Adventskonzert  - WZ vom 11.12.2008


  


 

Weihnachtliche Glanzlichter für Gehör und Seele

 

Beim Adventskonzert von Gesangverein "Concordia" und Musikverein "Harmonie" traten auch viele Kinder und Jugendliche auf

 

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) "Ich hätte noch ein Weilchen zuhören können", war eine der  Reaktion nach dem Adventskonzert in St. Maria Magdalena. Dort hatten der Musikverein Harmonie, der Gesangverein Concordia und deren Jugendgruppe Flowerbirds eine Reise durch die facettenreiche Vorweihnachtszeit vorbereitet. Festliche Chor- und Instrumentalmusik setzten sich wie temperamentvolle Arrangements oder den beschwingten Melodien einer lustigen Schneeballschlacht zu einem bunten Mosaik zusammen. Den Interpreten gelang es einmal mehr, das Publikum in ihren Bann zu ziehen und den sprichwörtlichen Funken bevorstehender Weihnachtsfreude überspringen zu lassen. Der Konzerterlös war für die Jugendarbeit der beiden Vereine bestimmt.

 

Andreas Schmidt stand im Dauereinsatz. Nach einem Orgelpräludium von Bach startete er mit der Harmonie majestätisch. Mit schönen Pianoteilen, fulminanten Akkorden und unterstützt von Kesselpauken setzten die Aktiven die Musica Gloriosa gekonnt in Szene. Angloamerikanische Weihnachtsliteratur kommt meist poppig daher. Dass es auch traditionelle Nuancen gibt, zeigten die Stücke „Away in a manger“ oder  „A first Noel“. Das Publikum freute sich an der abwechslungsreichen Dynamik, bei der tiefes Bleches auf der einen, und Klarinetten und hohes Blech auf der anderen sich virtuos aufeinander abgestimmt zeigten. Ungezählte Male im Radio gehört und nun live im Altarraum: Der Ohrwurm Feliz Navidad verströmte das Flair der Karibik in einem fröhlichen Sound. Perkussionsinstrumente hatte man ja erwartet, einzigartig jedoch war der Einsatz einer Piccolotrompete mit ihrem eigentümlich hohen Klang in der Melodieführung.

 

Gepflegte Stimmen in allen Chorgruppen,  ob a-capella oder mit Keyboardbegleitung, die Concordia sang stets homogen und rein. So wählte Dirigent Dr. Lothar Wenzel zunächst traditionelle heimische und englische Weihnachtsliteratur aus. Eine gelungene Synthese selbständiger Stimmen zu einer mehrstimmigen Harmonieführung, dem das Publikum andächtig lauschte. Keine  eventsüchtigen Tricks, sondern klare vierstimmige Sätze befassten sich mit der Weihnachtsgeschichte. Und immer wieder interpretierten die Sänger die Freude dieser Heiligen Nacht wie dem feierlichen Ehre sei Gott oder wie dem gefühlvollen, weil beschaulichen Andachtsjodler. Dabei verlangten die alpenländischen Eigenarten den Sopran- und Altstimmen einiges an Konzentration und Können ab.

 

Während sich die Jugendarbeit bei der Harmonie in den schönen Klängen einer  Flötengruppe präsentierte, ließen die Flowerbirds mit ihren frischen Stimmen die Herzen der Zuhörer höher schlagen. „Krankheitsbedingt gab es Ausfälle und wir mussten bis zur letzten Minute umdisponieren“, verrät Chorleiterin Ursula Enke. Trotzdem begeisterten die 3 bis 13- Jährigen talentiert mit vielen Soli oder auch instrumental wie Antonia Finkeldey auf der Querflöte. Ob rhythmisch und frech oder andächtig und traditionell, die Beiträge ernteten großen Applaus. Auch weil die Kinder eigene Ideen einbrachten. Beim Scheeflöckchen flogen Papierbällchen mir der Aufschrift Frohe Weihnachten ins Publikum und beim rhythmischen „Heilig Abend Morgen Blues“ zeigten sie wahre Musicalqualitäten. Ich singe, tanze und lass mich vom Weihnachtsstress nicht beendrucken, lautete das Credo der locker vorgetragenen Szene, die zudem mit einer gehörigen Portion Slapstick gewürzt war.

 

Den heiteren Aspekten weihnachtlicher Tonfolgen widmete sich die verjüngte Harmonie-Besetzung. Spielerische Leichtigkeit aller Register gepaart mit einleitendem Glockenspiel gaben der Christmas Ouvertüre etwas Träumerisches, während die das peppige Potpourri „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ mit teils schrägen, teils vertrauten Variationen einen kunterbunten Abriss populärer Weihnachtslieder bot und im Jingle Bells einen schlittenfahrenden Abschluss fand.

 

Reizvolles hatte nun die Concordia ausgewählt.  Besonders der klassisch-romantische Chor „Heilige Nacht“ mit seiner samtweich an- und abschwellende Dynamik konnte beeindrucken. Stilgerecht als Metapher für das stetige Zeitmass dieses Weges interpretierten die Sänger das Stück “Einsam ist der Weg”, ein rhythmisches Wechselspiel zwischen Chor, Schlagzeug (Jens Mayer) und Trompete (Andreas Schmidt).

 

Zum großen Finale erklang zunächst das modern arrangierte “Weihnachten bin ich zu Haus”, bei dem Solist Axel Finkeldey individuelle Passagen zu einem harmonischen Gesamtklang führte. Mit dem Wunsch nach frohen Weihnachten und einem glücklichen neuen Jahr verabschiedeten sich die Interpreten schließlich in einem vielstimmigen Schlussakkord.

 

Bildtext:







 

(1):  Talentiert sangen, spielten und tanzten die älteren „Flowerbirds“ den „Heilig Abend Morgen“-Blues aus dem Musical Eddi und die Weihnachtskugel

 

(2): Im Altarraum hatte der Musikverein Harmonie Platz genommen. Dirigent Andreas Schmidt stimmte die vorweigend modernen Arrangements auf die gute Akustik des Kirchenschiffs zur Freude der Besucher ein

 

(3): Die mitgastgebende Concordia bestritt das Adventskonzert erstmals unter der Leitung von Dr. Lothar Wenzel und brachte viele traditionelle Lieder zu Gehör.

 

Fotos: Holger Hachenburger