![]() |
Autorenlesung - WZ vom 15.11.2007
Von der Mystik hinter den vatikanischen Mauern gefesselt
Arno Strobel liest während der Weihnachtsbuchausstellung aus seinem Thriller „Magus – Die Bruderschaft“
Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Die Geschichte beginnt mit einem Knalleffekt. Ein Mord auf dem Petersplatz in Rom, der soeben gewählte Papst Gregor XVII. wird von einem Scharfschützen erschossen. Der Attentäter ist schnell festgenommen, doch weigert er sich auszusagen und verlangt Bischof Corsetti zu sprechen. Tags darauf betritt der Bischof ein kleines Lebensmittelgeschäft, um dort eine für ihn deponierte Kiste abzuholen. Die Kiste ist schwer und birgt ein noch schwerer wiegendes Geheimnis: das „Projekt Simon“. Geheimnisvolle Tagebücher führen Corsetti auf die Spur einer mächtigen Bruderschaft, die die im Verborgenen ein gefährliches Komplott gegen die katholische Kirche schmiedet.
So beginnt der fiktive Kirchenthriller „Magus – die Bruderschaft“. Geschrieben hat ihn Arno Strobel, der nun zu einer Autorenlesung in der katholischen öffentlichen Bücherei der Pfarrei St. Maria Magdalena weilte. Marion Schröder, mit Andrea Stiefmeier Leiterin der Bücherei waren auf der Buchmesse auf Strobel aufmerksam geworden. „Kurzgeschichten und Romane“, so Schroeder, „auf diesem Terrain bewegte sich Strobel bisher. Nun hat er Neuland betreten und seinen ersten Thriller veröffentlicht.“
Strobel gelingt es sofort, die Besucher zu fesseln. Zwei Passagen liest er vor. „Wenn einige Geschichte gut erfunden ist, dann wirkt sie reell“, sagt er und so landet das Publikum schnell in der geheimnisumwobenen mystischen Welt hinter den vatikanischen Mauern. Ein deutscher Papst in der Fiktion, ein deutscher Papst im Vatikan – diese reellen Parallelen wirken authentisch und machten neugierig.
„Ihr wisst nicht , wovor ich Euch gewarnt habe“, ruft der Attentäter. Es beginnt die Aufklärung des Falls. Kein Kommissar erscheint, Strobel dreht die Zeit ins Jahr 1949 zurück. Schauplatz ist das südafrikanische Kimberley, wo jugendliche Deutsche ausgewählt werden, um die Weltherrschaft unter ihrer Führung zu erreichen. Sie bilden eine Armee – die Armee der Simoner. Im Priesterseminar erhalten sie das Rüstzeug, um in die höchsten Ebenen der römischen Kurie aufzusteigen, bis hin zu eben diesem Papst Gregor dem XVII. 50 Jahre liegen die Geschehnisse auseinander. Doch warum die Kirche ? „Diktatoren werden gestürzt, die Kirche ist eine jahrtausend alte Macht Autorität“, erklärt Strobel den Grundgedanken seiner Fiktion.
Strobel hat den Thriller in seinem eigenen Verlag herausgebracht und es hat nicht lange gedauert, bis der Deutsche Taschenbuchverlag auf „Magus“ aufmerksam wurde. „Man kann noch so gute Ideen haben, wenn nicht zwanzig Zufälle zusammenkommen, sonst landet das Manuskript in der Verlagsablage“, plaudert Strobel aus dem Nähkästchen. Er hatte Glück. „Ich fange an und überlege mir, was als nächstes passiert, ich schreibe, wie ich lese“ erklärt er seinen Stil. Dieser bringt Spannung in die Handlung, da er nicht auf ein bestimmtes Ende hinschreibt.
Später beantwortet der Autor Fragen aus dem Publikum. In seinem Buch kombiniere er zwei Interessensschwerpunkte: Religion und die Historie des Dritten Reiches. Allerdings bediene er sich nicht der modern gewordenen plakativen Angriffe gegen die Institution Kirche. Das Buch, so gibt er zu, „schwimmt sicherlich auf der Welle des Erfolgsautors Dan Brown, der mit Werken wie „Das Sakrileg“ für Aufsehen gesorgt hat.“ Strobel betont aber, daß er sich schon vorher mit den Gedanken auseinandergesetzt hatte, einen Vatikanthriller zu schreiben. Zu Recherchezwecken hat er eine Reise in den Vatikan unternommen und in einem Priesterseminar gewohnt. Auch den heutigen Papst Benedikt XVI. hat er getroffen. „Für mich war es wichtig, die Atmosphäre des Vatikans direkt vor Ort zu spüren und aufzunehmen. Bevor ich angefangen habe zu schreiben, habe ich mich intensiv mit der Thematik Kirche, Papst und Glauben auseinandergesetzt“, erläutert der bekennende Katholik. „Es geht für mich nicht darum, die katholische Kirche zu kritisieren, sondern mein Buch stellt sich ihr neutral bis positiv gegenüber.“
Vier Jahre hat Strobel an Magus geschrieben – bei seinem zweiten soll es schneller gegen. Auch hier, so verrät er, bleibt er sich dem Genre des Thrillers und dem religiösen Milieu treu.
