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Portrait Friedel Liedtke - WZ vom 16.09.2009
Schrottreife Maschinen zu flotten Flitzern umgebaut
BMW, Standard, Ardie, DKW, Adler, NSU: Oltimierliebhaber Friedel Liedtke restauriert, sammelt und fährt historische Motorräder
Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Das eine ist knallig rot, die anderen glänzend oder mattschwarz, blank polierte Chromteile spiegeln sich in der Nachmittagssonne. Man betritt ein kleines Museum, exklusiv für Motorräder und Mopeds eingerichtet. Achtzehn Raritäten sind hier zu sehen, alle zwischen 1930 und 1956 gebaut. Draußen steht zudem ein Käfer, seit 1966 im Familienbesitz. „Hier gibt es nichts, was nicht fährt“, sagt Friedel Liedtke und zeigt spontan auf ein für ihn ganz besonderes Exemplar, eine Standard-Rex. „Technisch aufwändig, 500ccm mit obenliegender Nockenwelle, 22 PS und das gleiche Baujahr wie ich“, fachsimpelt und scherzt der 73-Jährige.
An seine erste Maschine kann sich der gebürtige Ostpreuße noch gut erinnern. „Mit 17 kaufte ich einen Mopedmotor, der wurde in einen Fahrradrahmen eingebaut. Wenn ich mit dem Moped fahren wollte, brauchte ich immer das Vorderrad aus dem Fahrrad meiner Mutter.“ Für mehr reichte das Lehrlingsgehalt nicht aus, blickt er in die 50er zurück und präsentiert eines der Werkzeuge dieser Zeit, eine elektrische Handbohrmaschine. „Die hat mein Vater 1946 auf dem Schwarzmarkt gegen ein Pfund Butter getauscht."
Mit Spaß und Eifer bastelt er an alten Motorrädern und probiert seine technischen Fähigkeiten aus. 1955 erwarb Liedtke eine 200er Triumph. „Die hat 150 Mark gekostet, geliehen vom Konfirmandengeld meines Bruders“. Die Attraktion war jedoch ein Maicoletta-Roller, von der wasserblauen Lackierung mit weißen Streifen zeugt ein altes Foto. „Damit bin ich 450 km nach Bremen zur Oma gedüst.“ Noch heute schwingt er sich aufs Motorrad und nimmt an organisierten Ausfahrten teil.
1988 beginnt Liedtkes Sammelleidenschaft mit der Einrichtung einer kleinen Motorrad-Schrauberbude. Hier rollen die schrottreifen Maschinen, für die Einzelteile besorgt und angefertigt werden müssen genauso ein wie jene, die in einem passablen Originalzustand erworben wurden. Faszination üben beide aus, mit Vorliebe jedoch die Originale in ihrem authentischen Outfit. Motorrad um Motorrad wuchs so der Fuhrpark, heute stehen hier neben BMW-Fabrikaten die Zeugen längst vergangener Zeiten wie Ardie, Standard, DKWs, Adler oder die in Audi aufgegangene NSU.
Denn seine Werkstatt ist fachgerecht eingerichtet, Drehbank und Fräsmaschine inklusive. Bis auf das schleifen von Zylindern und die Herstellung von Kolben wird hier alles gemacht, nur lackieren ist nicht mehr drin: „Ich habe mal einen Rahmen sandgestrahlt, da ist meine Frau auf die Barrikaden gegangen“. Zur Zeit baut er grössere Bremsschilder in seiner Standard-Rex ein. Sie sind exakt angefertigt, kunstoffbeschichtet, daneben ist das Innenleben eines Tachos zu bestaunen. Es muss perfekt sein, vorher gibt sich Liedtke nicht zufrieden,
Friedel Liedtke zeigt auf eine alte Motorradgabel an der Wand. Sie ist das beste Beispiel dafür, wie ein Motorrad wieder zum flotten Flitzer wird. Er hat es auf einem der vielen Teilemärkte erworben, in zwei Kisten lagern Scheinwerfer und blitzende Chromteile. Bis hieraus eine fahrbereite Maschine entsteht, stehen wohl noch über 200 Arbeitsstunden und eine Portion Überredungskunst bevor. Denn ein Clubkollege besitzt eine Horex, zumindest den Rest davon. „Die wartet nur darauf, von mir zusammengeschraubt zu werden, sagt er.“ Seine Sammlung wäre um eine legendäre Rarität reicher.

Bildtext:
(1) Friedel Liedtke (rechts) und Axel Finkeldey präsentieren das russische Militärgespann M-72 aus dem Jahr 1943, eine exakte Kopie einer BMW R-71, sich gerade bei den Nachwuchs-Oldtimerfans, wie Sohn Alexander Finkeldey großer Beliebtheit erfreut.
(2) Wie alle restaurierten Motorräder von Liedtke ist auch die sportliche Standard Rex wieder voll fahrtüchtig. Die Besonderheit: „Baujahr“ 1936, genau wie ihr Besitzer
(3) Reih an Reih: Blick in die Motorradgarage