| Autorenlesung mit Daniel Holbe - WZ vom 31.10.2009 |
Spannende Jagd nach der Petrusmünze
Der Wetterauer Autor Daniel Holbe liest aus seinem Debütroman – Frankreichliebhaber mit Leib und Seele
Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Pierre Garnier wird vor dem Papstpalast in Avignon ermordet, in Verdacht gerät sein Sohn Robert. Er und Marlene Schönberg sind davon überzeugt, dass eine uralte Familienfehde und ein gut gehütetes Familiengeheimnis für den Tod seines Vaters verantwortlich sind. Offensichtlich führt das zu lüftende Geheimnis zurück in die Zeit der Avignoneser Päpste, letztlich sogar zu den Anfängen der Kirche. Es geht um eine geheimnisvolle Münze, die seit den Tagen Petri an die Nachfolger des ersten Papstes weitergereicht wird, seit Anfang des 15. Jahrhunderts jedoch spurlos verschwunden ist.
Über 50 Besucher haben sich in der katholischen Bücherei eingefunden, um Daniel Holbe zu lauschen, der einige Passagen aus seinem Debütroman „Die Petrusmünze“ vorliest. Zur Überraschung mancher Zuhörer outete sich der 33-jährige nicht nur als kirchengeschichtlich interessiert, sondern auch als waschechter Wetterauer: „Geboren in Ockstadt, Verwandtschaft in Rockenberg, verheiratet in Dorn-Asenheim.“
Holbe ist zudem Frankreichliebhaber mit Leib und Seele. Die Gegend mit ihrer stark frühchristlichen und römischen Kultur inspiriert ihn, was bereits nach wenigen Sätzen zu spüren ist. Es entsteht ein Thriller – Holbe legt Wert auf die Bezeichnung Kriminalroman mit kirchenhistorischen Aspekten -, der sich um keine geringere Frage dreht als die nach der Legitimation: Wer ist der wahre Papst? Hintergrund: Im Jahr 1309 zog die römische Kurie nach Avignon um, bis 1430 regierten so bis zu drei Päpste nebeneinander.
Eine deutsche Historikerin und ein französischer Weinguterbe sind die Protagonisten der Geschichte, Nachforschungen führen sie auf die Spur der Päpste in Avignon. Als Gegenspieler erweisen sich Nachfahren der Katharer, einer verfolgten und von der katholischen Kirche abgesplateten Glaubensbewegung. Mit im Spiel ist auch der Vatikan, mit dem diese noch "ein Hühnchen zu rupfen" haben. Die Münze ist dabei ein fiktives Mittel, den roten Faden zu spinnen und erinnert an die geheimen Symbole, mit denen sich die Christen in ihrer Ursprungszeit untereinander zu erkennen gaben.
Holbe kombiniert historisch recherchierte Fakten mit religiösen Hintergründen, Landschaftsbildern und schriftstellerischer Fiktion zu einer fesselnden Geschichte. In einer rasanten Jagd führt er durch altertümliche Stätten Frankreichs, Spaniens und Italiens ebenso wie durch kurze Rückblenden zu den Anfängen der Christenheit über die Zeit der Gegenpäpste und die 40er Jahre während des zweiten Weltkrieges, als der Vatikan selbst nach dem Petrusgrab forschte. So fügt sich Stück für Stück des Puzzles zusammen, bis sich der Kreis in der Gegenwart schließt und die Leser zum Miträtseln animiert. Für Neugier sorgen zudem eingebaute „Cliffhanger“, immer wenn’s spannend wird, wechselt die Kulisse.
„Vor 25 Jahren sagte mein Vater vor Ort, > da haben mal Päpste gewohnt <, jetzt wollte ich über ein Thema schreiben, welches Land und Leute dort ein Stück weit widerspiegelt“, erzählt Holbe und fügt hinzu: „Wer einmal in Avignon aufmerksam durch die 700 Jahre alte Residenz wandelt, der nimmt bei genauem Hinsehen selbst Teil an den Jahrzehnten der großen Kirchenspaltung“. „Frankreich ist stolz auf seine Helden und seine Kultur, doch seine sieben Päpste werden weitgehend ignoriert und sind in Vergessenheit geraten,“ bedauert Holbe
Einen Aufenthalt in der Camargue im September 2006, es war seine Hochzeitsreise, nutzte der Autor für ausführliche Erkundungen. Heute und 360 Seiten später, verrät er, dass die Geschichte schließlich auch ihr Ende an diesem Ort findet. Alles weitere muss er Leser selbst in Erfahrung bringen. Und wen die Historie überwältigt oder die finsteren Mächte zu sehr in Atem halten, der gewinnt zumindest die Lust, die nächsten freien Tage in Frankreich zu verbringen.

Bildtext: Für Daniel Holbe ist es die erste Lesung über sein erstes Buch: Im Dorn-Assenheimer Pfarrheim kombiniert er religiöse Hintergründe und Landschaftsbildern zu einer fesselnden Geschichte. Foto Holger Hachenburger