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Samstag, 08. Mai, Pyöngyang
Willkommen im Real Existierenden Sozialismus Einige kurze Bemerkungen vorweg: Nordkorea ist vielleicht das isolierteste Land auf der Welt und nur wenige Touristen haben diesen totalitären Staat jemals besucht. Die Bewegungsfreiheit ist massiv eingeschränkt, man wird um die Uhr überwacht. Was liegt es da näher, dem Geheimdienst das eine oder andere Schnäppchen zu schlagen. Was natürlich auch gelang, denn wir haben uns Dinger erlaubt, die bis dato wohl seinesgleichen dort gesucht haben. Da es nicht auszuschliessen ist, dass dieser Blog in Verbreitung all dieser Erzählungen Nachteile für die dort handelnden Personen, besonders den Reiseleiter bringen kann, verzichte ich auf die eine oder andere Anekdote. Dennoch werden hier in den kommenden zwölf Tagen viel zu lesen sein. Es sind subjektive Eindrücke ohne Anspruch auf und Vollständigkeit und ohne umfassende politische Bewertung, es sind einfach die Eindrücke vom beeindruckenden eineinhalb Wochen im geheimnisumwobensten Land der Welt. Um 13 Uhr Pekinger Ortszeit geht es los. Wer denkt, dass die Reise in die DPRK , so heisst Nordkorea im Amtskoreanisch, nämlich Democratic Peoples Republik of Korea / Demokratische Volksrepublik von Korea eine Reise in die Vergangenheit ist, der wird beim Betreten des Flugzeugs postiv übberrascht sein. Eine nagelneue Tupolev begleitet uns auf die zweistündige Reise nach Pyöngyang. Und ein Service, von dem man bei der Lufthansa manchmal nur träumen kann. Eine kräftige Mahlzeit zum Lunch und zu trinken gabs: Äbbelwoi !!!! Jawoll, hat zwar nicht so geschmeckt wie das Stöffche aus Hessen, sondern eher wie volkseigener Cidre aus der DDR -- aber bei der Ankunft konnte die Stewardess zumindest schon mal fehlerfreies Hessisch. Von klassenloser kommunistischer Gesellschaft war allerdings auch nichts zu spüren. Während ich in der letzten Reihe sass, schlürften die chinesischen Geschäftsleute und die nordkorenischen Parteibonzen in er Business Class edlere Stöffchen. Bisher dachte ich allerdings, dass die Kamikazefliegerei in Japan beheimatet sei - vermutlich haben die Nordkoreaner auch einige dieser Helden hervorgebracht: Der Pilot saudt im strammen Sinkflug auf die Landebahn zu.
Bei der Ankunft um 16 Uhr Ortszeit sieht man zunächst kein Flughafengebäude, die Landebhn scheint unendlich lange. Doch wenig später sieht meine eine Art Egon Krenz, der uns im Laufe der Reise noch um die tausende Male begegenen wird , vom Terminal grinsen. Es ist ein Bild von Kim Il Sung, dem in einem schiesr unermesslichen Personenkult an jeder Strassenecke monumental gehuldigt wird.Noch kein Bundesklanzler oder amtierender US Präsident hat jemals einen Fuss in dieses Land gesetzt, jetzt bin ich da.
Bei der Sicherheitskontrolle wird erstmal das Handy konfisziert. Ein eigentlich sinnloser Vorgang, da man innerhalb des sowieso kaum vorhandenen Mobilfunknetzes dort eh nicht telefonieren kann. Es wird in einem blauen Säckchen verwart, mit der Bezeichnung B 52 beschriften und verschwindet irgendwo bei der Miliz, die jetzt 12 Tage Zeit hat den Code zu knacken. Da es im Land auch keinen Zugang zu E-Mail, Internet oder anderen Kommunikationsmedien gibt, kann ich unbeobachtet von der Aussen- , dafür aber um so mehr beobachtet von der Innenwelt das Land betreten.
Es begrüsst Herr Li - seines Zeichens Reiseleiter. Er stellt vor Herrn Kim, seines Zeichens OM (offizieller Mitarbeiter) der Staatssicherheit, der uns die ganze Zeit über im Auge behält und den Busfahrer, dessen Namen ich mir bis heute nicht gemerkt habe. Als erstes wir man mit der koreanischen Hausordnung vertraut gemacht: Keine Fotos im Bus, Fotos nur, wenn ausdrücklich erlaubt und das Hotel darf nicht verlassen werden. Die Ankunft im Hotel lässt Hoffnungen auf das eine oder andere Ausbüchsen schnell verfliegen. Wir landenden auf einer Insel im Fluss Paedong komplett abgeschirmt vond er Aussenwelt. Alcatraz lässt grüssen.
Gegen Abend wundert man sich schon mal über die verschiedensten Dinge:
-- im Hotel gibts BBC zu sehen, eins zu null für die Koreaner
-- aber kein Sender oder Internet, wo man die Fußball Bundesliga Ergebnisse mitbekommt, 1 zu 1
-- das Abendessen ist klasse, 2 zu 1
-- das Bier gibts in 0,64 Liter Flaschen, 3 zu 1
-- es kostet umgerechet 30 Cent, 4 zu 1
-- aber man kann es nicht bezahlen, da keiner Geld zum rausgeben hat. Dennoch 4 zu 2 für die Gastgeber.
Überhaupt bekommt man keine Landeswährung und bezahlt in Euro oder Dollar. Herausbekommt man entweder nichts, weil nichts in der Kasse ist oder das was gerade drin ist. Chinesische Yuan, etc, etc ...
P.S. Hinter der Verkaufstheke erkenne ich eine alte Bekannte. Die Dame war heute Mittag schon im Flieger als Stewardess beschäftigt. Job Sharing a la Nordkorea. Lg an H1.
Mangels Kommunikationsmöglichkeiten vor Ort erscheinen alle Berichte nach der Reise - da geht das Authentische leider etwas verloren. Statt einem "Moin Moin" sind die Blogs jetzt mit einer Überschrift versehen. Dieser Blog wurde am 19.05. erstellt.
08. Mai 2010