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Donnerstag, 13. Mai, Zurück in Pyöngyang
Erst Korry-Wood, dann Kita - Drill Ob im Kinderpalast oder im Zirkus, überall erwartet den Besucher ein grandioses Spektakel aus Musik und Tanz. Heute ging's zum Kinderpalast, wir schauten Kindern zu, die alles mögliche lernten: Kalligraphie, Akkordeon, Klavier, Balett, Stickerei. Sogar in den Computerraum durfte man linsen, ausgestaltet mit so mancher Technik, de ich bis dato noch nicht in Nordkorea gesehen habe. Passen zur Einrichtung werden wir von einem Jungpionier mit blauer Uniform und rotem Halstuch begrüsst. Allerdings auch in High Heels, mir der die 12-jährige den Russinen in St. Petersburg hätte Konkurenz machen können. Wir erleben eine einstündige Vorführung vom Feinsten. Mit einer kaum zu beschreibenden Perfektion folgen eine Ballettaufführung, es wird gegeigt, getanzt , getrommel und gesungen. Die Kinder müssen dafür definitiv richtig viel üben, um nicht zu sagen, hier hersscht ein gewisser Drill. Aber die Vorstellung von den Kleinsten sagenhaft, der Saal tobte und es gab jede Menge nicht enden wollenden Applaus. Es war der Höhepunkt der ganzen Reise.
Wieder zurück in Pyöngyang. Mittlerweile kennt man die Strassen der Hauptstadt auch ohne Stadtplan in- und auswendig. Eswird Zeit dass esmal an die West- oder Ostküste geht. Wir besuchen ein Königsgrab, von dem noch am interessantesten zu berichten it, dass es überhaupt was davon zu berichten gibt. Schliesslich wird in Nordkorea die Königsdynastie noch hochgehalten. Man stelle sich vor, zu Stalins Zeiten hätte man dem Zaren oder zu Walter Ulbrichts Zeiten Kaiser Wilhelm gehuldigt. Doch das Nationalistische dieser kommunistischen Ideologie ist unübersehbar.
Dabei ist die südkoreanische und japanische Welt besonders düster gezeichnet, mit zwielichtigen Bars und Bordellen. Das Europa von Pjöngjang hingegen ist sauber und idyllisch, Schiefer auf den Dächern, blühende Büsche im Garten. Den Erzfeind Amerika gibt es nicht, nur ein paar nachgemalte Poster amerikanischer Cowboy-Filme verweisen auf die Konkurrenz in Kalifornien.
Im darauffolgenden Folkloremuseum gelingt es mir mal wieder auszubüchsen. Währen selbst die Reiseleiter sich langweilen, verlasse ich das Gebäude in Richtung Strasse und entdecke eine der versteckten Restaurants der Stadt. Wann man das so sagen darf, es gibt vier Tische eine von der Zettelwirtschaft der Abrechnung überforderte Bedienung und drei Gäste, die sich ein Süppchen schmecken lassen. Da es verboten ist, sich in einheimischen Läden blicken zu lassen, beobachte ich das Geschehen vorsichtig. Die Einheimischen ignorieren mich vollommen. Was nicht sein darf, gibt es natürlich auch nicht. Gerade als ich mich innerlich dazu entschlossen hatte, ein paar Cent in einheimische Währung zu wechseln (was natürlich auch verboten ist), greift mich der Arm des Gesetzes von Hinten. Mit bitterböser Mine werde ich von der Staatssicherheit hinausbefördert und mir ultimativ klar gemacht: Das war jetzt die rote Karte, ein nächstes mal sich unerlaubt von der Truppe zu entfernen wird mit anderen Maßnahmen als grimmigen Blicken geahndet.
Dafür dürfen wir jetzt erstmals die zackigen Polizistinnen fotografieren, die den wenigen Verkehr lenken. Die Schönheiten in hellblauen Uniformen waen schon länger ein beliebtes Object, musten jedoch aus der Hüfte heraus fotografiert werden. Als ich gerade zum knipsen ansetze, fährt einer der antiquierten Oberleitungsbusse vorbei. Die Verbindung zur Oberleitung wird getrennt und man sieht quasi in Zeitlupe, wie das gefährt in seine Einzelteile zerfallen droht. Als dann noch eine Klapperkiste, Marke 50er Jaghre fast in den Bus reinfährt wird es unserem Aufpasser zu bunt: "Ich glaube, sie wollen hier nicht mehr fotografieren", so freundliche Verbote gibt es auch nicht überall.
Hgh Noon in Pjöngjang: Wir fahren zu den nordkoreanischen Filmstudios - im Volksmund auch Korrywood genannt. Hier führen Vater und Sohn Kim Regie. Schmachtfetzen und Kriegsgeschichten - am Besten kombiniert. Unser Reiseführer ist über unser Kopfschütteln nicht sonderlich überrascht. Für ihn schlägt hier das Herz der Filmkunst, eine Propaganda-Fabrik von gigantischen Ausmaßen, fast eine Million Quadratmeter groß.
Bei der Einfahrt durch den mächtigen grauen Torbogen grüßt natürlich wieder Kim Vater die Ankömmlinge, aber der eigentliche Star ist hier der Sohnemann. Kaum ein Werk, bei dem er nicht Regie geführt haben soll. Gut zwanzig Filme werden hier angeblich jedes Jahr produziert, aber wir sehen nicht viel davon. Das ganze gleicht eher einem Museum, das in die Jahre gekommen ist. Doch die Fassaden stehen. Straßenzüge aus dem China der 30er, dem Japan der 40er und dem Südkorea der 50er Jahre zeigen die Marschrichtung der Filme an. Was Modernes ? Fehlanzeige.
Die Filme spielen in der Wirklichkeit unseres sozialistischen Lebens, erklärt man uns und ein Schmachtfetzen sll es dann auch sein, er uns 15 Minuen vorgeführt wird. Eigentlich fällt nur auf dass auf den Tischen z einer Hochzeitsfeierlichkeit Unmengen von Essbarem zu sehen sind. Eine Vorstellung, die mit der Realität wenig zu tun haben dürften. Ansonsten Heldentum und Herzschmerz, unterlegt mit Pathos und Marschmusik.
Am Abend bevölkern wir wieder die Hotelbar. Während im Erdgeschoss in einer verhältnismäßig schicken Bar das bekannte Personal leckers Bier zu Billigpreisen ausschenkte, entdecken wir im Keller die von Chinesen betriebene Macao-Bar. Sieht aus wie ne Suppenküche, die Preise allerdings Frankfurter Niveau. Merkwürdig, merkwürdig, allerdings bekomme ich hier auch endlich ein paar einheimische Scheine. Zwar illegal und mit etwas Bakschisch, aber immerhin ohne Herumgezicke.
P.S. Am Abend erleben wir noch ein besonderes Spektakel. Eine Ratte kam hinterm Tresen hervor. Mit Erdnüssen versuchte ich, diese hervorzulocken. Der Bedienung war das gar nicht recht - vor Angst hob sie die Nüsse auf und warf sie gegen mich. Motto: Fang den Kammerjäger. Lg an H1.
| 13. Mai 2010 |