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Sonntag, 09. Mai, Pyöngyang
Bei Kim zuhaus Der Kult um den grossen Kim ist ebnso schwachsinnig wie einmalig. Früh Morgens ging's als erstes zum Gedenkpalast - dem Kim Il Sung - Mausoleum. Eine grosse Ehre für den so so ungebetenen Ausländer. Immerhin war der Herr auch zu Hause, denn seine Kollegen in Moskau oder Hanoi sind in der Regel auf Frischzellenkur, wenn ich da mal vorbeikomme. Nur Mao hatte sich 2004 mal blicken lassen. Schon am Vorabend wurde ich auf eine korrekte Kleidung hingewiesen, wenn ich zum grossen Führer komme. Bei meinem Reisegepäck ein nicht so einfaches unterfangen. Und in der Tat - die Einheimischen kamen im anzug, der Uniform und die Damen hatten sich Kostümmässig bestens herausgeputzt. Obwohl der Einheimische ja desöfteren dort vorbei schaut. Allerdings, nur wenn er in Pyöngyang wohnt. Denn bis auf die Parteibonzen darf man ja seine Heimatstadt ohne Sondergenehmigung nicht verlassen. Real life in North Corea. Oder Koryo, wie das hier heisst. Schließlich haben wir uns noch zum Heldenfriedhof aufgemacht. Dort liegen Leute, die sich im Krieg gegen Japan irgendwie verdient gemacht haben, mit Bronzebüsten etc., hier liegt auch die Frau von Kim Il Sung. Vor ihr mussten wir als Gruppe einen Blumenstrauß ablegen, 5 Euro das Stück, was in etwa den viertel eines Nordkoreanischen Monatsdurchschnittsverdienstes enrspricht. Verbeugung wiederum Pflicht - mein Kreuz tut schon langsam weh. Allerdings ein fantastisches Panorama.
Drinnen ging's dann erstmal über eine Menge Rolltreppen zum ersten Ziel, denn die Anlage ist ein riesiger Palast. Nichts zum nur mal so kurz "Hallo Kim" sagen. In Viererreihen mussten wir uns aufstellen, was bei der deutlich geringeren Disziplin der Touristen gegenüber der einheimischen Bevölkerung nicht gerade Freude bei den Wachen auslöste. Man betritt eine großen Halle und sieht sich unter kämpferischen Soldatenklängen einer überdimensionalen Statue gegenüber. Das alles in rot und dunkelblau untermalt. Meine Bemerkung, dass sei aber eine willkommene Geste zu ehren des neuen Deutschen Fussballmeisters, fand die deutschsprachige koreanische Reiseleitung gar nicht so spassig. Vorne musste man sich dann verbeugen, bevor die nächste 4er-Gruppe drankam. Was ich auch gerne gmacht habe - für den FC Bayedrn natürlich.
Dann der Höhepunkt - wie im James Bond Film. Durch eine Schleusse mit desinfizierendem Schuhbad und einem Gebläse, die einem die letzten Bakterien aus dem Genick blies kam man dann zum Mausouleum. Mister Kim Il Sung lag da und ruhte sanft - oder war es eine Wachsfigur ? Denn mit den korpulenten omnipräsenten Bildern in der Innenstadt hatte das ganze nichts zu tun. Man musste sich dann in 4er-Gruppen auf jede Seite stellen und sich vor ihm verbeugen - drei mal das ganze, lediglich an der Kopfseite war dergleichen nicht erwünscht - was mir natürlich wieder mal viel zu spät bewusst war. Danach gings in eine Halle mit jeder Menge Orden und Auszeichnungen, einem Raum, in dem Karten sind, wo der Meister dereinst auf Reisen war und sein Dienstwagen. Natürlich ein Mercedes. Dafür ist er mal im zug nach Ost-Berlin gereist - ein Führer hat halt doch so seine Zeit.
Pyöngyang zeigt sich als sehr weiträumig gebaut. Nichts asiatisches, vielmehr der aus Russland kommenden sozialistischen Bauweise nachempfunfen. Kein Wunder - im Koreagrieg hatten die UAS die Stadt dem Erdboden gleich gemacht und es entstand ein solzilistisches Utopia. Weiträumig mit vielen Monumenten, grossen Plätzen, aber auch weiträumigen Grünflachen angelegt. Beispiel eins: Der Triumphbogen, absichtlich drei Meter höher als das Vorbild in Paris zu Ehren - na von wem wohl ? - gebaut. Man kann sich auch unbehelligt zum Fotografieren Mitten auf die achtspurige Strasse stellen, denn Autos sind hier Mangelware und Sonntags ist eh Fahrverbot. Offiziell aus Umweltschutzgründen, realistischer weise jedoch aus Mangel an Benzin.
Danach ging's zum Mittagessen wieder in ein Restaurant. Reichhaltig, reichhaltig und zum ersten mal die Möglichkeit, einmal unbeobachtet (wers glaubt) für wenige Minuten auszubüchsten. Ich entschwinde in einen Laden - ein Lebensmittelgeschäft. 90 Prozent der spärlich gefüllten Regale mit Schnaps belegt. Ansonsten etwas Trockenfisch und das wars. Da es strikt verboten ist, einheimische Geschäfte zu betreten, hat mich Mister Kim (das war der vom Geheimdienst) aber auch gleich am Schlafittchen und macht mir mit finsterer Mine klar dass, er das nicht mehr sehen wolle. Danch betreten wir einen ofiziellen Buchladen, wir sollen uns mit Propagangamaterial, Reiseliteratur und Postkarten. Das Angebot ist eher von gestern, die Postkarten gibts in chinesisch und russisch. Ich kaufe welche, denn die Leute zu Hause schauen ja sowieso nur auf die Bilder. Neben an ist ein Fotoshop, wo diejenigen die welche haben, ihre Bilder entwicklen lassen. Man merkt - einheimischer Laden, verboten für die hessische Landbevölkerung. Mr. Kim findets gar nicht lustig und erteilt mit einen Verweis. Gelbe Karte - doch es werden noch mehr folgen.
Nachmittags dann ein Abstecher in einem Park mit einer ebenfalls atemberaubenden Aussicht. Atemberaubend deshalb, weil mir die Treppenstufen doch einiges an Atem bis hin zur aussichtsplattform geraubt hatten. Die Nordkoreaner picknicken, singen, tanzen und trinken reichlich Alkohol. Der Schnaps ist ja hier billig und offenbar auch reichlich zu haben. Alles sehr authentisch und nicht gestellt. Den betrunken feiert sichs immer lustig. Wir klatschen etwas mit und schauen uns das ganze an.
Der Abend endet im Hotel. Man trifft den einen oder anderen EU oder UNO Delegierten, an Heimischem nur das Thekenpersonal. Einige mehr oder weniger passable Kichererbsen, die ausser Bier auch kein Englisch verstehen. Bei denen von der EU hat man den Eindruck, die bereiten sich schon vor, dass der ganze Laden irgendwie zusammenbricht und dann will man ja der erste sein. Sehr konspirativ das ganze, doch man erfährt einige Tipps, die später noch von grossem Nutzen sind. Nicht zu sagen, dass die 0,64 Liter Flasche süffiges kommunistisches Bier immer ncoh 30 Cent kostet und die Bedienung nicht rausgeben kann. Also werden kräftig die Runden gebechert. Auf die EU, die UNO und mich !!!
P.S. Im Mausoleum muss ich zurück zur Gaderobe, hatte einen Kuli in der Hosentasche. Reiseführer: "Ist verboten". Meine Antwort: "Echt schade, hatte mich auf's Autogramm fefreut!". Lg an H1.
| 09. Mai 2010 |