Kirchenkonzert - WZ vom 10.05.2007



  

Sakrale Musikstile zu einem harmonischen Leckerbissen vereint

 

Fünf Chöre der Stadt Reichelsheim trafen sich zum ersten gemeinsamen Kirchenkonzert – Weitere Auflagen geplant

 

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Die Concordia ist immer für eine Überraschung und das Entdecken musikalischer Marktlücken gut. Mit dem ersten gemeinsamen Kirchenkonzert der städtischen Chöre erlebte die Pfarrkirche St. Maria Magdalena eine Premiere. "Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur in der weltlichen, sondern auch in der kirchlichen Literatur zu Hause sind, zeigte sich die Concordia Vorsitzende Ilona Böhm schon im Vorfeld optimistisch. Fünf Chöre, darunter mit dem Stammchor, dem jungen Chor Belcanto und den Flowerbird-Kids gleich drei Concordia-Gewächse sowie der Liederkranz Reichelsheim und der Frohsinn Weckesheim boten Seltenes und Vertrautes. Scheinbare Gegensätze passten zusammen, sakrale mittelalterliche Töne und jazzige Spirituals ergänzten sich zu einem harmonischen Leckerbissen. Abwechselnd vom Altarraum und der Empore nutzen die Akteure das exzellente Klangvolumen des Kirchenschiffs optimal aus.

 

Ilona Böhm wünschte sich, dass das Konzert nicht nur ein Erlebnis, sondern auch die Initial-zündung für weitere Auflagen sei. Als Schirmherrn begrüßte sie Bürgermeister Gerd Wagner. Die Musik sei eine Gabe Gottes, die Fröhlichkeit vermittelt, war sich Wagner sicher, deshalb sei es gut, dass der Chorgesang von so vielen Menschen gepflegt wird. Nicht umsonst treffe man sich am Sonntag Cantate, also der Aufforderung, dem Herrn zu singen und ihn zu preisen.

 

Diesen Lobgesang eröffnete die Concordia. Berthold Kneib sprang kurzfristig für Stammdirigent Damian Siegmund ein und nach nur einer Probe präsentierten sich Chor und Dirigent als homogene Einheit. Sehr transparent arbeitete die Concordia im Adagio die harmonischen und melodischen Strukturen des "Ubi Caritas", einem vierstimmigen lateinischen Choral heraus. Der Mai ist auch der Monat der Marienverehrung. Das Thema wurde mit dem „Ave Verum“ in der Vertonung von Wolfgang Amadeus Mozart eingeleitet und bewies eine ansprechende dynamische Gestaltungsfähigkeit. Exakt auf die Sopranstimmen von Kathrin Kempf und Andrea Fourier-Paulencu zugeschnitten, dominierten klangschöne Soli später das „Ave Glöcklein“.

 

Der Weckesheimer Männergesangverein positionierte sich nun A Capella auf den Stufen zum Altarraum. Unter Leitung von Thomas Bierwirth kamen anspruchvolle Kirchenmusik und wie es sich für einen Verein namens Frohsinn gehört, ein lockeres Volkslied zu Gehör. Als Kostprobe klassischer Kompositionen erklang der von stetigen Harmoniewechseln geprägte Chorsatz „Die Himmel rühmen“ von Beethoven. Und als dann noch das  „Lob und Dank dem Herren“ als Herausforderung an die Dynamik und der „Abendfrieden“ von Franz Schubert verklungen waren, hatten die Sänger den Beweis erbracht, auch individuell mit Tonvariationen zu glänzen.

 

Conferencier Michael Schreiber baute die Brücken zwischen den einzelnen Blöcken und kündigte nun den Liederkranz mit Gregori Dörr an. Einem Choralstück folgte mit der Hymne "Lobet den Herrn der Welt" ein in seinen Soloparts lebendig, jubelnd und Freude sprühend dargebotenes Stück. „Siyahamba“ war ein Gospel, der aus dem ursprünglichen Regengesang der Ureinwohner Südafrikas entwickelt und in der Landssprache gesungen wurde. Nach einer interessanten Einleitung kam afrikanisches Feeling bildlich auf und durch den abwechselnden Einsatz der verschiedenen Stimmen zeigte sich diese einfache und deshalb so eingängige Melodie in den verschiedensten Klangfarben .

 

Brausenden Applaus erhielten die Flowerbirds schon vor Ihrem Auftritt. Ursula Enke hatte wieder einige herzerfrischende Stücke ausgewählt und die kleinen Akteure wussten mit wunderschönen Soli zu gefallen. Max Coburger und Michelle Faulstich sangen „Komm lieber Mai“, gut in den Rahmen passte das Blockflötenspiel von Antonia Finkeldey und Anny Mattern und schließlich traf sich das Publikum urplötzlich zu einen Frühlingsfest der Kirchenmäuse. Clara Bommersheim und Michelle Faulstich übernahmen den Solopart, die Flowerbirds, als Mäuschen getarnt, feierten dazu gesanglich zur Freude des Publikums:

 

Aus den Gospels und Spirituals spricht die große Sehnsucht nach Geborgenheit. Peppig präsentierte der Belcanto Chor mehrere Lieder dieser Sparte und überzeugte mit bezaubernden Balladen. Ob A Capella oder mit Begleitung, der Spass am Singen wurde so richtig deutlich beim „Knock’in at your door“ oder dem zum Mitsummen einladenden „Silence is Golden“, das den Sound der 60er ins Kirchenschiff zauberte.  Bei „This little Light“ forderte der Chor ein positives Denken, Sopran und Bassstimmen übernahmen gegenseitig die Führung bei diesem mit viel Herz gesungene Stück. Eine sanfte, aber konsequente Frauenpower erblühte beim Vortrag der, wie sollte es anders sein, den Damen überlassenen „Rose“.

 

Den Schlussakkord setzte wiederum die Concordia. Dem sauber intonierten „Vater Unser“ von Rimski-Korsakoff folgte ein Glanzpunkt des Nachmittags. Mit dem dynamisch gefühlvollen Gloria aus der „Messe Breve No. 7“ verabschiedeten sich Chor und Solisten nochmals mit interessanten Nuancen der musikalischen Lobpreisung.

 

Bilder:

(1): Mal vorn im Altarraum, mal von der Empore: Die Concordia Dorn-Asenheim nutzte das Klangvolumen der Kirche zur Freude des Publikums optimal aus

(2): Pflegten gutnachbarschaftliche Beziehungen: Der Liederkranz Reichelsheim zauberte südafrikanisches Feeling ins Kirchenschiff

(3): Wie die Profis: Die Flowerbird lockerten mit erfrischenden Liedern das Programm auf ihre Weise auf  

Fotos: Holger Hachenburger