerzenlichter begleiteten ihren Auftritt, der mit sprühendem Charme für so manches Konzerthighlight sorgte. „Wir haben wunderschöne Stimmen, diese wollte ich solistisch einsetzen“, erzählt Enke. Der „Befehl des Kaisers“ ging mit seinem Ohrwurmrefrain „Weil der Kaiser uns befohlen, machen wir uns auf die Sohlen“ nicht nur ins ebensolche Ohr, sondern richtig ins Herz. Man spürte die Begeisterung der Akteure, die ihr Bestes gaben. Allen voran Max Coburger, dessen klare Stimme einmal  mehr ihr viel versprechendes Talent auf diesem biblischen Trip zeigte. Mit der „Schönen Weihnachtszeit“ holte der Nachwuchs den Schlitten heraus, lieferte sich eine Schneeballschlacht und nahm das Publikum so mit auf eine nostalgisch musikalische  Zeitreise.  Viele Motive um den neugeborenen Heiland oder im Gospeljargon als „Mary’s Boychild“ besungen, rundeten den Flowerbird – Part ab.

 

Eine ganz andere Stilrichtung bevorzugen Martin Dönges und seine Alphorndudler. Als Quintett intonierten sie traditionelle Choräle und zauberten den Hauch alpenländischer Bergwelt ins Kirchenschiff. Die mit Naturtönen gespielten Stücke gingen ins Ohr und wurden freudig beklatscht. Es war erstaunlich, welch schöne Melodien mit relativ wenigen, aber mehrere Oktaven umspannenden Tönen entstanden. Besonders die erste Stimme mit ihren Ausflügen in hohe Oktavregionen verlangte den Bläsern einiges an Können ab, doch auch Melodie- und Bassstimmen wurden routiniert vorgetragen. „Schließlich sind Alphornklänge heute in“, resümierte Claus Ess Geschichte und Gegenwart der Instrumente, die einst als „Handy der Hirten“ fungierten.

 

Nunmehr  bereicherte die Concordia das Konzert mit einigen reizvollen Mosaiksteinen. Besonders der klassisch-romantische Chor „Heilige Nacht“ von Johann Reichardt mit seiner samtweich an- und abschwellende Dynamik konnte beeindrucken. Stilgerecht interpretierten die Sänger das Stück wie später eine böhmische Volksweise aus dem 16. Jahrhundert.

 

Zum großen Finale trafen sich alle Beteiligten vor dem Altarraum. Unbeschwert und unter dem impulsgebenden Dirigat von Damian Siegmund erklang zunächst das modern arrangierte “Weihnachten bin ich zu Haus”, bei dem Axel Finkeldey als Solist gekonnt individuelle Passagen zu einem harmonischen Gesamtklang führte. Mit dem Wunsch nach frohen Weihnachten und einem glücklichen neuen Jahr verabschiedeten sich die Interpreten schließlich in einem vielstimmigen Schlussakkord.


     
 

Bildtext Concordia + Flowerbirds: Interpretierten gekonnte die Werke alter und neuer Meister. Während die „Concordia“ mit eher besinnlichen Texten aufwartete, bereicherten die „Flowerbirds“ mit lebendigen und peppigen Stücken das Konzert.

 

Alphornbläser: Brachten die wunderbare Akustik des Kirchenschiffs zum klingen: Die Alphorndudler mit Jonas Dönges, Claus Ess, Monika und Paul Weitz sowie Martin Dönges

 

Fotos: Holger Hachenburger


Adventskonzert  - WZ vom 13.12.2007